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Hans-Joachim Schnell erzählt seine Geschichte

Welt-Parkinson-Tag am 11. April Hans-Joachim Schnell erzählt seine Geschichte

Nach vorne schauen statt immer nur an die Krankheit zu denken – so lautet die Devise von Hans-Joachim Schnell. Der Schlalacher leidet seit 15 Jahren an Parkinson, einer unheilbaren Nervenkrankheit. Seinem Hobby ist der heute 71-Jährige aber dennoch treu geblieben. „Dinge die gar nicht mehr gehen, gibt es bei mir nicht“, sagt der gebürtige Berliner.

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Hans-Joachim Schnell mit seiner restaurierten Honda CB 160.

Quelle: Josephine Mühln

Schlalach. Stolz präsentiert Hans-Joachim Schnell seine Honda CB 160, Baujahr 1962. Vor drei Jahren habe er begonnen, das Motorrad zu restaurieren, erzählt er. Ab und zu fahre er auch damit, „aber nur kurze Strecken“, sagt Schnell lächelnd. Der Schlalacher ist seinem Hobby treu geblieben, trotz der Krankheit, die ihn seit 15 Jahren täglich begleitet.

„Die ersten Symptome waren ein leichtes Zittern im rechten Daumen“, erinnert sich Schnell. „Ein bisschen so wie ein Muskelzucken.“ Das sei ihm merkwürdig vorgekommen und so suchte Schnell einen Arzt auf. Nach einem Test in der Berliner Charité dann das Ergebnis: Hans-Joachim Schnell war an Parkinson erkrankt.

Komplette recht Körperhälfte betroffen

„Von 100 000 Menschen leiden ungefähr 160 an Parkinson“, sagt Georg Ebersbach, Ärztlicher Leiter der Parkinson-Klinik in Beelitz. Die Nervenkrankheit trete vor allem im höheren Lebensalter auf, aber auch rund fünf Prozent der Patienten seien jünger als 50 Jahre. Von den gut 1 000 Patienten, die die Klinik pro Jahr behandelt, seien 50 bis 100 aus der Region Potsdam-Mittelmark, schätzt Ebersbach.

Bei Hans-Joachim Schnell ist heute die komplette rechte Körperhälfte betroffen. Besonders in Stresssituationen nehme das Zittern zu, erzählt der gebürtige Berliner. „Natürlich bin ich in der Motorik gehandicapt, aber es ist noch erträglich. Für manche Dinge kann ich ja auch die linke Hand benutzen.“ Linkshänder ist Schnell aber nicht. Sein Schriftbild sei durch die Nervenkrankheit kleiner geworden, stellt er fest. „Aber wenn ich mir Mühe gebe, ist es trotzdem lesbar.“

Zur Linderung der Beschwerden sollen Patienten viel Sport treiben

Er versuche, alles so zu machen, wie vor der Krankheit auch. „Dinge die gar nicht mehr gehen, gibt es bei mir nicht. Dass es vielleicht nicht mehr zu hundert Prozent geht, ist eine andere Geschichte.“

Parkinson ist eine unheilbare Krankheit. Zur Linderung nehmen die Patienten Medikamente. Um die Beweglichkeit der Muskulatur aufrecht zu erhalten, sollen sie außerdem viel Sport treiben. Hans-Joachim Schnell hat sich für Wassergymnastik und Nordic Walking entschieden.

Motto: Nach vorne blicken und nicht immer an die Krankheit denken

Seit elf Jahren geht der ehemalige Vertriebsleiter außerdem zur Selbsthilfegruppe in der Beelitzer Parkinson-Klinik. Überwindung habe ihn der Erstkontakt damals nicht gekostet. Zusammen mit Christine Weyrauch aus Borkwalde organisiert er mittlerweile das Programm der Treffen.

Welt-Parkinson-Tag am 11. April

Die Parkinson-Selbsthilfegruppe in Beelitz trifft sich an jedem vierten Montag im Monat in der Zeit von 15 bis 17 Uhr.

Außerdem bietet Claudia Neumayer im Mehrgenerationenhaus „Alte Korbmacherei“ in Brück jeden Samstag von 11.15 bis 12.45 Uhr eine Tanz- und Bewegungstherapie an. Menschen mit Gehbehinderungen sind ausdrücklich eingeladen.

Am Welt-Parkinson-Tag am Montag, 11. April, wird in der Beelitzer Parkinson-Klinik ein neuer Therapiegarten eröffnet. Beginn der Veranstaltung ist um 15 Uhr.

Der Garten ist eine Leihgabe des Vereins Deutsche Parkinson Hilfe (DPH), die das Projekt durch Spenden realisierte. Weitere Unterstützung kam von der AOK Nordost und Ex-Profiboxer Axel Schulz, der als DPH-Botschafter die Schirmherrschaft für den Therapiegarten übernahm.

200 000 Menschen in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an Parkinson. Die Krankheit ist im Volksmund auch als „Schüttellähmung“ bekannt.

Prominente , die ihr Schicksal öffentlich machten, sind bespielsweise der deutsche Schauspieler Ottfried Fischer und die amerikanische Box-Legende Muhammad Ali.

Zu Beginn gebe es immer Kaffee und Kuchen, dann folgen Vorträge – beispielsweise zu neuen Therapiemöglichkeiten – und jeder könne natürlich seine eigenen Probleme vortragen. Auch zu gemeinsamen Ausflügen habe sich die Gruppe schon verabredet, erzählt Schnell. „Um den Zusammenhalt und die Kommunikation zu verbessern.“ Von Potsdam aus ging es auf Dampferfahrt und bei den Beelitzer Festspielen besuchten die Männer und Frauen im vergangenen Jahr gemeinsam die Operette „Frau Luna“.

„Die Gespräche mit anderen Betroffenen haben mir gezeigt, dass ich mit dem Stadium der Krankheit bei mir sehr zufrieden sein kann“, sagt Schnell. Und er habe versucht, den anderen Patienten klar zu machen, dass sie sich nicht gehen lassen sollen. Stattdessen sollen sie nach vorne blicken und nicht immer an ihre Krankheit denken.

Von Josephine Mühln

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