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Groß Kreutz Chris Rappaport aus Deetz: Architekt und Heimatforscher
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Chris Rappaport aus Deetz: Architekt und Heimatforscher
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15:57 06.02.2019
Schaut gerne zurück: Hobby-Historiker Chris Rappaport vor dem Gründungsort der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark. Quelle: Tobias Wagner
Deetz

Curate pro memoria: die drei lateinischen Wörter stehen für „die Erinnerung bewahren“. Reiht man die Anfangsbuchstaben der Wörter aneinander, dann ergibt sich das Kürzel CPM, mit dem sich ebenfalls die Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark abkürzen lässt.

Dies ist kein Zufall, denn die Erforschung der Geschichte ist das Anliegen des Vereins, welcher am 18. Februar 1998 beim 45. Treffen der regionalen Ortschronisten in Groß Kreutz gegründet wurde, und die Chronisten des Landkreises vereinigt.

Der Deetzer Architekt Chris Rappaport ist Vorstand der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark und des Deetzer Heimatvereins.

 Seit dem ersten Tag gehört Chris Rappaport als Schatzmeister dem Vorstand der Chronistenvereinigung an. Mit dem Begriff „Ortschronist“ kann sich der 66-jährige aus Deetz, Ortsteil der Gemeinde Groß Kreutz, jedoch nicht so recht anfreunden. „Bei Ortschronisten denkt man an einsame alte Menschen, die in einem dunklen Kämmerlein hocken und verstaubte Bücher wälzen“, sagt Rappaport schmunzelnd.

Da er zudem seit 21 Jahren den Heimatverein Deetz leitet, gehört der Begriff für Rappaport breiter gefasst. „Das Thema Heimatverein ist entscheidend“, so der Deetzer. Die Chronisten gehören zwar zum Verein, jedoch sei die Aufgabe nicht nur der Blick zurück, sondern auch der nach vorne.

So müssen die Weiterentwicklung des Heimatvereins im Auge behalten, und regelmäßige Veranstaltungen geplant werden, denn die Mitglieder treffen sich jährlich etwa alle zwei Monate in verschiedenen Ortschaften des Landkreises Potsdam-Mittelmark. In den 21 Jahren seines Bestehens organisierte der Heimatverein so über 180 Veranstaltungen mit Chronisten vor Ort, man hielt Fachvorträge und besuchte historische Bauten der jeweiligen Gemeinden.

Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark (CPM)

Die Chronistenvereinigung von Potsdam-Mittelmark ist ein Zusammenschluss von Chronisten und Heimatforschern im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Ziel der Vereinigung ist es, eine Kontaktstelle aller Mitglieder zu bilden und die Erforschung der Geschichte sowie die Erfassung des Zeitgeschehens zu fördern.

Der Verein organisiert und führt Fortbildungsmaßnahmen durch. Zudem unterstützt er die Heimatforscher beim Anlegen und Führen von Chroniken sowie bei der Erschließung von historischen Quellen.

Schwerpunkte der Arbeit liegen unter anderem in der Erfassung des vorhandenen Schriftgutes bei den Heimatforschern im Kreis, dem Aufbau einer Handbibliothek für die Chronisten, der Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit sowie der Verbreitung der Heimatgeschichte in örtlichen Schulen.

Weitere Informationen unter www.chronistenvereinigung-pm.de oder bei Facebook: Backofen Deetz/Heimatverein

Der Blick auf die eigene Historie blieb dabei jedoch stets erhalten. 2015, pünktlich zum 825. Jubiläum des Ortes, veröffentlichte der Heimatverein die Chronik „Deetz im Wandel der Zeit 1190 – 2015“. Auf 148 Seiten zeigt diese neben der Geschichte des Ortes einzigartige private Fotos aus dem Dorfleben.

„Uns waren typische Dorfszenen wichtig, und keine reinen Hausansichten“, sagt Rappaport, zu dessen Aufgaben die Kalkulation, der Druck und die Bebilderung der Chronik gehörten. Des weiteren bereitet die Chronistenvereinigung die mittlerweile dritte Ausgabe ihres Heimatkalenders Potsdam-Mittelmark vor. Dieser existierte zwar bereits seit 1913, wurde aber nach 15 Jahren Pause 2018 vom Verein übernommen.

Mit der Wiederveröffentlichung des Heimatkalenders Potsdam-Mittelmark bietet der Historische Verein Deetz einen Blick auf die Geschichte der Region. Quelle: Tobias Wagner

Auf knapp 100 Seiten begibt sich die Broschüre auf einen Streifzug durch den Landkreis und stellt unter anderem jeweils historische Besonderheiten, örtliche Traditionen, Personen, Feste und Jubiläen in den einzelnen Regionen dar.

Die ersten Beiträge seien schon eingetrudelt. „Jeder kann einen Beitrag leisten, dieser ist auch erwünscht“, sagt Rappaport. „Allerdings muss der regionale Bezug stimmen.“ Das Interesse für die Vergangenheit entwickelte sich für den Hobby-Historiker jedoch erst durch seinen Beruf. „Ich fand Geschichte in der Schule eher uninteressant“, gesteht Rappaport. „In meiner Tätigkeit als Architekt müssen aber neue Bauten in ein historisches Umfeld passen, da stellt sich schnell die Frage nach den baulichen und geschichtlichen Zusammenhängen.“

So seien beispielsweise viele Schieferdächer in Deetz zu finden, obwohl das Gestein nicht in der Region gebrochen wird. Durch die Nähe zur Havel und dem damit verbundenen Schiffsverkehr gelang der Schiefer vor etwa 150 Jahren in die Region. „Das finde ich total spannend“, so Rappaport. „Für sowas interessiert sich nicht einmal die Denkmalpflege.“

Suche nach jungen Mitstreitern

Auf das lange Bestehen des Heimatvereins sowie der Chronistenvereinigung ist der Architekt stolz, schließlich sei Kultur immer auch eine freiwillige Aufgabe. „Natürlich macht man sich Gedanken, wie man jüngere Menschen für diese kulturelle Arbeit begeistern kann“, so Rappaport. „Es wurde bereits der Vorschlag gemacht, den Namen Heimatverein zu ändern, da das Wort Heimat heutzutage auch negativ konnotiert sein kann“, gesteht er. „Wenn dies ein Grund sein sollte, dass der Nachwuchs ausbleibt, dann ändern wir diesen, aber junge Leute hängen sowieso lieber an der Bushaltestelle herum.“

Trotzdem werde der Kontakt gesucht. In Gesprächen mit den Jugendlichen der Deetzer Gemeinde machten diese den Vorschlag, ein Dorflogo zu entwickeln. „Das ist nun in der Mache“, so Rappaport. „Der Vorteil eines Vereins sind natürlich auch die Mitgliederbeiträge, die für solche Aktionen genutzt werden können.“

Viele Pläne für die künftige Arbeit

Überhaupt habe er noch eine Menge Visionen für die zukünftige Arbeit. „Es fehlen oftmals Brüche des Dorfes Deetz wie der Krieg oder die Wende in den Aufzeichnungen“, sagt Rappaport. „Keiner spricht so wirklich darüber, obwohl es ebenfalls zur Geschichte gehört.“ Gerade hier sei die Arbeit von Zusammenschlüssen wie dem Heimatverein Deetz oder der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark besonders wichtig, denn: „So etwas muss aufgeschrieben werden“, fordert Rappaport. „Schlussendlich werden die Zeugen der Vergangenheit immer weniger.“

Von Tobias Wagner

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