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Helfer plädieren gegen Schließung

Erstaufnahmeeinrichtung Ferch Helfer plädieren gegen Schließung

Mit der geplanten Schließung der Erstaufnahme für Flüchtlinge und Asylsuchende in Ferch steht auch das große Netzwerk der Hilfe vor dem Aus. Mehr als 200 Helfer aus Schwielowsee, Werder und Umgebung haben sich zwei Jahre lang für Integration stark gemacht. Mit einem offenen Brief wendet sich das Netzwerk jetzt an das den Ministerpräsidenten.

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Susanne Schaarschmidt (l.) gibt den Flüchtlingen und Asylsuchenden Deutschunterricht.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Ferch. An diesen Moment kann er sich noch genau erinnern. Es war kurz vor Weihnachten 2014, als die ersten Flüchtlinge in der Fercher Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung mit dem Bus aus Eisenhüttenstadt ankamen. Frank-Michael Theuer aus Caputh war einer von etwa 30 freiwilligen Helfern, die den Neuankömmlingen mit großen Bannern einen Willkommensgruß bereiteten. „Ich weiß noch genau, wie sie in dem Bus saßen und uns zugewunken haben. Wir standen zwar ein bisschen abseits, konnten aber dennoch ein Signal setzen“, erzählt Theuer.

Das Signal ist es, was den Ehrenamtlern vom Netzwerk jetzt noch bleibt. Das Innenministerium will die Erstaufnahmeeinrichtung noch vor Ende des Jahres schließen. Diese Nachricht hat das Netzwerk kalt getroffen. Eigentlich liefen die Verträge zwischen Ministerium und Gemeinde bis Ende 2018. Doch weil immer weniger Asylsuchende nach Brandenburg kommen, sind die Einrichtungen nicht mehr ausgelastet und stellen eine finanzielle Belastung dar. Frank-Michael Theuer ist enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass das positive Umfeld für die Asylsuchenden, das auch dank der aufopferungsvollen Arbeit des Netzwerks entstand, im Sande verläuft. Deshalb haben sich die Helfer nun mit einem offenen Brief an das Innenministerium und den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) gewandt.

Netzwerk hat sich Gedanken um die Zukunft gemacht

Noch bevor überhaupt ein Flüchtling das ehemalige Wohnheim und die Kaserne in Ferch zu Gesicht bekam, folgten bereits 80 Freiwillige aus den umliegenden Orten dem ersten Aufruf zur Hilfe. Theuer ist einer der Initiatoren des Netzwerks, das aus den Ehrenamtlern entstand und in der Evangelischen Kirchengemeinde Caputh eine Art Dachverband fand. „Das Feld gehörte von Anfang an den freundlich Gesinnten“, sagt er. Etwa 60 Menschen sind noch im aktiven Stamm, rund 200 zählt das Netzwerk insgesamt. Die Helfer unterrichten die Flüchtlinge in Deutsch, veranstalten regelmäßige Willkommensfeste oder sortieren und verteilen die Kleiderspenden.

„Es ist immer eine Herausforderung mit Flüchtlingen, Deshalb staune ich, dass viele so lange dabei geblieben sind“, sagt Theuer. Er bedauert, dass das Netzwerk zur geplanten Schließung weder gefragt noch gehört wurde. Vorschläge für eine Umnutzung hat der Pfarrer parat: „Man könnte diese vergleichsweise kleine und etwas abgeschiedene Einrichtung für besonders traumatisierte oder betreuungsintensive Flüchtlinge nutzen. Das nicht zu tun, ist aus meiner Sicht eine verpasste Chance“, erklärt er. In dem offenen Brief regt er diese Umnutzung an und zählt die Standortvorteile auf.

Helfer sind enttäuscht über die geplante Schließung

Viele Helfer sind geschockt und enttäuscht. „Mir blutet das Herz“, sagt einer von ihnen. Ursula Pommerenke (59) ist im Februar als Bundesfreiwillige zum Netzwerk gestoßen und gibt seitdem Deutschunterricht. Obwohl viele Flüchtlinge die Erstaufnahme nach wenigen Monaten wieder verlassen, weil sie abgeschoben werden oder in Wohnheime kommen, pflegt die im Gartenbau Selbstständige einen sehr persönlichen Kontakt zu ihnen. „Vereinzelt bleiben die Verbindungen auch nachdem sie uns verlassen“, erzählt Pommerenke. Sie hat nicht den Anspruch, die deutsche Sprache perfekt zu vermitteln. „Ich will einen Samen legen und zeigen, dass es hier hilfsbereite Menschen gibt.“

Die Helfer des Netzwerks müssen nun gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) als Betreiber entscheiden, was mit den Kleiderspenden, Regalen und Tischtennisplatzen geschieht. „Es wäre schön, wenn diese Dinge weiterhin von Flüchtlingen zum Beispiel in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Wünsdorf oder Eisenhüttenstadt genutzt werden“, sagt der Ortsleiter Dietmar Loose vom DRK. „Wir werden wir das DRK so lange unterstützen, bis niemand mehr hier ist. Uns sind die Menschen wichtig“, so Theuer. Die fleißigen Helfer, da ist sich der Pfarrer sicher, werden an anderer Stelle weitermachen.

Ausgezeichnete Hilfe

Das Netzwerk der Hilfe in Ferch besteht aus acht Arbeitsgruppen, die unter anderem in den Bereichen Sport, Sprache, Kinder und Jugend, Mobilität oder Sachspenden tätig sind. Eine Willkommensgruppe hat die Flüchtlinge und Asylsuchenden einmal im Monat mit einem musikalischen Programm sowie gemütlichem Beisammensein empfangen.

Ausgezeichnet wurde das Sportprogramm „On the move“ im Juli mit dem Sonderpreis 2016 für Integration und Vielfalt des Fußballlandesverbandes Brandenburg und der AOK Nordost. Neben der Urkunde gab es fünf Fußbälle und eine Prämie über 1000 Euro. Von dem Geld schaffte die Sportgruppe mobile Tore an, um das Programm auch an anderen Standorten im Land anbieten zu können.

Erst im Mai diesen Jahres bekam die Erstaufnahmeeinrichtung, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betrieben wird, neue Tischtennisplatten und Fußballkicker, die im Außenbereich Platz gefunden haben. Diese könnten nun in die Zweigstellen nach Wünsdorf, Eisenhüttenstadt oder Doberlug-Kirchhain transportiert werden.

Von Luise Fröhlich

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