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Grundsteinlegung zum 100. Geburtstag

Treuenbrietzen Grundsteinlegung zum 100. Geburtstag

Doppelten Grund zum Feiern gibt es am Freitag im Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen. Festlich begangen wird dort nachträglich das 100-jährige Bestehen des Standortes. Andererseits wird die Grundsteinlegung für einen neuen Trakt gefeiert. Auch er soll das Haus fit machen für ein zweites Jahrhundert Klinikgeschichte. Zum Jubiläum erscheint eine Festschrift.

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Das Krankenhaus im Walde besteht seit gut 100 Jahren – Luftaufnahme der Treuenbrietzener Landesanstalten um 1932.

Quelle: Sammlung Volker Müller

Treuenbrietzen. Weite Wälder und viel frische Luft fernab großer Städte. Besser hätte vor mehr als 100 Jahren der Bauplatz für ein Krankenhaus kaum gewählt sein können. Vor allem in den Tagen des Ersten Weltkrieges und der immer mehr um sich greifenden Turberkulose (TBC). Und so wird der bei Baubeginn 1914 noch als Pflegeanstalt für sieche Frauen und mit Allgemeinem Krankenhaus für Treuenbrietzen geplante Neubau zur Eröffnung am 1. April 1916 zunächst zum Lazarett und zur Pflegeanstalt für an TBC erkrankte Soldaten.

Auch mehr als 100 Jahre nach jenem ersten Bau sprechen viele Treuenbrietzener noch heute von den „Krankenanstalten“ im Süden ihrer Stadt. Dabei ist über mehrere Stationen und politische Epochen hinweg seit gut 23 Jahren daraus ein Krankenhaus mit diversen Fachkliniken des Johanniter-Ordens geworden.

Arbeit für Treuenbrietzener Firmen

Arbeit für Treuenbrietzener Firmen: Von 1913 bis 1916 wuchsen die Bauten für die Landesanstalten. Unter anderem durch Arbeiter der Firma von Wilhelm Stolle (4.v.r.)

Quelle: Sammlung Volker Müller

Dieser feiert das besondere Jubiläum des historischen Ensembles am Freitag gleich doppelt. In die Geburtstagsparty fließt eine Grundsteinlegung für einen neuen Klinik-Trakt ein. Das Multifunktionsgebäude 2a markiert den Auftakt für eine erneut mehrjährige Bauphase bis 2023. In der historischen Hülle des seit 1996 unter Denkmalschutz stehenden, sanierten und erweiterten Klinikkomplexes sollen die Kliniken so auch baulich fit gemacht werden für das zweite Jahrhundert Krankenhaushistorie.

Einladungen für die Öffentlichkeit

Öffentlich gefeiert wird das Jubiläum 100 Jahre Krankenhaus Treuenbrietzen im Rahmen der Sabinchenfestwoche im Juni.

Dann wird am 13. Juni im Klinikgelände eine Ausstellung mit dem Titel „100 Jahre in Bildern und Geschichten“ eröffnet.

Geplant ist zudem für Samstag, 17. Juni, von 13 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür.

Geboten werden dann Blicke hinter die Kulissen des seit 1996 denkmalgeschützten Gebäudeensembles sowie Führungen durch die Parkanlage.

Die Festschrift kann ab 3. März erworben werden im Krankenhaus sowie in der Stadtinformation an der Großstraße 1. Sie kostet 9,90 Euro.

In die 100-Jährige Geschichte des Standortes zurück blickt eine Festschrift, die zum Jubiläum erscheint. Auf gut 120 Seiten zeichnet eine Autorenteam in Fotos und Geschichten die Entwicklung des Hauses von der Brandenburgischen Provinzialanstalt, über Lazarett, Wehrmachtsstützpunkt, Jugendwerkhof und Kreiskrankenhaus bis zum heutigen Komplex von Fachkliniken nach.

Lungenoperationen  gehörten lange und auch heute wieder zu den Spezialdisziplinen des Treuenbrietzener Krankenhauses

Lungenoperationen gehörten lange und auch heute wieder zu den Spezialdisziplinen des Treuenbrietzener Krankenhauses.

Quelle: Sammlung Heidi Drescher

Deutlich wird, wie schnell trotz zweier Weltkriege um das schon 1913 in Betrieb gegangene Wandererarbeitsheim auf dem späteren Gutshof sowie die Krankenanstalten herum ein eigener Stadtteil wuchs. Eigene Kindergärten für die „Anstaltskinder“ sowie die Wochenkrippe für Kinder von Patienten aber auch des im Schichtdienst gebundenen Personals gehören ebenso zur Historie wie ein Bahnanschluss, ein Landwirtschaftsbetrieb und eine angegliederte Gärtnerei. Die Krankenhaussiedlung ist über Jahrzehnte Geburtsort vieler Treuenbrietzener sowie Wohnort und bis heute größte Arbeitsstätte der Stadt.

Frische Luft tut gut

Frische Luft tut gut: In Liegehallen am Waldrand wurden Patienten mit Tuberkulose behandelt.

Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv

In der Festschrift kommen viele Menschen zu Wort, die in verschiedenen Funktionen und Epochen die Entwicklung des Krankenhauses geprägt haben. Wie Marlies Prüß. Sie arbeitet seit 1968 am Krankenhaus und leitet seit 1980 die Physiotherapie. Von nötigem Improvisationstalent berichtet Günter Vetter. Er war von 1959 bis 1998 Elektriker im Haus und seit 1967 technischer Leiter. Er machte in der Not Ende der 60er Lkw-Fahrer zu Maurern und lässt nach der Wende den 40 Meter hohen, ausgedienten Schornstein des Heizhaus metergenau umkippen. Heidi Drescher erlebte die letzten ihrer 40 Dienstjahre noch als Oberin und so den Wandel in der Pflege. Während technische Veränderungen diese körperlich erleichterten, „kam der Zeitgewinn nicht unbedingt bei den Patienten an“. Denn fortan kostete die Dokumentation sehr viel Zeit, erzählt sie. Chefarzt Friedrich-Wilhelm Kappert erinnerte sich indes, wie er beim Aufbau der Intensivstation ab 1978 noch selbst Löcher in Wände stemmte, um Sauerstoffleitungen zu verlegen.

Turbulent bleibt es auch nach dem Trägerwechsel

Nicht weniger turbulent ging es ab 1994 nach der Übernahme des Kreiskrankenhauses des Altkreises Jüterbog durch den Johanniter-Orden zu. Neben der baulichen Sanierung des historischen Gebäudekomplexes erfolgte die Umgestaltung zum Fachkrankenhaus für diverse Disziplinen. Einige Tageskliniken kamen hinzu und längst ist auch die Ausbildung von Pflegekräften wieder am Hause angesiedelt. Heute betreiben die Johanniter in Treuenbrietzen Fachkliniken und Tageskliniken für Internistische Rheumatologie, Orthopädie und Rheumachirurgie, für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie für Pneumologie, Allergologie und Thoraxchirurgie. Kaum ein Jahr verging seither ohne größere oder kleinere Bauvorhaben, berichtet die Festschrift. Und kürzlich ist für das neueste Großprojekt wieder ein Stück Treuenbrietzener Wald gewichen. So wie vor gut 100 Jahren, als alles begann mit den Krankenanstalten im Süden der Stadt.

Von Thomas Wachs

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