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Gutspark Cammer trocknet aus

Kein Plan und kein Geld für die Pflege Gutspark Cammer trocknet aus

Diese Spaziergänge verursachen Schmerzen: Der Gutspark Cammer wuchert zu und trocknet aus. Die Gemeindevertretung Planetal hat weder einen Plan noch Geld zur Pflege ihres Areals. Die Landesbehörde prüft, ob die Anlage unter Denkmalschutz zu stellen ist. Der Bedeutung nach wohl angemessen, aber ob es die Sanierung befördert, ist fraglich.

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Gudrun Schmidt traurig. Diese Brücke führt über kein Bacherl mehr.

Quelle: Andreas Koska

Cammer. „Seit ich in Cammer zu Hause bin, sah es im Park nie so schlimm aus wie heutzutage“, stellt Gudrun Schmidt erschüttert fest. Immerhin wohnt die Tierärztin seit rund 30 Jahren in dem Zweimühlendorf.

Und tatsächlich: Bei einem Spaziergang bietet das 12-Hektar-Areal derzeit einen verheerenden Eindruck. Einheimische wie Gäste sehen, wie weite Parkflächen von wucherndem Efeu und wilden Ahornschösslingen überdeckt werden. Die Kanäle, in dem es vor wenigen Jahren noch von Fischen wimmelte und wo im Winter auf Schlittschuhen über das Eis gelaufen wurde, führen kein Wasser mehr. Die vier Inseln können längst trockenen Fußes erreicht werden. Wird darauf getreten, drohen sie allerdings auseinander zu brechen. Dadurch sind die dort nistenden Bodenbrüter stärker denn je gefährdet. Der Fuchs kann problemlos die Gelege erreichen. Die ehemals gut mit Wasser gefüllten Kanäle in dem nach Wörlitzer Muster zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichteten Gartens sind jetzt mit Laub gefüllt und zum Teil von Unkraut bewuchert.

Kommune in der Pflicht

Früher sind die Wasserläufe über ein Schöpfwerk mit Planewasser gespeist worden. Es ist schon seit Jahren außer Betrieb und der in Richtung Cammer führende Folienkanal ist löchrig. „Dieser Zulauf wird also nie mehr möglich sein“, betont Ronald Hoffmann. Der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Plane-Buckau“ erinnert daran, dass das Schöpfwerk vor dem Abriss steht und nicht wieder in Betrieb genommen wird. „Um überhaupt eine Lösung zu finden, müsste ein Wasserplaner gefragt werden“, so der Fachmann, der zugleich stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Planebruch ist.

„Neben dem kontinuierlichen Verfall hat der Gutspark Cammer in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche weitere Veränderungen erfahren, die zu teilweise erheblichen Schäden in seiner Substanz und in seinem Erscheinungsbild führten“, stellt Torsten Volkmann fest. Er ist seitens des Landesdenkmalamtes Brandenburg zuständig für die Belange der Gartendenkmalpflege in der Region. Er sieht die Kommune in der Pflicht. „Der langfristige Erhalt des Parks ist – unabhängig von seinem Schutzstatus – nur durch eine kontinuierliche und fachgerechte Pflege zu sichern.“ sagt er. „Dies ist der Gemeinde Planebruch in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen“, so seine Bewertung. Torsten Volkmann bezweifelt, dass sich in naher Zukunft etwas daran ändern wird. Er schreibt auf MAZ-Anfrage: „Vor dem Hintergrund der allgemeinen Situation im Land Brandenburg und der daraus resultierenden fehlenden Möglichkeiten, finanziell die Eigentümer im ländlichen Raum beim Bemühen um den Erhalt des gartenhistorischen Erbes in dem erforderlichen Maß zu unterstützen, sehen wir mittelfristig kaum eine Möglichkeit, dass der Gutspark Cammer in einen solchen Zustand versetzt wird, in welchem der Parkbesucher die historischen Gartengestaltung genussvoll erleben kann.“

Gemeindevertreter stimmen in Klagelied ein

Die Behörde würde sich mehr bürgerschaftliches Engagement wünschen, um den Verfall einzudämmen. Damit meint er nicht nur die trockenen Kanäle sondern die gesamte Anlage, die inzwischen mehr einem Wald als einem Park gleicht.

In der Gemeindevertretung ist das Klagelied zuletzt ebenfalls angestimmt worden. Allerdings ist den Abgeordneten bewusst, dass Geld für den Park praktisch nicht vorhanden ist. Es gilt ein Haushaltssicherungskonzept, das die freiwilligen Ausgaben deutlich einschränkt. „Nichts zu machen, ist keine Option“, betonte aber Christian Schulze. Der Abgeordnete würde sich erste Schritte, wie ein Konzept wünschen. „Um das Wasser in der Anlage zu halten, müsste man eine Nebensohle einbauen“, glaubt Ulf Dingelstaedt. Der Bürgermeister versucht schon seit Jahren, einen Studenten der Landschaftspflege für den Park zu begeistern. Er könnte eine Diplom- oder Masterarbeit erstellen, die als Grundlage dient. Immerhin ist ein Betrag für seine Beherbergung im Etat kalkuliert.

Vielleicht bringt ein gerade in Arbeit befindliches Gutachten, das Rad wieder zum Rollen. „Gegenwärtig wird geprüft, ob der Park oder Teile davon trotz dieser Einschränkungen noch einen Denkmalwert besitzen“, sagt Torsten Volkmann. Er rechnet im Herbst mit Ergebnissen. Bei einer Eintragung in die Denkmalliste dürfte die Sanierung noch aufwendiger werden. Es wäre aber wohl nicht vermessen.

Von Andreas Koska

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