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Potsdam-Mittelmark Großer Andrang: Saattausch rettet alte Pflanzen
Lokales Potsdam-Mittelmark Großer Andrang: Saattausch rettet alte Pflanzen
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16:17 27.02.2017
Kaffeegläser voller historischer Schätze: Bei der Börse für Saatgut werden alte Pflanzensorten kostenlos weitergereicht, um sie zu erhalten. Quelle: Annett Mohr
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Raben

Es lebe die Vielfalt. Diese Motto lockte Garten- und Landwirtschaftsfreunde am Sonntagnachmittag zur Tauschbörse für Saatgut. Nach zwei Jahren Pause fand das Expertentreffen nun am neuen Ort statt. Im Naturparkzentrum Hoher Fläming beteiligten sich an die zehn interessierten Kleingärtner und Gemüsebauern aus der Region an der spontan organisierten Veranstaltung, um einerseits ihr selbstgezogenes und vermehrtes Saatgut mit anderen Gärtnern zu tauschen. Andererseits stand der rege Erfahrungsaustausch untereinander im Mittelpunkt.

Die Veranstaltung lockte zudem rund 50 Besucher in den kleinen Saal des Naturparkzentrums, um zunächst dem Vortrag von Herbert Lohner vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN) mit Sitz in Greiffenberg in der Uckermark zu lauschen. Der seit 20 Jahren ehrenamtlich für den Verein tätige Referent berichtete über die Arbeit des Mitte der 1990er-Jahre gegründeten Vereins. Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, alte Obst- und Gemüsesorten zu erhalten.

Weitere Aktionstage geplant

Nach dem Erfolg der Tauschbörse für Saatgut plant der Naturpark „Hoher Fläming“ nun für dieses Jahr noch eine Kartoffelbörse und einen Tomatentag. Beide sollen im Herbst stattfinden.

Etabliert sind bereits den Rabener Apfeltagen. Sie finden dieses Jahr am 23. und 24. September am Naturparkzentrum in Raben statt. Unter anderem wird interessierten Besuchern dann wieder ein Seminar zum Gehölzschnitt geboten.

Zudem steht der Verkauf verschiedener Sorten Obstgehölze auf dem Programm.

Zu den Mitgliedern zählen Privatpersonen, Landwirte, Gärtner, Institutionen und Vereine. Der VERN kümmert sich heute um etwa 2000 alte Nutzpflanzensorten und macht sie der Allgemeinheit zugänglich. Auch das Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen wird durch Seminare und Vorträge weitergegeben. Insbesondere geht es auch darum, ländliche Traditionen zu pflegen, die sonst verloren gehen würden, berichtete Lohner.

Genau unter diesem Aspekt gestaltete sich auch die anschließende Tauschbörse der Kleingärtner und Gemüsebauern. An mehreren Tischen stellten sie ihre Saatgut in Gläsern und Tütchen zur kostenlosen Selbstbedienung vor – jeweils beschriftet mit den Namen der Pflanzen und Erntezeitpunkt. Dabei stand vor allem der Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Die Alten unter ihnen verrieten den Anfängern gerne ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Fläminger Boden sowie Tipps und Tricks beim Anbau der verschiedenen Pflanzensorten.

Der Verein informierte über alte Nutzpflanzen. Quelle: Annett Mohr

Außerdem bot sich die Möglichkeit, besondere Samen zu erhalten. So hat ein Züchter aus Reetzerhütten seinen selbstgezogenen Samen von Inkagurken im Gepäck, um eine unkonventionelle Verbreitung der seltenen Sorte zu ermöglichen. Die Inkagurke sei relativ kältetolerant und wachs auch noch bei Temperaturen knapp über null Grad Celsius, verrät der Experte. Damit könne sie problemlos im Garten oder Gewächshaus angebaut werden. Wie der Namen der Gurke aus der Familie der Kürbisgewächse verrät, wurde die Inkagurke bereits von der peruanischen Urbevölkerung als Gemüse genutzt und als Heilmittel verwendet.

Sophie Buller aus Schmerwitz konnte in diesem Jahr noch keinen eigenen Samen aus dem Garten anbieten. Sie fand es aber toll, dass sich auf der Samenbörse die Möglichkeit bietet, auch Samen seltener Sorten wie von verschiedenen Melonen zu erhalten. „Im nächsten Jahr möchte ich mich dann mit eigenen Samen von Tomaten und verschiedenen Kräutern aus meinem eigenen Anbau an der Börse beteiligen“, sagt die Schmerwitzerin. Sie hält als Hobby auch noch drei Kaninchen, denen das eigene Gemüse auch besonders gut schmecke.

Ganz begeistert vom Angebot zum Saatguttausch

Johannes Baller aus Grützdorf betreibt aus Lust und Leidenschaft mit anderen Hobbygärtnern seit 2002 einen Gemeinschaftsgarten auf dem Gelände der „Wildnisschule Hoher Fläming“ in Bad Belzig. Er ist ganz begeistert vom Angebot zum Saatguttausch unter Hobbygärtnern. „Bei uns wird Ökologie ganz groß geschrieben“, sagt der ehemalige Hamburger, der sich seit 2006 im Hohen Fläming niedergelassen hat.

„Es ist eine tolle Idee für eine nicht kommerzielle Veranstaltung – ein Geben und Nehmen und ein toller Erfahrungsaustausch“, sagt der Naturfreund. Auch er werde im nächsten Jahr wiederkommen und seine Samen von der Artischocke bis zur Zitronenmelisse gerne zum Tausch anbieten.

Von Annett Mohr

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