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Handwerkskurs für Flüchtlinge

Zentrum für Gewerbeförderung in Götz Handwerkskurs für Flüchtlinge

So euphorisch wie zu Beginn der Flüchtlingskrise vor knapp einem Jahr äußert sich kaum noch ein Politiker über die Integrationschancen der Schutzsuchenden auf dem Arbeitsmarkt. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besuchte am Freitag ein Integrationsprojekt im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz. Es fielen klare Worte.

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Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, l.) im Zentrum für Gewerbeförderung Götz im Gespräch mit Achmat Kalin aus Aleppo.

Quelle: Jacqueline Steiner

Götz.
Nur etwa zehn Prozent der Flüchtlinge im Land Brandenburg werden in den beruflichen Arbeitsmarkt zu integrieren sein ohne auf Sozialleistungen angewiesen zu sein. Das sagte der brandenburgische Regierungssprecher Andreas Beese am Freitag am Rande einer Veranstaltung im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz mit Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Elf Flüchtlinge und ab Montag weitere 16 durchlaufen dort ein Projekt der beruflichen Integration. Organisiert ist es von der Handwerkskammer Potsdam und der Potsdamer Agentur für Arbeit. Seit Jahresbeginn haben damit 31 Männer die Chance, in handwerklichen Sparten ihre Fähigkeiten zu zeigen. Zugleich sollen in den mehrwöchigen Kursen Praktika und Lehrstellen vermittelt werden.

Es sind 31 Männer von 40 000 im vorigen Jahr im Land Brandenburg angekommenen Schutzsuchenden aus den Krisen- und Kriegsgebieten der Welt. Laut Woidke werden etwa 25 000 Flüchtlinge in Brandenburg bleiben. Ihre Integration in das Arbeitsleben sei die größere Herausforderung im Vergleich zu der Unterbringung und Versorgung der Menschen, so Woidke. Dies gelte insbesondere für die ostdeutschen Ländern, für die dieses Phänomen neu sei.

Die Integration von Flüchtlingen im Arbeitsmarkt ist Herausforderung

Vergleichbare Integrationsprojekte der Handwerkskammern Frankfurt (Oder) und Cottbus laufen bereits. „Wir sind erst am Anfang“, sagte Woidke. „Das wird kein Hundertmeterlauf, sondern ein Marathon“. Kurz- und langzeitarbeitslose Einheimische würden nicht benachteiligt durch das Engagement für Flüchtlinge, betonte Woidke. „Es darf nicht in nationalistische Diskussionen verfallen werden.“ Auch Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Potsdam, sagte mit Nachdruck: „Wir haben 3500 offene Ausbildungsplätze und 2500 Schulabgänger. Niemand, der kurz- oder langfristig arbeitslos ist, wird benachteiligt.“ Schröder sagte, „wir sind in der Phase Trainingscamp.“ Einig waren sich Robert Wüst, Präsident der Handwerkkammer Potsdam, und deren Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig mit dem Ministerpräsidenten, dass die Flüchtlinge den Fachkräftemangel nicht beseitigen, aber helfen könnten, ihn zu vermindern.

Im Bereich der Arbeitsagentur haben derzeit 69 Flüchtlinge Arbeit gefunden. 3000 weitere Flüchtlinge seien arbeitssuchend gemeldet, so Ramona Schröder. Unter den Arbeitssuchenden seien nur wenige Frauen. Auch diese zu erreichen, müsse gelingen. Fünf Prozent der Lehrlinge hätten einen Flüchtlingshintergrund, schätzt Bührig.

Ein Tross aus Politikern, Geschäftsführern und Journalisten

Im Handwerkerzentrum zog die 30-köpfige Besuchergruppe durch die Ausbildungsräume, in denen die Flüchtlinge unterrichtet werden. Zu dem Tross gehörten Fernseh- und Printjournalisten. Ruhig ließen die elf Flüchtlinge, die dort bestaunt wurden, den Zauber über sich ergehen. Sie arbeiten konzentriert weiter, vertieften sich in ihre Holzarbeiten, wie der 28-jährige Achmat Kalin aus Aleppo. Mit ihm konnte sich Woidke auf deutsch unterhalten.

Zu den Besuchern zählt auch Petra Müller von Metallbau Maserowski in Brandenburg. Die Firma übernimmt einen Teilnehmer des Projektes als Praktikanten: „Es ist super, dass er schon schweißen kann.“ Drei weitere Handwerker, die Flüchtlingen erste Schritten im Arbeitsleben in Deutschland ermöglichen, waren ebenfalls vor Ort. Während einige der Flüchtlinge mehr als den Mindestlohn verdienen werden, laufen andere in Firmen ohne Bezahlung mit. Sie erhalten Arbeitslosengeld II.

In sechs Wochen sechs Berufsfelder

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) lobt das Projekt in Götz: „ Das Zentrum für Gewerbeförderung zeigt deutlich, was es bedeutet, Türen zu öffnen und den geflüchteten Menschen Perspektiven (...) zu eröffnen.“

Von den 31 teilnehmenden Flüchtlingen haben fünf wieder aufgehört. 14 der Männer haben nach Angaben von Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, bereits gute Chancen auf Lehre oder Praktikum.

Sechs Wochen lang durchlaufen die Flüchtlinge sechs Berufsfelder wie Metallbau, Holzverarbeitung und Elektro. Sie könnten so ihre erlangten Fähigkeiten zeigen und gefördert werden, sagte Tilo Jänsch, Geschäftsführer des Zentrums für Gewerbeförderung.

 

Von Marion von Imhoff

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