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Handgewebt in Geltow

Familienbetrieb feiert Jubiläum Handgewebt in Geltow

Noch heute wird in dem seit 1939 existierenden Webhof in Alt-Geltow Kleidung hergestellt. Inhaberin Ulla Schünemann führt den Familienbetrieb seit 30 Jahren, sie ist dort groß geworden und erinnert im Museum an die einst dort tätige Meisterin Henni Jaensch-Zeymer. Am Wochenende startet die Handweberei in eine Festwoche.

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Ulla Schünemann ist auf dem Webhof in Geltow groß geworden – wenn Besucher kommen, zeigt sie das Handwerk des Webens.

Quelle: Luise Fröhlich

Geltow. Ulla Schünemann ist auf dem Webhof in Geltow groß geworden. Ihre Mutter Annemarie kam durch einen Gesellenaustausch 1943 zum Betrieb von Henni Jaensch-Zeymer und blieb 40 Jahre, als Freundin und rechte Hand der Meisterin. Da lag es nahe, dass die heute 58 Jahre alte Ulla Schünemann auch das Weben lernte. Für ihre Ausbildung ging sie nach Potsdam, wurde 1985 Handwebmeisterin und übernahm den traditionsreichen Betrieb 1987. Mit der Werkstatt und dem Museum in Alt-Geltow meisterte sie in den vergangenen dreißig Jahren gute und schlechte Zeiten. Ein Blick in den Leinenladen aber zeigt, mit wie viel Liebe der Familienbetrieb am Laufen gehalten wird.

Eine Marke, die sich herumgesprochen hat

Eine Marke, die sich herumgesprochen hat.

Quelle: Luise Fröhlich

Hausgeschneiderte Bekleidung aus Stoffen in Leinen, Wolle, Baumwolle und Seide hängen auf den Stangen und den Haken im Leinenladen. „Handgewebt in Geltow“ steht auf den Etiketten geschrieben – eine Marke, die sich herumgesprochen hat. Denn Stammkunden hat Ulla Schünemann einige und das nicht nur aus der Gegend. „Einer kommt sogar aus Amerika und nimmt jedes Mal, wenn er hier ist, was mit“, erzählt die Geltowerin. Zudem mache sich die Berlin-Nähe bezahlt und viele Touristen machten bei ihr Halt. Wer altbackene Hemden, Pullover oder Shirts erwartet, liegt falsch. „Wir haben auch sehr viel moderne und zeitgemäße Kleidung im Angebot. Es ist eigentlich für jeden was dabei und auch noch auf den Leib geschneidert“, so die Geltowerin. Von der Stange der Großhändler seien die Proportionen einfach anders.

Henni Jaensch hatte es in Geltow anfangs nicht einfach

Auch Gardinen, Handtücher oder Tischdecken hat Ulla Schünemann im Angebot. Von Konkurrenz der großen Ketten würde sie nicht sprechen, denn Textilien am Fließband zu produzieren, sei nicht der Anspruch einer Handweberei. „Viele schätzen die Qualität des Naturproduktes. Man muss es zum Beispiel nicht nach einem Mal anziehen gleich waschen, unter freiem Himmel auslüften reicht aus“, sagt Schünemann. „Manche achten bewusst auf das Material, denen ist dann auch der höhere Preis egal.“ Die Verkäufe im Leinenladen würden den Betrieb am Laufen halten. Das Museum sei eine Nebeneinkunft, zähle aber dennoch 2500 bis 3000 Besucher jährlich.

Eine schwierige Zeit erlebte sie nach der Wende, als sie bis auf einen Lehrling alle Mitarbeiter entlassen musste. Auch Henni Jaensch hatte es in Geltow übrigens nicht immer einfach: Die Dorfbewohner bezeichneten sie anfangs als „Spinnerin“ und hielten Abstand. Als aber Anfang der 40er-Jahre die Bezugsscheine für Spinnstoffwaren nicht mehr ausreichten, kamen die Frauen des Dorfes in den Webhof, um bei Jaensch zu lernen. Der Initiative von Karin Teske ist es zu verdanken, dass im Juni 1992 das „Aktive Museum – Kunsthandweberei Henni Jaensch-Zeymer“ eröffnet werden konnte. Es war die finanzielle Rettung. Glück hatte Schünemann auch damit, dass ihr Mann das Geld für die Familie nach Hause brachte und so die schwierige Phase überbrückt werden konnte.

Seit 2008 betreibt Tochter Nadine ein Café im Hof

Draußen im Webhof betreibt Tochter Nadine seit 2008 ein Café, das ebenfalls dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet hat. Mit hausgebackenem Kuchen und Limonaden aus eigener Herstellung bereichert sie den Laden und das Museum. Schünemanns andere Tochter Bianca ist ebenfalls gelernte Handweberin und könnte den Betrieb eines Tages übernehmen. „Es ist schön, dass die Kinder hier sind, aber sie müssen das auch nicht machen“, sagt Ulla Schünemann. Am Wochenende startet die Festwoche zum 90-jährigen Bestehen der Handweberei. Bis zum 4. Juni darf selbst am Gewichtswebstuhl wie vor 6000 Jahren gewebt werden, am 27. Mai gibt es um 15.30 Uhr die mittlerweile 20. Modenschau zu sehen, Museumsbesucher können sich auf eine Tombola freuen und auch der Film über Henni Jaensch „Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam“ wird gezeigt.

Von Luise Fröhlich

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