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Potsdam-Mittelmark Pflege: Awo-Chefin warnt vor Versorgungslücke
Lokales Potsdam-Mittelmark Pflege: Awo-Chefin warnt vor Versorgungslücke
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08:01 22.03.2018
Beistand auf den Dörfern: Die drei Beetzsee-Landfrauen Helga Ullrich aus Radewege, Bärbel Saemann aus Brielow und Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Hurttig (v.l.). Quelle: Marion von Imhoff
Mittelmark

Gut älter werden auf dem Land – geht das? Ist es nicht gerade dort schwierig, wo die Wege für den Pflegedienst besonders weit sind? Soziale Strukturen in den Dörfern helfen, dass ältere Menschen nicht vereinsamen.

Das sagt Anne Baaske, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Die Menschen kennen sich, leben zusammen und tragen Sorge und Verantwortung für einander.“ Das sei der große Vorteil von dörflichen Strukturen und „ein großer Schatz, den es zu bewahren gilt“.

Der Landfrauen-Kreisverband Potsdam-Mittelmark ruft seine Mitglieder jetzt zu einer Ideenwerkstatt auf, wie diese gelebte Hilfe aussehen könnte. „Zeit schenken gegen die Vereinsamung, Einkäufe erledigen, zu Arztbesuchen fahren“, so sagt es Petra Müller, die Vorsitzende des Verbandes.

Der nachbarschaftliche Beistand der Landfrauen sei „sehr wichtig, eine wunderbare Sache“, sagt Anne Baaske, die selbst Mitglied bei den Landfrauen ist. Sie zählt zu den jüngeren Mitstreiterinnen dort. Denn von den rund 265 Mitgliedern ist jede dritte Frau über 70 Jahre alt.

25 sind älter als 80 Jahre und sieben Landfrauen haben bereits das 85. Lebensjahr überschritten. Darauf verweist Kornelia Hurttig, Geschäftsführerin des Verbandes: „Wir möchten uns um unsere ältere Landfrauen kümmern, ihnen unsere Fürsorge zukommen lassen.“

Fast jeder vierte Einwohner in Potsdam-Mittelmark ist im Rentenalter

Auch der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung im Landkreis Potsdam-Mittelmark steigt. Waren 2006 noch 19 Prozent der Männer und Frauen älter als 65, stieg ihr Anteil binnen zehn Jahren auf 22 Prozent. Das teilt Ina Hergert vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mit.

Auch deswegen sagt Kornelia Hurttig: Dieses Thema sei wichtig und aktuell und dürfe nicht nur Gegenstand der gerade zu Ende gegangenen Frauenwoche sein. „Es geht nicht nur um die reine Pflege, sondern Unterstützung im Alltag.“

Anne Baaske warnt: „Wir werden in den nächsten Jahren erleben müssen, dass die Versorgung in der häuslichen Umgebung durch Pflegedienste und Sozialstationen immer weniger Menschen erreichen wird.“ Grund sei der Fachkräftemangel. „Das macht uns landesweit Sorge.“ Die Landfrauen und nachbarschaftlicher Beistand allein können das nicht auffangen.

Selbst für Verwandte ist die Pflege ihrer Angehörigen infolge der eigenen Berufstätigkeit oft nicht leistbar. Darauf hat jetzt erst die evangelische Pfarrerin Adelheid Vitienius, Seelsorgerin in den Lehniner Kliniken des Evangelischen Diakonissenhauses, hingewiesen.

Pflegeversicherung ist für die Awo eine Mogelpackung

„Die Politik ist gefragt: Geldleistungen aus der Pflegeversicherung müssen viel unbürokratischer und einfacher auch für Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Unterstützung gewährt und verwendet werden dürfen“, sagt Awo-Geschäftsführerin Anne Baaske.

„Das muss dringend auf die Agenda des Sozialministeriums.“ Die Pflegeversicherung nennt sie eine „Mogelpackung“.

Der Kreisbauernverband bietet Info-Veranstaltungen zu dem Thema Pflege an. „Die Menschen müssen frühzeitig für den Pflegefall vorsorgen“, sagt Anne Baaske. Sie kritisiert, dass nicht wenige Männer und Frauen als Pflegefälle Sozialhilfe beantragen müssten, weil die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichten.

„Die Menschen wissen viel zu wenig über Pflege, über die Finanzierung und die eigene Verantwortung.“ Mit der Inforeihe, „wollen wir das ändern“.

Info-Veranstaltung der Kreislandfrauen

Vorsorge im Pflegefall – Infoveranstaltung des Kreislandfrauen-Verbandes am Dienstag, 3. April, von 17 bis 19 Uhr im Sportzentrum Grebs, Dorfanger 12.

Von Marion von Imhoff

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