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Große Angst vor nassen Füßen

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Gewässerentwicklungskonzept Große Angst vor nassen Füßen

Im gesamten Planetal brodelt es. Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen das Gewässerentwicklungskonzept an Plane und Buckau. Nun wurden 624 Unterschriften von Einwohnern aus Locktow, Ziezow, Mörz, Gömnigk und Trebitz gesammelt und im Ministerium in Potsdam abgegeben.

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Die Bürgerinitiative gegen das Gewässerkonzept sammelt Protest-Unterschriften in Brück-Trebitz.

Quelle: A. Koska

Lühnsdorf. Die Post streikt, deshalb hat sich Matthias Block aus Gömnigk selbst auf den Weg ins Ministerium nach Potsdam gemacht – im Gepäck 624 Unterschriften von Einwohnern aus Locktow, Ziezow, Mörz, Gömnigk und Trebitz. Sie alle sind sauer auf die Planungen aus dem Gewässerentwicklungskonzept (GEK) „Plane-Buckau“. Im gesamten Planetal brodelt es. Mittlerweile hat sich die Bürgerinitiative „Planetal“ gegründet und hat Mitglieder in allen Orten zwischen Raben und Brück.

In jedem Dorf fungiert ein Bürger als Ansprechpartner. Auch aus Lühnsdorf werden Unterschriften das Ministerium und das Landesumweltamt erreichen. Hier waren jetzt 19 Landwirte und Grundbesitzer zusammengekommen, um die Bürgerinitiative zu gründen. Ausgelöst wurden die Diskussionen und kritische Stimmen durch den Bericht in der MAZ, der die Pläne einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hatte.

Die Proteste haben inzwischen das Ministerium aufgeschreckt. Abteilungsleiter Kurt Augustin und Referatsleiter Jean Henker sind in Begleitung von Jutta Kallmann, die beim Landesumweltamt die Pläne mit verantwortet, Anfang Juni nach Niemegk gekommen, um den Landwirten das GEK zu erläutern. Sie betonten, dass man auf Stellungnahmen verzichten könne, da es dafür beim GEK keine zeitlichen Beschränkungen gäbe, erinnert sich Sylvia Wernitz, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Sie war bei der Unterredung dabei. Eine von Thomas Hemmerling angekündigte Stellungnahme lässt immer noch auf sich warten. „Ich warte auf eine Gegenzeichnung durch das Ministerium“, sagt der Direktor des Amtes Niemegk.

Die Unterredung hatte augenscheinlich keinen Erfolg, denn es folgte die Gründung der Bürgerinitiative. Die Einwohner und Landwirte wollen sich gegen die Umsetzung der Pläne sowohl an der Plane als auch am Lühnsdorfer Bach zur Wehr setzen. „Wir als größter Flächennutzer, Flächeneigentümer und Mitglied der Bürgerinitiative Planetal, erheben in aller Deutlichkeit Einspruch gegen das vorgelegte Gewässerkonzept und lehnen dieses vollständig ab“, betont Ulrich Benedix, der ebenfalls in Niemegk zugegen war.

Das Konzept

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert die Erarbeitung von Gewässerkonzepten. Es gibt 161 Konzeptgebiete im Land Brandenburg.
Bei dem Konzept ist keine formelle Beteiligungvorgesehen,diesewird erst bei der Umsetzung der Maßnahmen erfolgen. Dann soll auch mit den Eigentümern gesprochen werden. Bisher handelt es sich nur um ein Konzept.
Bis zum Jahr 2027 soll das Konzept umgesetzt werden. Allerdings bezweifeln viele Leute, dass das Geld reicht, um alle Ziele zu erreichen, die in dem Entwicklungskonzept stehen.

Der Geschäftsführer der Kranepuhler Genossenschaft Flämingrind geht davon aus, dass der Landwirtschaft Flächen fehlen werden, wenn alle Renaturierungs-Vorschläge aus dem Konzept umgesetzt werden. „Die Reduzierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche wirkt sich negativ auf unser betriebliches Einkommen aus, welches über betriebliche Kündigung, Arbeitsplatzverlust kompensiert werden müsste“, befürchtet der Landwirt. Benedix sieht einen wirtschaftlichen Schaden von rund 18.000 Euro im Jahr auf sich zukommen.

Die Einwohner fürchten nasse Keller. „Die geplanten Gewässerentwicklungsmaßnahmen entlang des Lühnsdorfer Bachs werden zu einer Überflutung meines Kellers führen“, heißt es in dem Einspruch von Bernd-Roderich Thiele. Er ist der Sprecher der Bürgerinitiative in Lühnsdorf. Außerdem glauben die Landbesitzer, dass mit den Maßnahmen am Lühnsdorfer Bach ihre Flächen vernässen werden und dadurch diese landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar sind.

„Der geplante Rückstau beziehungsweise die Wasserrückhaltung durch den Einbau von Totholz, Zwangs- und Gewässerrandstreifen, Neuanpflanzungen und dem Beräumungsverbot von Bäumen werden meine Flächen zwangsweise vernässen“, ist Thiele überzeugt. Die Fläche sei dann nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar. Dadurch „entstehen mir finanzielle Einbußen bis hin zum monetären und bankseitigem belastungsfähigen Wertverlust meiner Eigentumsflächen“, so Thiele. Ähnliche Sorgen plagen auch andere Leute. Bei einem Termin des Kreisbauernverbandes am morgigen Freitag will Thiele das Thema zur Sprache bringen.

Von Andreas Koska

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