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Potsdam-Mittelmark Den Hausschlüssel aus Homs in der Tasche
Lokales Potsdam-Mittelmark Den Hausschlüssel aus Homs in der Tasche
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18:06 18.11.2015
Aufmerksam hören die Kinder den beiden syrischen Flüchtlingen zu, stellen viele Fragen. Quelle: Edith Mende
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Michendorf

Dafür, dass hier so viele Kinder beieinander sind, ist es erstaunlich ruhig in dem großen Raum des Gemeindezentrums „St. Georg“ in Michendorf. In vier gemischten Gruppen sitzen die Mädchen und Jungen der 5 b aus der Glindower Grundschule sowie die zehn Kinder aus der Kiewer 241. Schule um die Tische. Im Gespräch mit Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, Mazedonien und auch aus der Ukraine. Aus dem westafrikanischen Burkina Faso kommt Dominique, er arbeitet derzeit als Betreuer im Flüchtlingsheim Ferch. Nein, er sei kein Flüchtling, versichert er mehrfach. Er studierte im ukrainischen Donezk, kam anschließend für seine Doktorarbeit nach Deutschland. Seine vielfältigen Sprachkenntnisse sind auch heute hilfreich.

Zwei junge Syrer stellen sich an einem der Tische den Fragen der Kinder. Anjad hatte in Homs Bauwesen studiert, konnte sein Studium nicht abschließen. Sein Bruder sei seit drei Jahren verschwunden, berichtet er. Die Familie wisse nicht einmal, ob er noch lebt. Er selbst floh in den Libanon, weil er nicht in die Assad-Armee gepresst werden wollte. Dort bekam er ein Visum für Deutschland und konnte mit dem Flugzeug einreisen. Seit zehn Monaten ist er hier und spricht mittlerweile ganz gut Deutsch. Sein Freund, erst seit zwei Monaten hier, musste den langen und gefährlichen Fluchtweg über das Mittelmeer in die Türkei und von dort nach Griechenland nehmen. Überwiegend zu Fuß kam er über mehrere Balkanländer und Österreich hierher, hofft, dass er bald in seinem Beruf als Bauingenieur arbeiten kann.

„Was hast du auf deine Flucht mitgenommen?“, fragt eines der Kinder. Anjad sucht nach dem richtigen Wort: „Erinnerungen.“ Dann zieht er ein kleines Schlüsselbund aus der Hosentasche: „Den Schlüssel unseres Hauses in Homs und das Telefon.“ Jeden Tag telefoniere er mit seiner Mutter, berichtet der 24-Jährige. Seine Heimatstadt sei zu 75 Prozent zerstört, erfahren die Schüler. „Und was vermisst du hier?“, so die nächste Frage. „Meine Familie, meine Freunde, mein Leben.“ Frieden in seiner Heimat Syrien, heimzukehren und den Bruder wiederzufinden nennt Anjad als seine größten Wünsche. Er hoffe, dass die Angst mancher Deutscher vor den Flüchtlingen vergehe, fügt er hinzu.

Und was wünschen wir uns? Die Frage steht im Raum, als alle wieder im großen Kreis beieinander sitzen, die Flüchtlinge mittendrin. Respekt voreinander, Frieden, Gesundheit... werfen die Kinder ein. Ein ukrainisches Mädchen sagt: „Alle sollten verstehen, dass Kriege keine Probleme lösen.“

Der Verein Aktion Tschernobyl-Kinder hat die ukrainischen Schüler eingeladen. Eine Woche verbringen sie in einer Potsdamer Jugendherberge. Heimat ist das Thema, dem sie sich auf unterschiedliche Weise gemeinsam mit den Glindower Grundschülern zuwenden. „An unserem Lyzeum im Kiew ist Deutsch nach Englisch die zweite Fremdsprache“, erklärt Schulleiterin Natalja Schulga. „Es ist schön, dass die Schüler das hier anwenden können.“ Etwa 60 Flüchtlinge gebe es auch an ihrer Schule, Kinder aus dem Donbass oder von der Krim, informiert sie. Natürlich lernten die Gäste auch Potsdam bereits ein wenig kennen. Am Donnerstag besuchen sie die Glindower Schule und werden von Werders Bürgermeisterin empfangen. Bevor sie am Sonntag dem Heimflug antreten, gibt es noch ein Abschiedsfest in Glindow.

Förderung für Projekt „Heimat“

Gefördert wird das Projekt „Heimat“ des Vereins von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Berlin

Die Stadt Potsdam sponserte der ukrainischen Gruppe die Nahverkehrs-Fahrscheine.

Kontakt: Verein Aktion Tschernobyl-Kinder, Michendorf, 033205/6 22 11

Von Edith Mende

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