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Potsdam-Mittelmark Hagelberg: Berufung auf Umwegen gefunden
Lokales Potsdam-Mittelmark Hagelberg: Berufung auf Umwegen gefunden
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19:00 03.10.2016
Anna Margareta Stalder-Glück und Christian Glück aus Hagelberg. Quelle: Daniela Singhal
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Hagelberg

Die Wege des Schicksals sind bekanntlich unergründlich. Manchmal braucht es für eine Neuausrichtung einen Hirsch mit einer gebrochenen Hüfte. So war es zumindest beim Ehepaar Christian Glück und Anna Margareta Stalder-Glück. Sie betreuen seit 14 Jahren Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen in ihrem Haus am Hagelberg. Eine Aufgabe, die eher durch die Hintertür zu ihnen kam. Oder: Über den Dachboden. Dort pflegte das Ehepaar Ende der 90er sechs Wochen lang einen invaliden Elch. „In der Zeit wurden immer wieder kranke Tiere zu uns gebracht“, so Christian Glück. „Nachdem auch Menschen bei uns Zuflucht suchten, kam irgendwann der Gedanke: Vielleicht ist es unsere Aufgabe, anderen in Notsituationen zu helfen.“ Sie hörten von einem Schweizer Träger für Jugendhilfe. Christian Glück, der zu der Zeit extreme Rückenschmerzen hatte, witterte die Chance einer Neuorientierung.

Der 56-jährige Tischlermeister kam 1990 in den Fläming und arbeitete viele Jahre selbstständig in der Region und in Berlin. Seine Frau Anna Margareta ist Schweizerin. Die 48-Jährige arbeitete als Grundschullehrerin und nach ihrem Umzug ins ehemalige Hagelberger Bürgermeisterhaus zwölf Jahre lang im Kinderhaus in Schmerwitz. Heute betreiben die beiden das gemeinsame Unternehmen Tabularasa Kinder- und Jugendhilfe GmbH, ein privater Träger für stationäre Erziehungshilfen mit aktuell einem Standort. „Es war eigentlich nicht unsere Vision, diese Art von Arbeit zu machen“, so Christian Glück.

2002 bekamen die Glücks ihr erstes Kind zur Pflege. Michel, ein Autist, war damals 17 und blieb ein Jahr. Vier weitere Jungen folgten. Sie blieben teilweise fünf Jahre. „Wir hatten immer schwere Jungs“, so die Pädagogin Stalder-Glück. In ihre Obhut wurden meist Jugendliche mit der Erfahrung von Gewalt und Vernachlässigung gegeben. Wutausbrüche, Hungerstreiks, Flucht: Das Ehepaar hat einiges erlebt. „Es gab viele schwierige Momente, aber uns hat wenig wirklich erschreckt, weil wir in unserem Leben selbst viel durchgemacht haben.“ Anfangs integrierte das Ehepaar die Jugendlichen komplett in die eigene Familie. Auch bei Urlauben mit ihrer achtjährigen Tochter waren sie dabei. Inzwischen schafft sich das Ehepaar mehr Freiräume.

Entscheidend für den Erfolg seien Humor, liebevolle Fürsorge, ein unkonventioneller Umgang mit außergewöhnlichen Alltagssituationen und Teamarbeit. Das Ehepaar teilt sich die Arbeit mit den Kindern. „Wir ergänzen uns gut“, betont Anna Margareta. „Wichtig ist aber die gute Vernetzung mit unterstützenden Freunden in der Region“. Beide sind naturverbunden und verbringen viel Zeit mit den Kindern draußen. Klettern, paddeln, wandern oder gemeinsame Gartenarbeit: „Es ist uns wichtig, dass wir Momente schaffen in denen wir einfach Spaß miteinander haben.“ Ziel der stationären Erziehungshilfe ist es, dass sich die Situation der Herkunfts-Familie soweit stabilisiert, dass die Kinder zurück zu ihren Eltern können. Bei manchen Kindern geht der Auftrag zur Verselbstständigung. „Wir haben im Laufe der Zeit gemerkt, dass wir langfristig viel erreichen können“, so Anna Margareta Stalder-Glück. „Das Wissen darum gibt uns immer wieder die Kraft.“

Von Daniela Singhal

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