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Hebammen eröffnen neue Praxis in Bad Belzig

Geburtshilfe Hebammen eröffnen neue Praxis in Bad Belzig

Die Schließung der Bad Belziger Geburtsstation rief großen Protest hervor. Wie sich der Wegfall auf die Schwangeren auswirkt, wissen die Hebammen Ines Flechner, Ariane Klein und Andrea Hennig ganz genau. Auch für die Geburtshelferinnen selbst hat sich seitdem einiges geändert. Jetzt haben sie ihre neue Praxis eröffnet.

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Ariane Klein, Ines Flechner und Andrea Hennig betreuen werdende Mütter nun in ihrer Praxis mitten in der Bad Belziger Innenstadt.

Bad Belzig. Wie viele Kinder die Frauen aus Bad Belzig und Umgebung genau bekommen, vermögen auch die hiesigen Hebammen nicht sicher zu sagen. „Das Gefühl sagt, dass die Geburtenrate ansteigt“, lautet die einhellige Einschätzung von Ines Flechner, Andrea Hennig und Ariane Klein. Am Dienstag eröffneten die drei ihre gemeinsame Habammenpraxis in einem Geschäftsgebäude in der Innenstadt.

Warum nicht einmal die Fachfrauen die Geburtenzahl genau beziffern können, ist klar: Seit der Schließung der Geburtsstation im Ernst von Bergmann-Klinikum im April des vergangenen Jahres werden in Bad Belzig keine Kinder mehr geboren; die Schwangeren müssen zur Entbindung in die Kliniken in Brandenburg/Havel, Potsdam oder Wittenberg ausweichen – also zum Teil in einen anderen Landkreis oder gar ein anderes Bundesland.

Expertinnen in Sachen Kinderkriegen

Das Aufgabenfeld der Hebammen ist groß, sie sind zuständig für die Betreuung in der Vorsorge, Geburt, Nachsorge, sämtliche Fragen zum Stillen, der Babypflege, sowie die Begleitung in der Phase der Rückbildung.

Ärzte dürfen Geburten nicht ohne Hebammen begleiten, sie haben das Sagen im Kreißsaal.

Bezahlt werden die Leistungen der professionellen Geburtshelferinnen von der Krankenversicherung.

Eine Ausbildung dauert drei Jahre und findet an einer der 58 Hebammenschulen statt.

In Deutschland gibt es nur drei praktizierende Entbindungspfleger – so heißen die männlichen Hebammen.

Die Auswirkungen spüren die professionellen Geburtshelferinnen im Alltag. „Die Angst der werdenden Mütter ist dadurch deutlich größer geworden“, sagt Andrea Hennig. Sie ist seit fast 30 Jahren als Hebamme tätig. So lange es die Kreißsäle in Bad Belzig gab, fungierte sie als dort Beleghebamme, war also Freiberuflerin. Heute ist Andrea Hennig genau wie ihre Kollegin Ines Flechner in einer Klinik in Brandenburg/H. fest angestellt, Ariane Klein hat einen Arbeitsvertrag an einem Krankenhaus in Wittenberg unterschrieben, alle arbeiten dort auch in den Kreißsälen.

Weil die Kosten für die Haftpflichtversicherungen so hoch sind, geben viele Geburtshelferinnen die Selbstständigkeit auf. Sie können sich ihren Beruf schlicht nicht mehr leisten.

Mara Ebinger mit ihrer vier Monate alten Tochter Marita im Gespräch mit Hebamme Ines Flechner

Mara Ebinger mit ihrer vier Monate alten Tochter Marita im Gespräch mit Hebamme Ines Flechner.

Quelle: Saskia Kirf

In der Bad Belziger Praxis bieten die Hebammen die Betreuung während der Schwangerschaft und im Wochenbett an, zudem gibt es Geburtsvorbereitungs- und Nachsorgekurse. Wenn jemand zum Babyschwimmen gehen möchte oder sich für Yoga während der Schwangerschaft interessiert, wissen die drei Frauen, was wo angeboten wird.

Eine Begleitung während der Geburt erfahren die Schwangeren hier jedoch nicht. „Das können wir nicht leisten“, bedauert Andrea Hennig. Es sei heutzutage jedoch normal, dass die meisten Frauen im Kreißsaal von einer Klinikhebamme betreut würden. „Die Frauen wissen das, sie sind darauf eingestellt“, so Hennig. „Der weite Fahrtweg zu den Kliniken ist trotzdem ein Ärgernis“, sagt sie. Viele Frauen würden aus Angst, es nicht rechtzeitig in die Hände von Hebammen und Ärzten zu schaffen, sehr früh ins Krankenhaus fahren – um dort frustrierende Erlebnisse zu haben.

Auswirkung der Klinikplanung

„Nach Hause geschickt werden die Frauen nicht, wenn sie so weite Wege haben“, sagt Ariane Klein, „aber sie sind dann natürlich lange auf den Fluren unterwegs, bis es dann wirklich losgeht.“ Auch sie erlebt täglich, wie sich die weggefallene Geburtsstation auswirkt: „Die Klinik hier war sehr familiär, jetzt müssen die Schwangeren in große Häuser gehen. Es ist anders als früher, aber zum Glück klappt alles.“

Zwischen sechs und zehn werdende Mütter betreut jede der Hebammen in der Praxis im Monat. Die meisten davon für einen langen Zeitraum: von der 15. Schwangerschaftswoche bis zum Rückbildungskurs nach der Geburt. Und trotz aller Schwierigkeiten will keine der Hebammen je etwas anderen machen, betont Ariane Klein: „Jede Geburt ist ein magischer Moment.“

Von Saskia Kirf

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