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Groß Kreutz Gefischt im Strom der Zeit
Lokales Potsdam-Mittelmark Groß Kreutz Gefischt im Strom der Zeit
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12:27 09.05.2018
Zahlreiche Handwerke prägten einst den Alltag in dem Dorf am südlichen Havelufer – hier Werkzeug aus einer Schuhmacherwerkstatt. Quelle: Tobias Wagner
Deetz

Betritt man das ehemalige Gemeindehaus in Deetz, einem Ortsteil von Groß Kreutz (Havel), fallen sofort die hohen Wände, der wunderschöne Stuck und aufwendig gefertigte Parkettboden ins Auge. Als Wohnhaus einer wohlhabenden großbäuerlichen Familie erbaut, beherbergte das Gebäude lange Zeit die Gemeindeverwaltung und bis 1993 gar die Arbeitsräume des Bürgermeisters. Ein Haus mit Historie. Und damit idealer Ort für das Heimatmuseum des Tausend-Seelen-Ortes.

Die Ausstellung über das Leben der Menschen und die Arbeitsplätze füllt zwei Räume des früheren Deetzer Gemeindehauses.

„Hier im Dorf ist man noch aufeinander angewiesen“, sagt Chris Rappaport. „Dies war auch der Grund, mich in dieser Form zu engagieren“. Der 65-Jährige ist Vorsitzender des 20 Jahre agierenden Deetzer Heimatvereins. Die 30 Mitglieder haben über die Jahre mühselig allerhand aus der Dorfgeschichte zusammengetragen und in den historischen Räumen des Gemeindehauses ausgestellt.

Der Besucher sieht zahlreiche Geräte aus dem Haushalt und der Landwirtschaft. Auch das Schulleben ist Teil der Dauerausstellung. Neben alten Fernsehern, Holzpantinen und Krautschneidemaschinen finden sich verbotene Fischräuberspeere, historische Bierflaschen und Hängestöcke, die beim Schlachten des Viehs genutzt wurden.

Geöffnet nach Anmeldung

Das Heimatmuseum liegt in der Alten Dorfstraße 1, 14550 Groß Kreutz (Havel), Ortsteil Deetz.

Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung ist nicht barrierefrei.

Reguläre Öffnungszeiten gibt es nicht. Besucher können sich unter 033207/32099 anmelden.

Das Museum nimmt am Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“ am 27. Oktober teil.

Alltägliches, in dem oftmals auch kleine Besonderheiten zu finden sind. Eine etwa 100 Jahre alte Barttasse zum Beispiel. Ein Keramikeinsatz in der Tasse sollte den Schnauzbart des Kaffeetrinkers schützen.

Von viel Erfindungsreichtum der Dorfbewohner von einst zeugen eine Apfelschälmaschine, Saftpresse und ein Kirschaussteiner. „Alles selbstgebaut“, sagt Rappaport. Aus unterschiedlichsten Teilen zusammengesetzt, sollten die Geräte die Arbeit in der Küche erheblich erleichtern. Das Lieblingsstück Rappaports ist ein Originalfoto der Deetzer Kirche von 1900, das hinter dem Schrank eines Geistlichen gefunden wurde.

Umfangreiches Archiv mit Fotos aus den Ziegeleien

Besonders stolz ist der Heimatverein auf ein umfangreiches Archiv mit Fotos der sieben Ziegeleien, die es einst in Deetz gab. Die Ziegeleien existierten bis in die 1960-er Jahre, bevor sie außer Betrieb gegangen sind. Von diesen Betrieben ist heute nichts mehr übrig, der Verein konnte sich jedoch die letzten Überreste sichern.

Günter Fillies, Vereinsmitglied und aus einer Familie mit Ziegeleitradition stammend, baute gar das Modell eines Ringofens der Deetzer Ziegelei Rudolf Neumann nach. Und das einzig aus seinem Gedächtnis. Solch ein Ofen galt als Einrichtung zum effektiven kontinuierlichen Brennen von Ziegeln, Kalk und Gips und ist Vorläufer der modernen Tunnelöfen.

Als noch viele Vereine gab

Ein weiterer Schwerpunkt des Heimatmuseums ist die Darstellung der Aktivitäten der Vereine des Dorfes. Fotos zeigen unter anderem die Entwicklung des „Traktor“ Deetz zum Fußballclub Deetz. Ledereimer dokumentieren die Ursprünge des Feuerwehrwesens. Tanzröckchen hingegen zeugen vom ehemals bis weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannten Karnevalsclub der Gemeinde.

Vom Gesangsverein, der bis nach der Wende existierte, ist die restaurierte Gründungsfahne von 1888 zu bestaunen. Besonders kurios – ein Foto mit passendem Instrument zeigt die Beliebtheit des Mandolinenclubs in den 1960-er Jahren. Das Motiv zeigt nicht wenige Deetzer beim Spielen auf dem Saiteninstrument.

Kaum noch jüngere Leute dabei

„Heute haben wir im Ort nur noch vier Vereine“, bedauert Rappaport. „Die Feuerwehr, den Fußball, die Angler und unseren Heimatverein“. Es kämen kaum noch jüngere Menschen nach. Es fehle das Engagement.

Das spüre man auch im Museum. Selbst Schulgruppen ziehe es nicht in die Ausstellung. „Die Zeiten sind mittlerweile andere“, weiß der Vereinsvorsitzende.

Alte Übersicht der Handwerker und Gewerbetreibenden

Es habe sich viel verändert im Dorf. Besonders eindringlich zeigt sich das an einer alten Übersicht der Handwerker und Gewerbetreibenden des Dorfes. Von den unzähligen Handwerksbetrieben, Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten vergangener Tage existieren heute nur noch wenige.

Rappaport und den übrigen Vereinsmitgliedern ist bewusst, dass ihr Heimatmuseum nicht unbedingt zum mehrmaligen Besuch einlädt. „Wer die Sachen einmal gesehen hat, wird kaum wiederkommen“, sagt der Ehrenamtler.

Dieses Jahr ist Jubiläum

Um dem entgegen zu wirken, organisiert der Heimatverein seit Jahren in der Adventszeit eine Sonderausstellung zur Geschichte des Dorfes. „Um interessant zu bleiben.“ In den vergangenen Jahren wurden in einem Nebenraum des Museums unter anderem historische Spielzeuge, Uhren und Kunsthandwerk ausgestellt. 2018 lasse man sich etwas ganz besonderes einfallen. Schließlich feiert der Heimatverein dieses Jahr 20-jähriges Jubiläum.

Geplant ist bisher die Ausstellung von Fotos, welche die wichtige Arbeit des Vereins zum Erhalt der Dorfgeschichte verdeutlichen. „Mit kleineren Museen wie unserem müsste noch mehr passieren“, schließt Chris Rappaport ab. „Wir werden sehen, wo die Entwicklung hingeht.“

Von Tobias Wagner

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