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Helikopter, Drohne, Schulterkamera

Potsdam im Film Helikopter, Drohne, Schulterkamera

Potsdam ist die Stadt der Schlösser, Parks und Gärten, aber nicht nur das. Die Wirtschaftsförderung hat deshalb 50000 Euro in die Hand genommen und einen professionellen Imagefilm machen lassen, der vieles von dem zeigt, was Potsdam ausmacht. Der Zehnminüter wird bei Messen und offiziellen Präsentationen gezeigt, eine breitere Öffentlichkeit ist ihm nicht vergönnt.

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Nur die Kamera der Drohne kann das Doppelfernrohr des Großen Refraktors von oben sehen. Die Konturengrafik ist ein Kunstgriff.

Quelle: Filmbüro

Babelsberg . So dynamisch, so vielfältig war die Stadt noch nie. Wolfgang Dümcke hat sich was einfallen lassen, um Potsdam zu inszenieren. Nicht nur als Stadt der Schlösser und Gärten, Parks und Seen – das hat man hundert Mal gesehen. Vor allem als Stadt der Wissenschaften zeigt der Filmemacher Potsdam, aber auch als Stadt des Films, der Kultur, der Familien, der Erholung. Der Zehnminüter ohne Titel blättert nach einem Vorspann, der ein Film für sich sein könnte, 13 Kapitel auf und fasst sie zu guter Letzt in einem Epilog zusammen; es gibt auch eine Kurzversion von zwei Minuten, für Leute, denen zehn zu lange dauern.

Käuflich erwerben kann man den professionellen Imagefilm noch nicht; aber auf der Internetseite der Stadt ist er aufzustöbern, etwas versteckt in der Rubrik „städtische Publikationen“. Wer den Imagefilm unter dem Stichwort sucht, findet lediglich einen ganz anderen, knapp zweiminütigen, halbprofessionellen Streifen „Potsdam – you’re welcome“: Hintergrundmusik, keine Sprache, ein paar Floskeln in Englisch. Als „sehenswert“ bewirbt das Stadtmarketing den schwach aufgelösten Film, obwohl sie Besseres zu bieten hätte: Filmkunst nämlich, made in Babelsberg.

Wolfgang Dümcke

Wolfgang Dümcke

Quelle: Privat

Zur Begrüßung internationaler Gäste holt man Dümckes Film hervor, „bei Bedarf auch zum Empfang von Wirtschaftsdelegationen“, wie Stadtsprecher Stefan Schulz erklärt. Der Film sei unter anderem auf der weltgrößten Immobilienmesse Expo Real in München und bei Treffen der Wissenschafts-AG vorgestellt worden. „Alle Bereiche des Rathauses haben darüber hinaus die Möglichkeit, den Imagefilm zu eigenen Zwecken vorzuführen.“ Daran sehe man, dass der Film „vielfältig eingesetzt wird und werden kann, um facettenreich über die Landeshauptstadt zu informieren.“ Wie oft der Streifen tatsächlich schon gezeigt wurde, ließ Schulz offen.

Der Imagefilm bedient sich einer ganz eigenen Bildsprache und nutzt diverse Kameratechniken. Aus dem Hubschrauber wurden bei prachtvollem Sonnenschein die schönen Panoramabilder gedreht. Sie gehen in Sequenzen über, die mit einer Kamera-Drohne aufgenommen wurden; der Flug wechselt hier von gemächlich zu rasant. Der Oktokopter mit der Kamera schwebt auf die Objekte zu, zuweilen auch in sie hinein. Am Hans-Otto-Theater etwa zieht er im Tieflug vom Tiefen See aus durchs Foyer in den großen Saal, wo gerade eine Probe läuft; die ruhige Schulterkamera übernimmt den Blick auf die Schauspieler und den Regisseur.

„Flieg, Vogel

„Flieg, Vogel! Flieg!“ Die achtmotorige Drohne macht rasante wie gemächliche Kamerafahrten aus dem Luftraum heraus in geschlossene Räume möglich.

