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Grundschulprojekt „medienfit“ zeigt Schwächen

Treuenbrietzen Grundschulprojekt „medienfit“ zeigt Schwächen

Dagmar Schlenz unterrichtet ihre 1. Klasse an der Schweitzer-Grundschule in Treuenbrietzen mit Smartboard und Tablets. „Vor dem technischen Wandel können wir unsere Augen nicht verschließen“, sagt sie. In der strukturschwachen Gegend mangelt es allerdings an der Infrastruktur und dem Geld, um die Ziele als Pilotschule im Projekt „medienfit“ zu erreichen.

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Das Unterrichtsmittel der Zukunft: An der Albert-Schweitzer-Grundschule in Treuenbrietzen wird getestet, ob und wie Tablets in den Schulalltag passen.

Quelle: Victoria Barnack

Treuenbrietzen. Wenn Dagmar Schlenz ihre 1. Klasse an den Tablets arbeiten lässt, leuchten die Augen der Kinder. Denn dann macht sogar Mathe Spaß. Was den Sechs- bis Achtjährigen das Lernen erfreulicher macht, hat einen ernsthaften Hintergrund. „Kinder wachsen heutzutage in einer von Medien wesentlich mitbestimmten Welt auf“, sagt Klassenlehrerin Dagmar Schlenz, „davor dürfen wir unsere Augen nicht verschließen.“

Schlenz ist eine der Medienverantwortlichen an der Albert-Schweitzer-Grundschule in Treuenbrietzen, die als eine von 42 Bildungseinrichtungen im Land Brandenburg zum Pionier in Sachen Medienkompetenz werden will.

Das 2016 vom Bildungsministerium gestartete Projekt „medienfit“ sieht die Medienbildung ab Beginn der Schulzeit als fächerübergreifende Aufgabe vor. Für die Realisierung wurde der Rahmenlehrplan der Jahrgangsstufen 1 bis 10 im gesamten Bundesland angepasst. „Die Digitalisierung zwingt uns, über den Unterricht neu nachzudenken“, erklärt Dagmar Schlenz.

Neue Kompetenzen für Schüler und Lehrer

Im Schuljahr 2016/2017 startete das Projekt „medienfit“ an zehn Grundschulen in Brandenburg. Im September kamen 32 weitere Einrichtungen hinzu.

Ziel ist es, die ausgewählten Grundschulen bei der praktischen Umsetzung des neuen „Basiscurriculums Medienbildung“ zu unterstützen. Schüler sollen Kompetenzen in sechs Handlungsfeldern entwickeln: Informieren, Kommunizieren, Präsentieren, Produzieren, Analysieren, Reflektieren. Auch der Umgang mit Medien, die eigene Meinungsbildung und der Datenschutz werden thematisiert.

Die Projektschulen müssen dafür ein Medienentwicklungskonzeptes erstellen. Experten des Ministeriums, vom Landesfachverband Medienbildung und weiteren Instituten unterstützen sie dabei.

Die Beratung zu Fördermöglichkeiten und der Erweiterung der Ausstattung gehören ebenfalls zum Projektangebot. Nicht zuletzt soll das gesamte Kollegium an den Schulen fortgebildet werden.

Bis Sommer 2019 läuft das Projekt „medienfit“ an den ausgewählten Grundschulen. Danach wird es zunächst evaluiert und könnte anschließend fortgeschrieben werden.

Wenn die Lehrerin ihre Erstklässler am Montag fragt, was sie am Wochenende erlebt haben, bekommt sie auch die Antwort „Ich habe mit meinem Handy gespielt“ zu hören. „Die Schüler haben fast alle Zugriff auf internetfähige Geräte“, sagt sie, „es gibt keinen technologiefreien Raum mehr.“

Schlenz und ihr Kollege Andreas Trompke gehören nicht nur einer eigens für das Projekt gegründeten, schulinternen Steuergruppe an. Die beiden Medienverantwortlichen nehmen auch an regelmäßigen Treffen mit den anderen 41 medienfit-Grundschulen teil. „Der Erfahrungsaustausch ist einer der wichtigsten Aspekte“, erklärt Trompke. Das Lehrpersonal berät sich auf diesem Wege gegenseitig, beispielsweise in der Frage, welche Geräte, Betriebssysteme und Lern-Software am besten praktikabel ist


Andreas Trompke ist Medienverantwortlicher an der Schweitzer-Grundschule

Andreas Trompke ist Medienverantwortlicher an der Schweitzer-Grundschule. In seinen Klassen arbeitet er regelmäßig mit digitalen Medien.

Quelle: Victoria Barnack

An der Treuenbrietzener Grundschule werden momentan vier Wochen lang 25 Tablets getestet, auf denen Lernprogramme für die Fächer Mathematik und Deutsch aufgespielt sind. „Wenn ich die Geräte in der 5. Klasse benutze, brauche ich den Schülern nur noch sagen, welche Aufgaben sie bearbeiten sollen“, erzählt Trompke. Bei Dagmar Schlenz und ihrer 1. Klasse ist das anders: Den Abc-Schützen muss sie noch erklären, wie das Gerät angeschaltet und Lösungen eingegeben werden.

Wenn der Unterricht am Tablet beendet ist, geht die Arbeit für Dagmar Schlenz weiter. „Dank des Programms bekommen die Kinder nicht nur sofort eine Rückmeldung, ob sie richtig oder falsch geantwortet haben“, erklärt sie, „ich als Klassenlehrerin kann auch sehen, wer wie viele Aufgaben geschafft und korrekt beantwortet hat.“

Die Digitalisierung ist für das Lehrerpersonal nicht nur ungewohntes Neuland, sondern auch eine Chance. „Es spart ungemein viel Zeit im Klassenraum“, sagt Schlenz. Arbeitsblätter müssen nicht mehr massenhaft ausgedruckt und zu Hause in stundenlanger Arbeit korrigiert werden. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben wird dank eigenem Profil für jeden Schüler angepasst.

Schwachpunkt Internetverbindung

Schwachpunkt Internetverbindung: Das WLAN reicht nicht in alle Räume der Grundschule. Entsprechende Investitionen sind vielen Kommunen zu teuer.

Quelle: Dagmar Schlenz

Was Schlenz und Trompke Bauchschmerzen bereitet, sind die technischen Gegebenheiten und die Infrastruktur an ihrer Grundschule. Ob das Internet gerade funktioniert und ob das WLAN bis in die letzte Ecke des Klassenraums reicht, ist oft ein Glücksspiel. „Probleme bereiten uns in erster Linie die Investitionskosten“, sagt Andreas Trompke. Das Geld um eine alte Schule mit dicken Wänden in allen Zimmern internetfähig auszustatten, haben die oft klammen Kommunen nicht. Das zeige auch die Erfahrung an anderen Projektschulen.

Dieselbe Problematik setzt sich bei den Geräten fort, die in Treuenbitzen erst einmal nur geliehen sind. „Beim teuren Gerät hat man meist bessere Lernprogramme“, erklärt Trompke. Dass die Schulträger die Kosten niedrig halten wollen, kann er zwar verstehen. „Aber die Technik muss in der Praxis arbeitsfähig sein“, sagt er.

Von Victoria Barnack

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