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Potsdam-Mittelmark Händler fürchten wegen Baustelle um Existenz
Lokales Potsdam-Mittelmark Händler fürchten wegen Baustelle um Existenz
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19:23 15.11.2017
Dimitrios Tsekouras, Betreiber des Restaurants Hellas, muss derzeit mit finanziellen Einbußen von 50 bis 80 Prozent (über)leben. Quelle: Stephan Laude
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Teltow

„Es ist ein Trauerspiel“, schimpft Jörg-Peter Graap, der Geschäftsführer der Bauträgergesellschaft Terra Bau Concept. Vor acht Wochen sei die halbe Fahrbahn der Ruhlsdorfer Straße – ein Teil der Landesstraße 794 – in Teltow vom Rewe-Markt bis zum südlichen Ende des Buschwiesenkarrees abgefräst worden, aber seitdem habe sich nichts getan. Die Straßenhälfte sei nicht nur nicht befahrbar, es werde dort auch nicht gebaut. Sie ist einfach nur abgesperrt. Seitdem kann man die Geschäfte des Karrees nur noch aus nördlicher Richtung, also aus dem Stadtgebiet Teltow, anfahren. Bis zu den Fräsarbeiten Ende September waren Rewe und die benachbarten Läden noch von Süden erreichbar. Erst jenseits von Pflanzen-Kölle ging es nicht mehr weiter. Trotzdem gab es schon enorme Umsatzeinbrüche. Jetzt ist alles noch schlimmer. „Unsere Ersparnisse sind aufgebraucht“, sagt Albin Smiechowski. Seine Frau Marzena bietet in ihrem Wichtel-Shop Kinderbedarf und Schreibwaren an. Ihr Umsatz war in der ersten Bauphase bereits um 30 Prozent eingebrochen, in den vergangenen acht Wochen um 70 Prozent.

Die Sanierung der Ruhlsdorfer Straße dauert noch viele Monate. Ob das alle ansässigen Händler überleben werden? Quelle: Stephan Laude

Aus dem einen Kilometer entfernten Kanadaviertel ist man zwar auch bei der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h schnell im Buschwiesenkarree – aber dann: Zurück über die Iserstraße und die Potsdamer Straße – oder über die Oderstraße, die zwar weiter weg, aber schneller befahrbar ist – brauche man im Berufsverkehr eine halbe Stunde, so Smiechowski. Einen derartigen Umweg nimmt niemand auf sich, um Spielzeug oder Lebensmittel einzukaufen.

„Wir haben fast nur noch die Kunden, die zu Fuß aus Ruhlsdorf kommen“, sagt Rewe-Chef Oliver Heinze. Wenn sie noch gut laufen können jedenfalls. Viele Ältere kommen auch aus Ruhlsdorf nicht mehr. Dimitrios Tsekouras, Betreiber des Restaurants Hellas, sagt zu seinen Einbußen nach den Fräsarbeiten: „Innerhalb der Woche 80 Prozent, am Wochenende 50 Prozent.“ Auch Christian Bubeck, Inhaber des Fachgeschäfts Stadtreiter, nennt konkrete Zahlen: erst zwölf Prozent weniger Umsatz, jetzt 25 bis 30. Thomas Fischer, Filialleiter von Pflanzen-Kölle, sagt zu den Einbußen bei Umsatz und Kundenfrequenz: „Es ist schlimmer, als wir uns das vorstellen konnten.“ Dabei ist der Betrieb aus Richtung Süden nicht völlig abgeschnitten, wenn auch ein Umweg über den Schenkendorfer Weg erforderlich ist. Jörg-Peter-Graaps Firma ist nicht nur Projektentwicklerin des Buschwiesenkarrees, sondern auch Vermieterin. Nach Graaps Angaben hat die Situation dazu geführt, dass es Gewerbebetreibende gibt, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Sie haben mehrere tausend Euro Rückstände.

Maßnahme gegen den Schleichweg zum Einkauf: Das Verbotsschild wurde wenige Meter vor die Abzweigung der Fliederstraße gerückt. Deren Anwohner sind von der Sperrung allerdings auch betroffen – und entsprechend sauer. Quelle: Stephan Laude

Oliver Heinzel und Dimitrios Tsekouras haben schon angeboten, einen Teil ihrer Stellfläche als provisorische Straße zur Verfügung zu stellen, Fläche ist ja genug da angesichts des Kundenmangels. Dann könnten Autofahrer aus südlicher Richtung rechts in die Fliederstraße abbiegen, einen Bogen fahren, um dann die Ruhlsdorfer Straße in Nord-Süd-Richtung zu nutzen. Diese Variante würde allerdings über holprige Anwohnerstraßen führen; die Gewerbetreibenden konnten sich mit ihrem Vorschlag nicht durchsetzen. Inzwischen ist auch die Fliederstraße aus südlicher Richtung nicht mehr erreichbar. Das rot-weiße Verkehrsschild, das die Weiterfahrt verbietet, wurde ein paar Meter vor die Fliederstraße gerückt – und wird allerdings ständig ignoriert, nicht zuletzt von Anwohnern. Wer mal plötzliche Wendemanöver beobachten will, braucht sich nur mit einer gut sichtbaren Kamera an die Straße zu stellen. Die Polizei steht auch oft dort.

Die Gewerbetreibenden verweisen darauf, dass von Straßenbauarbeiten Betroffene in Berlin mit Überbrückungshilfen rechnen können, maximal 25 000 Euro im Jahr. In Brandenburg existieren entsprechende Regelungen nicht. Das Wirtschaftsministerium in Potsdam gibt aber den Tipp, bei den Regionalberatern der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) nachzufragen, ob es dort passende Unterstützungsprogramme gibt.

Im Herbst 2018 soll die Straße fertig sein

Der grundhafte Ausbau der Ruhlsdorfer Straße hat im Juli 2016 begonnen. Im Herbst 2018 soll er beendet sein. Baulastträger ist das Land Brandenburg. Die Ausbaulänge beträgt 2135 Meter. An beiden Seiten entstehen Rad- und Gehwege.

Die Baukosten sind mit 8,2 Millionen Euro veranschlagt, 6,4 Millionen Euro davon trägt das Land Brandenburg. Die Stadt Teltow ist mit 1,5 Millionen Euro dabei, der Wasser- und Abwasserzweckverband mit 300000 Euro.

Ausführende Firma ist die Oevermann Verkehrswegebau GmbH.

Der Teltower Stadtverwaltung zufolge sollen nach Fertigstellung des Geh- und Radwegs – voraussichtlich Ende dieses Monats – beide Fahrtrichtungen zwischen dem neuen Kreisverkehr nahe dem Kanadaviertel und Pflanzen-Kölle wieder geöffnet werden. Das sei der Sachstand nach der letzten Bauberatung am 8. November. Dann bliebe immerhin Kölle-Kunden aus Teltow und Berlin der Umweg nach dem Einkauf erspart. Fertigstellungstermin für die gesamte Straße ist das dritte Quartal 2018. Bauexperte Graap ist allerdings skeptisch. Er hat den Eindruck, dass Baufirmen immer öfter so viele Aufträge übernehmen, dass sie bei deren Erfüllung gar nicht hinterherkommen.

An der Dringlichkeit, die Straße grundlegend auf Vordermann zu bringen, hat keiner der Betroffenen Zweifel. Es war ja auch lange genug darum gekämpft worden. „Wenn alles fertig ist, ist es bestimmt schön“, sagt Graap. „Aber wer weiß, ob wir dann noch hier sind“, fügt Stadtreiter-Inhaber Bubeck bitter hinzu.

Von Stephan Laude

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