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Potsdam-Mittelmark Glockenläuten mit der Fernbedienung
Lokales Potsdam-Mittelmark Glockenläuten mit der Fernbedienung
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17:34 12.05.2015
Die Glocken in der Fresdorfer Kirche läuten jetzt automatisch. Neben ihr steht die Friedenseiche, die 1871 gepflanzt wurde. Quelle: Wolfgang Weber
Fresdorf

Der Fresdorfer ist es gewohnt, dass punkt 18 Uhr die Kirchenglocken läuten. Blieben sie einmal stumm, hieß es im Ort: „Es hat gar nicht geläutet – Rainer muss krank sein.“ Rainer Lehmann ist der Glöckner von Fresdorf, besser gesagt: Er war es. Am 31. Mai hat er noch einmal einen großen Auftritt, bevor er endgültig abtritt – als Glöckner, auf den immer Verlass war. Rainer Lehmann wird zusammen mit Pfarrerin Beate Koschny-Lemke an dem letzten Mai-Tag des Jahres punkt 14 Uhr das elektrische Geläut offiziell in Betrieb setzen und damit eine neue Ära in Fresdorf einläuten, die ihn arbeitslos macht – fast jedenfalls. Fest steht: Er muss sich nicht mehr jeden Abend auf den Weg zur Kirche machen, um 18 Uhr mit dem Seil die Glocken zu läuten.

Das passiert schon jetzt ganz automatisch, denn die Technik, die ihn ersetzt, ist bereits eingebaut und funktioniert seit dem Tag der Abnahme am 6. Mai 2015 ohne Probleme. Die Abschaffung des Glöckners begann am 28. September 2014 mit einem großen Fest. An dem Tag feierte der Kirchengemeinde ein Glockenfest, mit dem die Spendensammlung fürs elektrische Geläut startete. Allein an dem Tag spendeten die Fresdorfer und ihre Festgäste etwa 4200 Euro. Das war schon mehr als die halbe Miete, 7600 Euro wurden insgesamt gebraucht. Die Spendenfreude hielt auch danach an: Yvonne Bellin, Fresdorfs stellvertretende Ortsvorsteherin, sammelte bei den Gewerbetreibenden Geld ein. Jacob und Thore Krapp erledigten die nötigen Elektroinstallationen kostenfrei. Und die Sparkassenstiftung gab auch noch 1200 Euro dazu. „Das hätten wir uns nicht träumen lassen – dass das Geld so schnell zusammenkommt“, so Gemeindekirchenratsmitglied Wolfgang Weber, der für den Fresdorfer Ortsverein das Geschehen in Wort und Bild für die Nachwelt festhält.

Festakt am 31. Mai

Am 31. Mai um 14 Uhr drücken Rainer Lehmann, der Glöckner von Fresdorf, und Pfarrerin Beate Koschny-Lemke auf den Knopf, um offiziell das elektrische Geläut in Betrieb zu setzen.

Eingebaut hat die spendenfinanzierte Technik der Berliner Glockenbaumeister Wolfgang Schmidt.

Die nötigen 7600 Euro haben überwiegend die Fresdorfer gespendet.

Im Gemeindekirchenrat wird noch überlegt, ob die Glocken künftig neben der Traditionszeit 18 Uhr ein zweites Mal am Tag läuten sollen – dann um 12 Uhr und ganz automatisch.

Er kann zum Beispiel darüber berichten, wie sich 2014 Geschichte wiederholt hat – die von 1952, als die Fresdorfer schon einmal fleißig spendeten. Damals finanzierten sie die neue Kirchenglocke, die in Apolda gegossen wurde und der späte Ersatz für die große Glocke war, die im Ersten Weltkrieg für Kriegsgerät eingeschmolzen werden musste. Damals hat der Pfarrer die Spendenbereitschaft der Fresdorfer besonders gelobt, erzählt Weber. Das wird Pfarrerin Beate Koschny-Lemke am 31. Mai auch tun. Sogar der Glöckner hat für den Einzug der Moderne gespendet und damit seine eigene Abschaffung mit betrieben. Schon vor dem Start der Spendenaktion hatte er gesagt: „Bestimmte Entwicklungen lassen sich nicht aufhalten.“ Er sah sich als letzter in der Reihe der Glöckner in Fresdorf, weil kein Nachfolger in Sicht war. Komplett arbeitslos ist Rainer Lehmann in der neuen Zeit nicht. Er hat jetzt eine Fernbedienung zum Läuten, wenn die Glocken außer der Reihe erklingen sollen. Er kann morgens also im Bett oder abends am Fernseher bleiben und von dort aus auf den Knopf der Fernbedienung drücken, um ein Funksignal zum Sensor am Geläut zu senden. Dann wird der elektromagnetische Antrieb in Gang und mit dem Aufbau eines Magnetfeldes die Glockenjoche in Bewegung gesetzt, erklärt Weber. Das wird zu freudigen Anlässen wie Hochzeiten, Gottesdiensten und Taufen passieren oder zu traurigen. Wenn eine Fresdorfer stirbt, läuten am Folgetag morgens acht Uhr die Glocken. Die alten Traditionen bleiben also erhalten, auch wenn die Moderne Einzug gehalten hat. Die Fresdorfer sind auch froh, dass die Glocken weiterhin 18 Uhr läuten. Wie schon in der Kinderzeit des Glöckners, als die Eltern zu ihrem Nachwuchs sagten: „Wenn die Glocken läuten, kommt ihr nach Hause.“ Heute ist es mit der neuen Technik freilich möglich, beide Glocken gleichzeitig zu läuten. Das ging in der alten Zeit nicht. „Es hört sich fantastisch an“, sagt Weber.

Von Jens Steglich

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