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Potsdam-Mittelmark Heimatmuseum feiert 20. Geburtstag
Lokales Potsdam-Mittelmark Heimatmuseum feiert 20. Geburtstag
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17:28 10.04.2018
Die Namensvetter im Museum: Wolfgang Weber und Richard Wolfgang Weber (r.) im Ausstellungsraum mit den historischen Klassenfotos. Quelle: Jens Steglich

Höher hinaus geht es in der Gegend nicht mehr: Wer den Wolkenberg erklimmt, hat schon mal den geografisch höchsten Punkt Michendorfs erreicht. Und wer dann noch die 58 Stufen des Mühlenmuseums hochklettert, den überragt im Ort nichts und niemand mehr. „Wir sind die höchste Stelle“, sagt Wolfgang Weber (72). Von unten wirkt alles wie im Märchen, es fehlt nur noch, dass Rapunzel ihr Haar herunter lässt. Was aussieht wie ein Turm, war einst eine Holländermühle und ist heute ein Haus voller Geschichte und Geschichten. Es ist Michendorfs Heimatmuseum, das dieses Jahr 20 Jahre alt wird. Zwei Männer im Ort sind auf besondere Weise mit dem Mühlenmuseum verbunden. Sie heißen beide Wolfgang Weber, sind aber nicht miteinander verwandt. Damit man sie unterscheiden kann, betont Wolfgang Weber der Ältere seinen zweiten Vornamen Richard.

Richard Wolfgang Weber (84) ist der Enkel des Mühlenerbauers. Großvater Heinrich Weber schuf die Holländer-Mühle 1890 noch mit Flügeln. Und weil der Wind nicht ausreichte, kam ein paar Jahre später ein Dampfkesselhaus hinzu, um sie auch bei Flaute antreiben zu können. Es war der Major a. D. Alexander Grau, seines Zeichens auch der erste Direktor der Babelsberger Ufa-Filmproduktion, der 1925 das Mühlengelände und die Mühle von den Webers kaufte. Er montierte die Flügel ab und verwandelte die Mühle in einen Aussichtsturm.

Die Michendorfer Mühle noch mit Flügeln und Paul Richard Weber, der kein Müller, sondern Elektriker wurde. Quelle: Repro Jens Steglich

Es gehört zu den schönen Wendungen in der Geschichte, dass Richard Wolfgang Weber zusammen mit dem Michendorfer Heimatverein 1998 in die Weber-Mühle zurückkehrte und sich seitdem dort sogar zwei Wolfgang Webers zusammen mit ihren Mitstreitern vom Heimatverein um die Geschichte und um Ausstellungen kümmern. In den 20 Jahren ist das Museum eine Schatzkammer für die Ortsgeschichte geworden, die jeden zweiten Sonntag im Monat und zu besonderen Anlässen für Besucher aufgeschlossen wird. Über drei Etagen und 13 Zimmerchen sind die Zeugnisse aus Michendorfs Vergangenheit thematisch verteilt. In der zweiten Etage, in der Platz für Sonderausstellungen und fürs Schulwesen geschaffen wurde, sind zum Beispiel Klassenfotos aus alten Zeiten zu sehen. Generationen von Kindern, die in Michendorf zur Schule gingen, sind dort für die Nachwelt festgehalten. „Auch junge Leute kommen hierher, um zum Beispiel ihre Großeltern auf den Fotos zu suchen“, erzählt Wolfgang Weber der Jüngere. Sein 84 Jahre alter Namensvetter zeigt zielgenau auf das Foto, auf dem er als Schulkind zu sehen ist.

Für die 2003 eröffnete Sonderausstellung „Michendorf unter Strom“ hatte er Exponate aus dem Keller geholt, die von seinem Vater stammen. Vater Paul Richard Weber ist nämlich nicht Müller geworden, sondern Elektriker. In Michendorfs Potsdamer Straße führte er ein Elektrogeschäft. „Bei Elektro-Weber haben wir immer unser Röhrenradio zur Reparatur gebracht“, erzählt Wolfgang Weber der Jüngere.

Der Obstanbau spielte früher auch in und um Michendorf eine große Rolle. Im Bild ist eine geflochtener Tragekorb zu sehen, den Obstbauern für den Transport des gepflückten Obstes nutzten. Quelle: Jens Steglich

In der Alten Mühle stehen sogar auf der Besucher-Toilette Ausstellungsstücke. Wer auf der WC-Schüssel sitzt, schaut auf historische Nachttöpfe oder auf eine Waschschüssel aus Großmutters Zeiten. In einem anderen Ausstellungsraum kann der Gast auf alten Schulbänken Platz nehmen oder sich in der nächsten Abteilung erklären lassen, wie der „Eisfink“ von 1930 funktionierte. Das ist so etwas wie ein Kühlschrank, der ohne Strom funktionierte. „Im Winter wurde Eis aus dem See geschnitten und in einen Behälter im Sparkühler getan“, erzählt Weber der Jüngere. Daneben legten die Leute dann Fleisch und andere Lebensmittel hinein. Das Eis sorgte für ein eigenes Mikro-Klima und hielt die Temperatur niedrig.

Im Heimatmuseum hängt auch eine Silbermedaille von den Olympischen Spielen von Montreal 1976 und das Ringer-Dress samt der blauen Ringerschuhe, die der Medaillengewinner trug. Die Schuhe waren schon damals von Adidas, auch für DDR-Sportler wie den Michendorfer Hans-Dieter Brüchert, der sich das Olympia-Silber im wahrsten Sinne des Wortes errang.

Ein Mitropa-Kassenbon von der Autobahnraststätte

Den Leuten vom Heimatverein ist es auch zu verdanken, dass von der 2008 abgerissenen Autobahnraststätte Michendorf-Süd etwas für die Nachwelt übrig geblieben ist. Im Heimatmuseum findet sich zum Beispiel die Originalbekleidung einer Serviererin, die an der Raststätte arbeitete, samt einem Mitropa-Kassenbon. Und ein Lohnstreifen von Liane Pahlke, die in den 1970er und 1980er Jahren dort kellnerte. Ein Blick in eine alte Speisekarte verrät: Damals konnte der Gast ziemlich preiswert speisen. Eine Tasse Gulaschsuppe gab es für 90 Pfennige. Die 1938 eröffnete Autobahnraststätte war die erste ihrer Art in Deutschland, gebaut im Stil altdeutscher Landhäuser. Zu DDR-Zeiten gehörte der Michendorfer Rastplatz zu den wenigen Orten, an denen sich Ost- und Westdeutsche schon vor dem Mauerfall begegnen konnten.

Von Jens Steglich

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