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Große Putztage in der Kirchenorgel

Locktow Große Putztage in der Kirchenorgel

Nach gut 20 Jahren seit ihrer letzten Reinigung und nach jüngsten Bauarbeiten für eine neue Glocke in der Locktower Kirche, hat die betagte Orgel dort nun eine Grundreinigung erhalten. Winfried Kuntz, der Bad Belziger Kantor und Orgelexperte, packte dabei tatkräftig mit an. Er gewann so auch einige neue Erkenntnisse zur Historie des Handwerks im Fläming.

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Reinigungsteam: Mitten in der Locktower Orgel arbeiten Jörg Stegmüller (re.) und Winfried Kuntz.

Quelle: Thomas Wachs

Locktow. Ein wesentlich frischerer Klang sollte das Ergebnis sein von mehreren Tagen Arbeit im Inneren der Locktower Kirchenorgel. Dort erledigte Jörg Stegmüller kürzlich einen alle 20 bis 30 Jahre für Instrumente dieser Art nötigen größeren Putzeinsatz. Der Orgelbaumeister aus Wilhelmshorst spricht von einer „Teilausreinigung“, die nun mal wieder fällig war. Schließlich hatten auch die jüngsten Arbeiten zum Einbau einer neuen Glocke im Turm einigen Staub aufgewirbelt, der den Klang des historischen Instrumentes dämpft.

Kantor hilft tatkräftig beim Putzen

Tatkräftige und vor allem fachkundige Hilfe beim Putzen erhielt Stegmüller von Winfried Kuntz. Der Bad Belziger Kantor und Orgelexperte sieht solche Arbeitseinsätze immer auch als Forschungsprojekt. „Ich lerne bei jeder Orgel immer wieder etwas Neues dazu“, erzählt der Orgelfan. In der Bad Belziger Marienkirche baut er ein kleines Orgelmuseum auf.

„Hier kann man schon von einem besonderen Faible sprechen“, sagt Jörg Stegmüller, als ihm Winfried Kuntz die nächste gereinigte Holzpfeife zum Wiedereinbau in das Innere der Orgel reicht. „Es ist landauf, landab schon einmalig, dass ein Kantor mit die Orgel putzt“, sagt der Handwerksmeister. Er hat einige der insgesamt circa 400 Pfeifen aus Holz und Metall auch in die heimische Werkstatt geholt, um sie zu richten. Nun ist die Orgel wieder komplett.

Instrument aus Niemegk

Die Orgel in der Kirche zu Locktow ist im Jahr 1848 von Orgelbaumeister Gottfried Wilhelm Baer aus Niemegk geschaffen worden. Er baute dort von 1844 bis 1872 Orgeln.

Der Orgelbauer Gottfried Wilhelm Baer wurde 1811 in Zwebendorf bei Landsberg geboren. Er verstarb 1876 in Niemegk.

Im Fläming und drumherum hinterließ der Handwerker Baer-Orgeln in Kloster Zinna, Rohrbeck, Bochow, Gölsdorf, Niemegk, Rädigke und Beelitz.

Das Locktower Instrument ist das zweitälteste aus Baers Werkstatt. Eine baugleiche Schwester existiert heute noch in der Kirche zu Rohrbeck im Landkreis Teltow-Fläming.

Die älteste Orgel, die Wilhelm Baer schuf, steht in der Kirche zu Rädigke. Sie stammt aus dem ersten Produktionsjahr 1844.

Insgesamt bescheinigt der Experte dem Locktower Instrument, das 1848 vom Niemegker Orgelbauer Gottfried Wilhelm Baer geschaffen wurde, einen guten Zustand. Lediglich dessen Lunge bereitet den Experten jetzt noch Sorgen. „Die Leder-Bespannung des Blasebalgs ist spröde und hat Löcher“, erklärt Stegmüller nach seiner Inspektion. „Die Luft pfeift an einigen Punkten so stark ab, dass man sich die Haare föhnen könnte“, sagt Winfried Kuntz.

Für Reparatur des Blasebalgs fehlt noch Geld

Während die nun abgeschlossenen Reinigungsarbeiten aus dem laufenden Etat der Kirchengemeinde finanziert werden, fehlt für die Reparatur des heute mit einem Elektromotor angetriebenen Blasebalgs noch das Geld. Mindestens 2000 Euro wären nötig, um einen der insgesamt zwei Balge zu sanieren.

Winfried Kuntz inspiziert einen  Blasebalg, dessen Bespannung marode ist

Winfried Kuntz inspiziert einen Blasebalg, dessen Bespannung marode ist.

Quelle: Thomas Wachs

„Nötig und wünschenswert wäre dies schon, damit die Orgel wieder richtig atmen kann“, erklärt Jörg Stegmüller. „Dabei ist die Locktower Orgel für die kleine Dorfkirche hier schon etwas zu opulent“, sagt Winfried Kuntz. „Es gibt einige größere Kirchen, die mit viel kleineren Orgeln auskommen“, sagt der Kenner. „Womöglich war das Instrument ja ein Referenzobjekt in der Nähe seiner Niemegker Werkstatt, mit dem sich Baer damals für weitere Aufträge in der Region präsentieren wollte“, erzählt Jörg Stegmüller.

Blick von der Orgelempore  der Locktower Kirche

Blick von der Orgelempore der Locktower Kirche.

Quelle: Thomas Wachs

Ansonsten erleide die Locktower Orgel das Schicksal vieler solcher Instrumente in Dorfkirchen. „Oft ist niemand mehr da, der sie regelmäßig spielen könnte, um sie in Bewegung zu halten“, sagt Winfried Kuntz. „Damit bleiben die Orgeln auch unterfordert, weil oftmals gar nicht alle ihrer Möglichkeiten genutzt werden“, erklärt der Experte. Er plant daher für die zweite Jahreshälfte ein Konzert auf der frisch gereinigten Orgel zu Locktow. Mal sehen, wem dann alles der frischere Klang in der Kirche auffällt.

Von Thomas Wachs

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