Quelle: Filmbüro

„Wir erzählen in mehreren Ebenen immer eine Geschichte“, sagt Dümcke, „so kurz sie auch jeweils ausfällt.“ Das gedrehte Material ist viel umfangreicher, als der Film es zeigt. Die Kapitel sind je nach Wunsch von Auftraggebern kürzbar, verlängerbar und austauschbar gegen andere. „Wir können den Film mehr auf Sport trimmen, mehr auf Familie, mehr auf Tourismus“, erläutert Dümcke das Bausteinprinzip: „Unsere Grundidee war, die Filmstadt Potsdam endlich auch mal im Film zu zeigen.“ So sieht man im Kapitel zu den Filmstudios von Babelsberg bislang unveröffentlichte Bilder von Babelsberger Dreharbeiten für namhafte Hollywood-Kinofilme wie „The Ghostwriter“, „Inglorious Basterds“ und „Hansel and Gretel“. Die Babelsberger Studios gaben die Szenen für den Imagefilm frei. Exklusiv sind auch die Blicke ins VW Design Center an der Schiffbauergasse.

Das Filmbüro Potsdam

Das Filmbüro Potsdam sitzt im Medienhaus an der August-Bebel-Straße 26-53, 14482 Potsdam (Babelsberg), 0331/721 53 91, erreichbar auch unter kontakt@filmbuero-potsdam.de.

Der Film ist auf der Website des Büros oder auf der Internetseite der Stadt Potsdam zu finden, dort unter: https://www.potsdam.de/content/filmisches-portrait-der-landeshauptstadt-potsdam-140-sekunden

25 Leute haben über mehrere Monate hinweg an dem Film gearbeitet, darunter drei Kameraleute und ein Team für die Film-Drohne.

Autor und Regisseur war Wolfgang Dümcke, Regieassistentin Juliane Ike Herrich.

Die Drohne wurde von Fabian Werba und Martin Paschkowski gesteuert, der Hubschrauber von Pierre Wagner. Die Kameras führten Sebastian Hattop, Dirk Heth und Jan Urbanski. Tontechniker waren Thomas Hamann / Christopher Conrady. Olando Grübel war der Bühnenmeister; Dennis Klemba sorgte für die Beleuchtung. Für Bühne und Licht zeichnet Massimilano Bonavia verantwortlich.

Die Musik schrieb Dümckes Sohn Maximilian; die Grafik setzte sein Sohn Philipp in Szene. Sprecherin ist die Schauspielerin Dörte Caspary.

Die Produktion lag in den Händen von Andrea Arndt.

Die Stadt hatte Themen und Schauplätze vorgegeben, das Landtagsschloss etwa und die Familienfreundlichkeit, für die man die Freundschaftsinsel wählte. Mehrere Kapitel gibt es zu Wissenschaftseinrichtungen, ohne dass genauer zu ergründen wäre, was die Institute da genau machen. Und manches ist auch schwer zu illustrieren, wie der Blick in den Hochschulalltag des Hasso-Plattner-Institutes für Softwaresystemtechnik zeigen. Direktor Christoph Meinel, im Hörsaal dauern in Bewegung und schwer zu fassen von der Kamera, schreibt mit Kreide (!) riesige Schiebetafeln voll mit Formeln. „Ich habe mal ein sehr gutes Abitur gemacht und war gut in Mathe“, erzählt Dümcke, „aber da habe ich nach zwei Minuten schon nicht mehr gewusst, worum es geht.“ Einfacher und damit anschaulicher ist das bei Restaurierungsarbeiten im Neuen Palais von Sanssouci oder im Großen Refraktor des Leibniz-Institut für Astrophysik auf dem Telegrafenberg. Hier findet Dümcke auch die Grafik bestechend schön, die man flüchtig über die Objekte geworfen hat, um ihre Konturen ein paar Augenblicke lang nachzuzeichnen: Die Strichzeichnung taucht auf, huscht über das bewegte Bild , bewegt sich mit ihm und verschwindet wieder. Zuweilen geht das viel zu schnell, um als Kontur erkannt zu werden, „doch das ist unsere Bildsprache“, sagt Dümcke: „Das gefällt vielleicht nicht jedem, aber die Spielfilmleute, denen wir das gezeigt haben, fanden’s einfach nur geil.“

Dümcke räumt ein, dass sein Werk nicht schwelgend oder elegisch schön ist, sondern kontrovers aufgenommen werden dürfte. Möglicherweise hat es deshalb nicht das nachlesbare Lob der Stadt gefunden, wie es der unkommentierte „Welcome-Film“ hat. Egal, wie gut man den Imagefilm finden mag, er setzt Maßstäbe bei der weiteren filmischen Vermarktung Potsdams. Niedriger wird man die Messlatte kaum hängen können.

Von Rainer Schüler

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