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Grade-Grundschüler sitzen gesund

Borkheide Grade-Grundschüler sitzen gesund

Die Borkheider Grundschüler lernen gesünder. An ihrer Hans-Grade-Schule sind ergonomische Tische und Stühle selbstverständlich. Sie lassen sich in der Höhe verstellen und damit an die unterschiedliche Größe der Jungen und Mädchen einer Klasse anpassen. Selbstverständlich ist das freilich längst nicht an Schulen der Region.

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Alexandra Leifheit aus Borkheide (li.) und Lahra Lange aus Borkwalde finden ihre verstellbaren Stühle und Tische in der Grundschule normal.

Quelle: FOTO: Andreas Trunschke

Borkheide. Alexandra und Lahra finden nichts Besonderes an ihren Stühlen in der Hans-Grade-Grundschule Borkheide. Sie sitzen gut darauf. Das ist doch normal. Ist es das? Noch sind ihre Stühle und Tische nicht für alle Schüler an Grundschulen der Region Alltag. Nach Studien, auf die der Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung verweist, soll in Deutschland nur ein Viertel aller Schüler auf ihre Körpergröße abgestimmte Stühle und Tische zur Verfügung haben. Dabei können die Größenunterschiede bereits innerhalb einer Klasse bis zu 40 Zentimeter betragen.

Schmerzen schon im Kindesalter

In großen Wachstumsphasen, die meist zwischen fünf und sieben sowie elf und 15 Jahren liegen, entwickeln sich Wirbelsäule und Muskulatur von Kindern oft sehr verschieden. Haltungsschäden wirken sich drastisch aus.

Zwei Drittel aller Zehn- bis 16-Jährigen, die einen Kinderarzt aufsuchen, klagen über Rückenschmerzen. Bandscheibenvorfälle gibt es schon bei 15-Jährigen.

Auch an der Borkheider Schule sind erst zwei Drittel der Räume mit höhenverstellbaren Stühlen und Tischen ausgestattet. Diese Möbel können auf drei Höhen mit je drei Stufen eingestellt werden. Insgesamt können die Schüler also zwischen neun verschiedenen Höhen wählen. Für Schulleiterin Ines Glumm ist es wichtig, „dass die Schüler bequem zwischen einer Arbeits- und einer Zuhörhaltung wechseln können“. Hydraulische Modelle indes würden nur Unruhe erzeugen. Rollen an den Stuhlbeinen und kippbare Tischplatten findet die Pädagogin ebenfalls wenig praxistauglich. Ebenso die vielerorts beliebten Sitzbälle.

Alle halbe Jahre wird in den Borkheider Schulklassen überprüft, ob die Kinder so gewachsen sind, dass der Hausmeister die Höhen ihrer Sitzmöbel verstellen muss. Bevor er jedoch tatsächlich Hand anlegt, greift man zu einem einfachen Mittel. Die Schüler tauschen ihre Sitzgelegenheiten, so dass am Ende nur wenige Stühle und Tische wirklich zu verstellen sind.

Künftig nur noch ergonomische Möbel

Damit alle Kinder in den Genuss mitwachsender Sitzmöbel kommen, strebt die Gemeindevertreterin Edda Haage (SPD) einen Grundsatzbeschluss ihrer Gemeinde an. Wenn künftig wieder die Anschaffung von Stühlen und Tischen ansteht, dann sollen nur noch ergonomische Möbel gekauft werden. Das könnte bald sein. „Schon im nächsten Jahr ist eine Klasse neu einzurichten, im übernächsten Jahr wieder eine“, erklärt Glumm. Deshalb ist sie froh über die Initiative der Gemeindevertreterin. Den von ihr geleiteten Sozialausschuss hat Haage schon überzeugt: Voraussichtlich im Mai wird sich die Gemeindevertretung positionieren. Mit Unterstützung des Amtes Brück wurde bereits eine Firma gewonnen, die einen Stuhl und einen Tisch zum Probesitzen bereitstellt. Die Lieferung wird jeden Tag erwartet. Dann wird getestet. „Qualität geht vor Quantität“, gibt Haage die Richtung vor.

Edda Haage (SPD) kämpft für gesunde Sitzmöbel in der Borkheider Schule

Edda Haage (SPD) kämpft für gesunde Sitzmöbel in der Borkheider Schule.

Quelle: Andreas Trunschke

Sie kämpft auch deshalb so engagiert für die ergonomischen Stühle, weil sie selbst mit Rückenprobleme zu kämpfen hat. „Aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis weiß ich, dass die Ursache solcher Beschwerden oft weit in der Kindheit begründet sein kann“, sagt Edda Haage. Während früher das Kippeln verpönt war, wird es heute ebenso wie das Recken und Strecken oder der Reitsitz von vielen Lehrern als Signal eines Bewegungsbedürfnisses der Schüler aufgefasst.

Kita und Lehrer haben keinen Bedarf

„Wie sitzen eigentlich die Kinder“, war für Haage die Ausgangsfrage. „Gute Wirbelsäulen sind kein Luxusproblem“, weist sie Kritik zurück, die auf viel dringendere Investitionen hinweist. Auch das Geldproblem lässt Haage nicht gelten: „Wir geben so viel Geld aus für Arztbesuche, für Ernährungsberater, für Rückenschulen, für Physiotherapeuten, für Gesundheitstage und für Turnhallen. Auch für Computertechnik und Whiteboards“, sagt die Abgeordnete. An der Wurzel von vielen Rückenproblemen anzupacken, ist für sie daher „eine gute und am Ende preiswerte Wahl“.

Lernen auch im Stehen oder liegend

Die resolute Abgeordnete hat sich auch schon bei der Kita nach dem Bedarf erkundigt. Aber dort hätten die Erzieher abgewunken. Die Kita-Kinder blieben sowieso kaum auf ihren Stühlen sitzen, sondern laufen meistens herum, hieß es. Ganz ähnlich sieht es bei den Lehrern der Grundschule aus. Freilich hätten auch sie nichts gegen ergonomische Sitzmöglichkeiten. Doch sitzen die wenigsten Lehrer bei ihrer Arbeit. „Der Bedarf bei den Schülern ist eindeutig größer“, sagt Ines Glumm. Eine konsequente Weiterentwicklung der Borkheider Gesundheitsinitiative wäre es, den Kindern auch das Lernen im Stehen oder gar liegend zu ermöglichen. Auch dafür lassen sich inzwischen Beispiele an brandenburgischen Schulen finden.

Von Andreas Trunschke

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