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Große Solidarität für gestrandeten Lkw-Fahrer

Treuenbrietzen Große Solidarität für gestrandeten Lkw-Fahrer

In Treuenbrietzen läuft eine Solidaritätsaktion für einen gestrandeten Lkw-Fahrer. Mit einem Reifenschaden ist er zum Stillstand verdammt. Der Bulgare sitzt an der Tankstelle fest – seit 19 Tagen. Ihm fehlt Geld für Reparatur und Essen. Bürger und zwei zwölfjährige Schüler starten eine Spendenaktion. Sie wird von vielen Geschäftsleuten unterstützt.

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Freunde geworden: Tankwart René Rothemann (re.) sowie Bürger und Geschäftsleute versorgten einen an der Treuenbrietzener Tankstelle gestrandeten Lkw-Fahrer aus Bulgarien.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Seit fast drei Wochen sitzt ein bulgarischer Lastwagenfahrer an der Tankstelle in Treuenbrietzen fest. Kein Rad dreht sich. Die enge Kabine des weißen DAF ist zum Zwangsquartier geworden für den hageren Mann aus Südeuropa, der kurz vor der Rente steht. Trucker-Romantik sieht anders aus.

Das Schicksal des 58-Jährigen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, berührt viele Treuenbrietzener. Schnell läuft eine Spendenaktion, die Bürger und zwei zwölf Jahre alte Schüler auf die Beine stellen. Sofort gibt es eine große Solidarität von Nachbarn sowie Geschäftsleuten an der Total-Tankstelle und in deren Umfeld an der Leipziger Straße.

Die Freunde Malte Schmidt aus Treuenbrietzen und Philipp Mika aus Borkheide sind vor zwei Wochen auf den bulgarischen Lastwagen und dessen Fahrer in Not aufmerksam geworden. „Irgendetwas stimmt da nicht“, stellen die wissbegierigen Jungen fest. Ein paar Tage später fassen sie sich ein Herz und sprechen den Trucker an. Obwohl der Bulgare weder Englisch noch Deutsch spricht, gelingt die Verständigung doch irgendwie – mit Gebärden und Sprachbrocken. Bald helfen Leute, die Bulgarisch und etwas Russisch dolmetschen können. Schnell wird klar, wie der Kraftfahrer in Not geriet.

Malte Schmidt (li) und Philipp Mika starteten eine Spendenaktion für einen gestrandeten Trucker aus Bulgarien

Malte Schmidt (li.) und Philipp Mika starteten eine Spendenaktion für einen gestrandeten Trucker aus Bulgarien.

Quelle: privat

Der weiße Lastwagen ist zum Stillstand verdammt, weil am linken Vorderrad der Zugmaschine ein 20 Zentimeter langer, tiefer Riss im Reifen klafft. Der Fahrer kann und will so nicht weiter. Die Spedition in der Heimat lässt ihn jedoch ohne Geld hängen. Ein Ersatzrad soll vielleicht geliefert werden, wenn mal irgendwann eine Tour das Unternehmens in die Nähe führt. Dabei haben eifrige Helfer vor Ort längst einen passenden Reifen beschafft. „Er musste nur noch bezahlt werden“, sagt René Rothemann.

„Doch die Spedition vertröstet ihren Fahrer per Telefon Tag um Tag mit der Überweisung des Geldes“, erzählt der Tankstellenpächter. Auch er leistet von Anfang an Hilfe. „Meine Nachbarin aus Beelitz ist Bulgarin und kam extra zum Dolmetschen her “, erzählt er der MAZ. Das Team der Total-Station verköstigt den Fahrer nun täglich. Freitag ist es der 18. Tag, ohne dass sich etwas bewegt. Hilfe kommt auch von der Pizzeria „Highlander“ gegenüber, die ab und an ein Abendessen spendiert, während die Bäckerei Sieberhein mal ein Frühstück zur Solidaritätsaktion für den Mann beisteuert. Im Friseur-Salon „Hair Design“ in der Stadt bekommt der Bulgare von einem Treuenbrietzener einen Haarschnitt spendiert. Wenn er selbst zum Mittagsimbiss nach Dietersdorf rollt, lädt der Helfer den Bulgaren mehrfach mit ein.

Spendengeld schnell gesammelt

Die beiden Jungen, die in Treuenbrietzen sowie Beelitz an den Gymnasien zur Schule gehen, sammeln unterdessen in ihren Familien sowie im Treuenbrietzener Krähenbergverein, wo sie als Motocross-Fahrer aktiv sind, spontan Geld für Sachspenden. 200 Euro sind schnell zusammen. Zudem werden Lebensmittel gekauft und an den mittellosen Kraftfahrer übergeben. Wichtig ist es den Jungs, dass ihre Spende nicht für den Ersatzreifen eingesetzt wird, sondern persönlich dem Fahrer hilft. Er ist dankbar für die Hilfe. Seit 35 Jahren sei er mit Lastwagen auf Achse, doch noch nie sei ihm solch ein Missgeschick passiert, erklärt er beim Besuch der MAZ.

Er habe sich zwischenzeitlich bereits von Speiseresten aus Mülltonnen ernährt, berichten Anwohner. Also helfen sie mit Essenspenden. „Unsere Hilfe lehnte der Fahrer anfangs ab, wohl aus Angst, sie nicht bezahlen zu können“, erzählt René Rothemann. Dass er mit dem Lastzug seit Wochen einen Bereich seines Tankstellengeländes blockiert, stört den Pächter nicht. Er sieht es pragmatisch und als Glück für den Trucker. „Wäre er irgendwo auf einem großen Rasthof an der Autobahn gestrandet, hätte sich wohl niemand für seine Situation wirklich interessiert“, glaubt René Rothemann.

Abschiedsessen am Sonntag geplant

In Treuenbrietzen bewegt das Schicksal des gestrandeten Truckers indes viele Gemüter. „Einige Leute haben den Fahrer schon mal frisch eingekleidet“, erzählt Sven Bär, der Vater von Malte Schmidt. „Der Mann steht stellvertretend für eine Zunft von Kraftfahrern und dafür, unter welchen Bedingungen sie heute auf Europas Straßen so beschäftigt werden“, sagt der Treuenbrietzener. „Das ist doch beschämend“, findet Sven Bär.

Zum Wochenende soll die wochenlange Zwangspause für den Trucker nun ein Ende haben. Das Geld für den neuen Reifen sei fest zugesagt, gibt der Fahrer zu verstehen. Eilig haben es alle beteiligten nun aber nicht mehr. Denn am Sonntag gibt es erst noch ein zünftiges Abschiedsessen – sogar mit heimischen Gerichten. Denn René Rothemanns Nachbarin betreibt in Beelitz ein bulgarisches Restaurant und hat den Landsmann kurzerhand dorthin eingeladen. Dann soll es wieder auf Tour gehen.

Von Thomas Wachs

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