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Potsdam-Mittelmark An fast jedem Wochenende wird gejagt
Lokales Potsdam-Mittelmark An fast jedem Wochenende wird gejagt
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21:06 27.10.2016
Die wärmeren Winterperioden der vergangenen Jahre motivieren die Wildschweine, jetzt auch das ganze Jahr über zu „frischen“. Quelle: DPA
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Güterfelde

Jagdpächter Karl-Heinz Schreiber ist in dieser Zeit mit seinen sechs Jagdkollegen an fast jedem Wochenende im Wald von Güterfelde und Kienwerder unterwegs, um Wildschweine zu erlegen. Auch an diesem Samstag wird er in der Morgen- oder Abenddämmerung zum Jagdgewehr greifen und auf einem seiner Ansitze den Schwarzkitteln auflauern. Erst am vergangenen Wochenende hatte sein Team im Landschaftsschutzgebiet Hartes Fenn fünf Tiere zur Strecke bringen können. Dort leben nach Schreibers Schätzung etwa 30 bis 40 Wildschweine.

„In Güterfelde und in Kienwerder haben sie bisher keinen großflächigeren Schaden wie in Kleinmachnow oder Stahnsdorf angerichtet. Doch bei ihrer Nahrungssuche bleiben die Tiere nicht in den einzelnen Jagdbezirken“, sagt Schreiber. Wo es feuchte und offene Wiesen oder andere solche Flächen mit vielen Würmern und Insekten gibt, ist das Borstenvieh schnell zur Stelle. Besonders vor dem Winter, für den sich die Wildtiere Fett anfressen, sowie im Frühjahr, wenn sie noch nicht wieder ausreichend Futter finden, sind die Wildschweine aktiv, erläutert der Jagdpächter. Auch Güterfelder haben in diesen Tagen schon im Ordnungsamt Stahnsdorf angerufen oder die Jäger direkt angesprochen und um umgehende Hilfe gegen die tierischen Wüstlinge gebeten – man kennt sich. „Wir haben zu den meisten Grundstücks- und Flächeneigentümern ein gutes Verhältnis“, lobt Schreiber.

„Viele Eigentümer wissen gar nicht, dass sie bejagbare Flächen haben und sich nach dem Gesetz einer Jagdgenossenschaft anschließen müssen“, meint der Güterfelder Ortsvorsteher Dietrich Huckshold („Wir Vier“). Er ist auch der Vorsitzende des ortsansässigen Zusammenschlusses, der sich 1992 gründete. Rund 630 Hektar umfasst der Jagdbezirk Güterfelde, den die Jagdgenossenschaft an Schreiber verpachtet hat. Ihr gehören derzeit knapp 80 Flächeneigentümer an.

„Wir hatten in den vorigen Jahren keine nassen Frühjahrsperioden und keine strengen Winter. Darum frischen die Wildschweine jetzt zusätzlich in wärmeren Jahreszeiten“, erklärt Schreiber die Zunahme der Population. Hinzu kommt, dass beispielsweise der Mais in Brandenburg häufig noch etwa zwei bis drei Monate über seine eigentliche Vegetationsperiode hinaus auf den Feldern stehen bleibt und den Tieren nicht nur Nahrung, sondern auch ideale Deckung bietet. „In Marggrafshof hat uns ein Landwirt erlaubt, Schussschneisen in sein etwa 42 Hektar großes Feld zu schneiden, um die Tiere besser jagen zu können.“

Angst muss man vor einem Wildschwein nicht haben, versichert Schreiber. Es ist von Natur aus sehr scheu und bleibt bei einer Begegnung mit Menschen meist nicht aus Angriffslust stehen, sondern weil es zwar sehr gut hören und riechen, aber nur sehr schlecht sehen kann. „Die Wildschweine nehmen nur Bewegungen wahr“, sagt Schreiber. Kein Verständnis hat er allerdings für falsch verstandene Tierliebe von Bürgern, die vor ihren Grundstücken Futterkrippen für Wildtiere bauen und dann als erste die Jäger um Hilfe rufen, wenn die Wildschweine kommen.

Gemeinde Kleinmachnow informiert zur Wildschweinproblematik

Im Jahr schießen Jagdpächter Schreiber und sein Team etwa 80 bis
100 Wildschweine.

Das erlegte Wild dürfen die Jäger behalten. Vor einem Verkauf wird es in einer Außenstelle des Veterinäramtes in Neuseddin auf Trichinen untersucht.

Für einen eigenen Jagdbezirk muss ein Eigentümer 75 zusammenhängende Hektar Fläche haben. Ab insgesamt 150 Hektar können mehrere Eigentümer eine Jagdgenossenschaft bilden.

Die Gemeinde Kleinmachnow veranstaltet für Bürger einen Informationsabend zur Wildschweinproblematik. Er findet am 7. November ab 18.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Kleinmachnow, Adolf-Grimme-Ring 10, statt. Als kompetente Gesprächspartner werden die beiden Jagdpächter der Jagdgenossenschaft Stahnsdorf/Kleinmachnow, Peter Hemmerden und Jörg Fenske, sowie der Leiter des FU-Instituts für Tierpathologie, der auch als Jäger aktiv ist, erwartet.

Von Heinz Helwig

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