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Hans-Grade-Villa zu teuer für Borkheide

Immobiliennutzung fraglich Hans-Grade-Villa zu teuer für Borkheide

Die Gemeinde Borkheide kann sich die Übernahme der früheren Villa des bekannten Flugpioniers Hans Grade nicht leisten. Die Grade-Erbin und bekannte Berliner Schauspielerin Brigitte Grothum hat keine Verwendung für die Immobilie ihres Onkels. Dazu zählen auch ehemalige Werkstätten und Hallen der Grade-Flugzeug- und Automobilwerke.

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Brigitte Grothum las kürzlich im Hotel „Fliegerheim“ in Borkheide.

Quelle: Andreas Trunschke

Borkheide. Die Zukunft der Hans-Grade-Villa in der Borkheider Karl-Marx-Straße bleibt ungewiss. Brigitte Grothum hat angeboten, die Villa zur Nutzung an die Gemeinde zu übergeben. Jedoch kann die Gemeinde die von der Grade-Nichte und Erbin erwartete Mietforderung nicht stemmen. „Wir sind zwar in den Verhandlungen, jedoch hat mir der Bürgermeister signalisiert, dass es finanziell nicht machbar sei“, sagte die bekannte Berliner Schauspielerin auf MAZ-Nachfrage. Dies bestätigt Andreas Kreibich (SPD). „Wir haben uns das Objekt gemeinsam angesehen, die Bausubstanz der Villa ist gut, die ehemaligen Werkstätten sind aber abrissreif“, sagte der Bürgermeister. „Jedoch sind die Vorstellungen von Frau Grothum nicht zu erfüllen“, schätzt der Ortschef ein.

Schauspielerin hat keine Verwendung für Villa des Onkels

Zu Details wollten sich beide Seiten öffentlich nicht äußern. Jedoch hat die Schauspielerin keine Verwendung für das Gebäude und die historischen Hallen der Hans-Grade-Flugzeugwerke. „Meine Kinder haben kein Interesse daran und ich kann mich leider nicht darum kümmern“, sagte Grothum. Sie hat als Kind lange in Borkheide gelebt und würde sich freuen, wenn die Erinnerung an ihren Onkel, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Siedlung geprägt hat, stärker in den Fokus geraten würde. „Er hat den Flugplatz angelegt, eine Flugschule und ein Flugzeugwerk sowie später eine Automobilfabrik errichtet“, betonte die Berlinerin. Die Schauspielerin ist unter anderem aus der Fernsehserie „Drei Damen von Grill“ bekannt. Sie habe festgestellt, dass das Erinnern an ihren Onkel Hans Grade im Ort nachlasse.

Pionier der Lüfte

Hans Grade (1879 - 1946) gilt als einer der Wegbereiter des Flugwesens in Deutschland.

Am 18. Februar 1912 organisierte er den ersten deutschen Postflug von Borkheide nach Brück. Die Aktion gilt als Beginn der Luftpost.

Der talentierte Konstrukteur hatte 1903 im Geburtsort Köslin sein erstes Motorrad konstruiert. 1905 gründete er die Grade-Motoren-Werke GmbH in Magdeburg.1907 begann er mit dem Bau seines ersten Dreidecker-Flugzeuges und unternahm am 28. Oktober 1908 den ersten Motorflug auf dem Cracauer Anger in Magdeburg.

Der Luftfahrt-Pionier baute ab August 1909 selbst entworfene Flugzeuge in Bork, heute Borkheide. Rund 80 Flugmaschinen sind bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstanden. Daneben unternahm der Vorreiter des Motorflugs Schauflüge in ganz Deutschland. Der „Lanzpreis der Lüfte“ machte Hans Grade zur nationalen Berühmtheit.

Nach dem Weltkrieg, als in Deutschland keine Flugzeuge mehr gebaut werden durften, wechselte Hans Grade die Branche. Ab 1922 baute er Automobile. Rund 800 Mitarbeiter fertigten in den Borker Fabrikhallen rund 2000 Fahrzeuge, bis die Fabrik im Jahr 1927 die AG wegen Kapitalschwierigkeiten geschlossen werden musste.

In den 1930er-Jahren versuchte Grade erfolglos, ein neues Volksflugzeug zu entwickeln. Grade übernahm im Jahre 1934 Forschungsaufträge von der Industrie und starb 1946 in Borkheide.

Dass der Namenzusatz „Hans-Grade“ im Gemeindenamen in der Gemeindevertretung keine Mehrheit gefunden hat, betrübt die Nachfahrin des Flugpioniers. „Ich hoffe, dass die jetzt angeregte Einwohnerumfrage doch noch zu dem Namenszusatz führt“, sagte Brigitte Grothum der MAZ. Nachdem der von Edda Haage und John Peter Dostal (beide SPD) eingebrachte Antrag auf den Namenszusatz von der Gemeindevertretung mit dem Argument abgelehnt wurde, dass zunächst die Einwohner zu befragen seien, haben die beiden Abgeordneten jetzt die Einwohnerversammlung beantragt.

Dieses Haus bewohnte Hans Grade bis zu seinem  Tod 1946

Dieses Haus bewohnte Hans Grade bis zu seinem Tod 1946.

Quelle: Michaela Riedel

Am heutigen Donnerstag wird des Thema in der Sitzung der Gemeindevertreter erneut beraten. „Falls es gelingt, würde ich mich darüber freuen“, so Brigitte Grothum, die dieses Jahr 80 Jahre alt wurde. Sollten die Gespräche über die Übernahme der Grade-Villa durch die Gemeinde endgültig scheitern, will die Nichte Hans Grades über einen Verkauf des historischen Komplexes nachdenken. Er war zuletzt auch als Standort des örtlichen Hans-Grade-Museums im Gespräch. Dieses ist derzeit am früheren Grade-Flugfeld im ausrangierten IL-18-Verkehrsflugzeug untergebracht.

Von Andreas Koska

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