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Gojko Mitic begeistert Saarmund

Saarmunder Filmabend mit Defa-Chefindianer Gojko Mitic begeistert Saarmund

Saarmund erlebte einen grandiosen Filmabend: In der Reihe „Saarmund im Film“, der zur 800-Jahrfeier des Ortes ins Leben gerufen wurde, lief der Indianer-Streifen „Die Söhne der großen Bärin“. Hauptdarsteller Gojko Mitic erzählte persönlich, wie er bei den Dreharbeiten vor 51 Jahren durchs Gras am Fuße des Saarmunder Bergs geschleift wurde.

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50 Jahre danach: Gojko Mitic und Dieter Hinze.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Saarmund. Als Red Fox im finalen Zweikampf Tokei-ihto durch die Prärie schleift, setzt im Saal ein Tuscheln ein. Der goldgeile Schurke reitet dem Horizont entgegen und zieht den Indianerhäuptling der Dakotas am Seil über das dürre Gras am Fuße des Saarmunder Berges. Die Leute im prall gefüllten Saal in der Saarmunder Ferienpension „Zum Mühlengrund“ erkennen ihren Berg sofort wieder und das herrliche Heidekraut am Rande, das dort immer noch wächst. Die Szene und weitere Aufnahmen aus dem Fort im Defa-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“ wurden vor 51 Jahren in Saarmund gedreht. 1966 kam der Streifen in die Kinos, ein halbes Jahrhundert später läuft er im Mühlengrund-Saal – in der Reihe „Saarmund im Film“, die Dieter Hinze vom Geschichtsverein zur 800-Jahrfeier des Ortes ins Leben gerufen hat. Der dritte und abschließende Teil der Reihe im Jubiläumsjahr wurde zu einem grandiosen Filmabend, weil Dakota-Häuptling Tokei-ihto persönlich im Mühlengrund eingeritten ist. Genau genommen kam Hauptdarsteller und Wahlberliner Gojko Mitic am Freitagabend mit dem Auto nach Saarmund. Begrüßt wird er dort als Held aus den Jugendtagen, als Sympathieträger aus einer anderen Zeit, der auch 50 Jahre später die Fans und nun auch deren Kinder und Enkel begeistert. Für Gojko Mitic war es wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Bevor der Filmprojektor für den Hauptfilm angeworfen wird, trägt sich der Gast ins Goldene Buch der Gemeinde Nuthetal ein, zu der Saarmund heute gehört. Im Ehrenbuch notiert er: „Hier fing alles an. Ich erinnere mich sehr gern.“

Gojko Mitic als Dakota-Häuptling Tokei-ihto im ersten Defa-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“

Gojko Mitic als Dakota-Häuptling Tokei-ihto im ersten Defa-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“. Einige Szenen des Streifens wurden in Saarmund gedreht.

Quelle: Defa-Stiftung

„Die Söhne der großen Bärin“, gedreht nach der Buchreihe der Autorin Liselotte Welskopf-Henrich, ist sein erster Film als Hauptdarsteller, der ihn in der DDR, einem Land, in der das Kollektiv die Hauptrolle spielte, zum Idol machte. Rückblende: Gojko Mitic ist den 1960er Jahren Sportstudent in Belgrad. Das damalige Jugoslawien ist ein beliebter Drehort. Der Student verdient sich beim Film nebenher etwas hinzu, erhält auch kleinere Rollen in Karl-May-Filmen und eine erste größere im westdeutsch-französischen Winnetou-Streifen „Unter Geiern“, wo er im Abspann eingedeutscht als „Georg Mitic“ erscheint. Zu der Zeit sucht die Defa nach einem Hauptdarsteller für ihren ersten Indianerfilm, der in Teilen in Jugoslawien entstehen soll. „Sie haben dort ein Foto von mir gesehen.“ Defa-Produzent Hans Mahlich soll gesagt haben: „Den wollen wir!“ Gojko Mitic will eigentlich zum Skifahren, als das Telefon hartnäckig klingelt. Er nimmt den Hörer trotzdem ab. Am anderen Ende ist die Defa... „Wäre ich nicht ans Telefon gegangen, ich wäre heute nicht hier“, sagt der 76-jährige, der in zehn Defa-Indianerfilmen mitspielte und dabei auch bei den wildesten Action-Szenen kein Double brauchte. Dass es nach dem Kinoerfolg „Die Söhne der großen Bärin“ weitere Filme geben würde, war zunächst gar nicht sicher. „Es gab in der Partei Leute, die sagten: Was wollen wir mit Indianern, wir haben andere Probleme“, erzählt Mitic. SED-Parteichef Walter Ulbricht schaute sich dann den Film, der im 17-Millionen-Land DDR 9,4 Millionen Menschen in die Kinos lockte, selbst an. Danach soll er gesagt haben: „Nu, weiter so.“ Das war das grüne Licht für die Indianerfilme, sagt Gojko Mitic. Er hatte damals auch Gespräche für weitere Winnetou-Filme laufen, entschied sich aber für die Defa und den Streifen „Die Söhne der großen Bärin“. Warum? „Wir hatten den besseren Stoff.“ Nichts gegen Karl May– aber: Liselotte Welskopf-Henrich war wirklich in Nordamerika, sie hat die Indianer erlebt und studiert, sagt der Hauptdarsteller von Tokei-ihto.

In Saarmund besticht er mit Humor. „Gut, das sie mich erkannt haben. Das Haar ist gefärbt“, sagt der ergraute Held. Als ihn Filmabend-Moderator Dieter Hinze mit einem Lied aus früheren Zeiten („Hey, Gojko, Gojko“) überrascht, kontert er mit einem neu aufgenommenen Song. Es geht um die Bewahrung der Natur, sagt Gojko, greift zum Mikro und singt mit viel Gefühl: „Zerstör mich nicht, sonst zerstörst du dich... Hey, hey, die Erde lebt.“ Danach sagt er zum Moderator: „Das war die Rache für dein Lied.“

Die Fans in Saarmund stehen am Ende des Abends Schlange für ein Autogramm oder ein Foto mit dem 76-jährigen. Sie können sich auf ein Wiedersehen freuen. Im Dezember läuft auf RTL eine dreiteilige Winnetou-Neuverfilmung. „Da spiele ich nicht Winnetou, aber den Papa von Winnetou. Für Winnetou war ich ein Jahr zu alt.“

Saarmunder Filmreihe

Zum 800-jährigen Bestehen kam Saarmund auch als beliebter Drehort zu Ehren – in der Reihe „Saarmund im Film“.

An Abenden zuvor wurden „Die Abenteuer des Werner Holt“ und der Konrad-Wolf-Film „Solo Sunny“ gezeigt.

Es gibt noch genug Stoff, um die Filmreihe im nächsten Jahr fortzusetzen, sagte Initiator Dieter Hinze.

Szenen des Films „Die Söhne der großen Bärin“ wurden am Seddiner See und am Saarmunder Berg gedreht. „Wo ich durchs Gras geschleift wurde, ist heute ihre Laufstrecke“, sagte Gojko Mitic im Filmgespräch zur Nuthetaler Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke), die sich am Saarmunder Berg fit hält. „Ich werde an Sie denken – beim nächsten Lauf“, sagte sie.

 

Von Jens Steglich

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