Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Herr über die Uhr aus Eisen
Lokales Potsdam-Mittelmark Herr über die Uhr aus Eisen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:16 26.10.2015
Aus den Schallluken des Kirchturms kann man den Stand der Zeiger kontrollieren. Quelle: Uwe Klemens
Anzeige
Treuenbrietzen

Als Johannes Kepler vor rund vierhundert Jahren den Lauf der Planeten auf ihrer Bahn um die Sonnen entdeckte und damit die Grundlagen für die moderne Zeitberechnung legte, kannte er Jürgen Lüdersdorf nicht. Vielleicht würde der große Naturphilosoph und Astronom ihn ja als würdigen Nachfolger anerkennen, denn zweimal im Jahr wird der pensionierte Pfarrer zum Herr über die Zeit, die er dann wahlweise um eine Stunde vor- oder zurückversetzt. Die Sonne beobachten, wie Kepler es einst tat, kann Lüdersdorf aber nicht. Denn wenn er auf den Kirchturm steigt, ist es stets tief in der Nacht.

Wer rastet, der rostet

Was das „i.R.“ hinter Jürgen Lüdersdorfs Berufsbezeichnung in Wirklichkeit bedeutet, weiß jeder, der ihn bei seinen nächtlichen Aktionen begleitet. „Pfarrer ’in Rotation’“ übersetzt der Treuenbrietzener die Abkürzung, die eigentlich für den Ruhestand stehen soll. Doch wer rastet, der rostet bald wie eine alte Uhr aus Eisen. Das zu verhindern hat sich der Pensionär auf die Fahne geschrieben und vor etwa 20 Jahren das eiserne Uhrwerk der Treuenbrietzener Marienkirche in Pflege genommen. Die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt gehört dabei zu seinen Pflichten.

Jürgen Lüdersdorf vor dem Uhrwerk der alten Lanz-Uhr aus dem Jahr 1842 Quelle: Uwe Klemens

Warum er im Frühjahr dazu nur einmal in der Nacht auf den Kirchturm steigen muss und im Herbst gleich zweimal, kann nur begreifen, wer sich die Konstruktion des Uhrwerks aus der Nähe anschaut. „J. Ph. Lanzer, Schlosser und Großuhrenhersteller“ steht auf einem Messingschuld in eingravierten, altdeutschen Buchstaben, daneben die Jahreszahl 1842. „Ein Hufschmied hätte es nicht schlechter machen können“, schimpft Jürgen Lüdersdorf leise vor sich hin, während er aus einem kleinen Fläschen ein paar Tropfen Spezialöl auf die neuralgischen Punkte des Zahnradgetriebes gibt. „Wenn ich das nicht spätestens alle 14 Tage tue, läuft die Uhr ungenau“, erklärt er. Warum sich die Zeiger der beiden Zifferblätter ungeschmiert schneller drehen als wenn sie geölt sind, hat sich ihm auch in zwei Jahrzehnten als ehrenamtlicher Uhrwerkswart nie wirklich erschlossen. „Selbst Fachleute, die sich die Uhr immer mal wieder ansehen, haben dafür keine Erklärung.“

Wirrwarr aus Rädchen, Stangen und Seilzügen

Trotzdem hantiert Lüdersdorf inmitten des scheinbaren Wirrwarrs aus Rädchen, Stangen und Seilzügen, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Mit der Zeit hat er gelernt, an welcher Spindel er wie viel schrauben muss, um unterschiedliche Temperaturen auszugleichen, wo sich der Ausschlag des Perpendicels regulieren lässt und auch, welche Sicherungshebel ausgeklinkt werden müssen, damit er die draußen angezeigte Zeit verändern kann.

Quelle: Drei, jeweils zentnerschwere Gesichte aus Sandstein halten das Uhrwerk auf Trab

Bei der Umstellung auf die Sommerzeit rückt Lüdersdorf dann das größte der Zahnräder einfach um eine der zwölf Markierungen weiter, was nur wenige Sekunden dauert. Heute Nacht, wenn es zurück auf die Winterzeit geht, muss er die Uhr anhalten und eine Stunde später wieder in Gang setzen.

Etwas Schummeln ist erlaubt

„Den Schlaf lasse ich mir aber deswegen noch lange nicht rauben“, sagt Jürgen Lüdersdorf, der, ganz Herr über die Zeit, nicht bis um zwei Uhr morgens wartet, sondern schon ein paar Stunden vorher zweimal die steile Wendeltreppe hinauf steigt. „Die meisten Leute schlafen sowieso und merken von der kleinen Schummelei nichts“. Hätte J. Ph. Lanzer beim Bau der Uhr gewusst, dass es knapp eineinhalb Jahrhunderte später die Sommerzeit geben würde, hätte er sich sicher auch dafür eine Lösung einfallen lassen. Auf den Tüftler, der sich für das Umstellen der Uhr einen bequemeren Weg einfallen lässt, wartet der „Pfarrrer in Rotation“ schon lange.

Ein Stockwerk über dem Uhrwerk haben Stunden und Minuten jeweils eine eigene Glocke. Quelle: Uwe Klemens

Sein Ehrgeiz, dass die Treuenbrietzener möglichst sekundengenau angezeigt bekommen, was ihnen die Stunde geschlagen hat, ist indes mit den Jahren und der Anzahl der absolvierten Treppenstufen deutlich gesunken. „Dass die Ungenauigkeit nicht größer wird als fünf Minuten reicht auch.“

Von Uwe Klemens

Brandenburg/Havel Leaderprojekte der Havelregion - Von neuer Kita bis zur alten Ziegelei

Die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel befindet sich im zweiten Auswahlverfahren für Leaderprojekte. Mehr als 65 Ideen mit einem Fördervolumen von insgesamt 11 Millionen Euro wurden eingereicht, drei Millionen stehen derzeit aber nur zur Verfügung. Davon sind 25 Vorhaben aus der Havelregion, die in der Arbeitsgruppe in Wusterwitz vorgestellt wurden.

26.10.2015
Potsdam-Mittelmark Stahnsdorfer wollen ihre historische Ortsmitte umgestalten - Märkischer Anger soll neu belebt werden

Die Stahnsdorfer wollen ihre historische Ortsmitte umgestalten und neu beleben. Dazu hat ein Landschaftsarchitekt jetzt ein Pflege- und Entwicklungskonzept vorgelegt, über das Stahnsdorfs Gemeindevertreter am 2. November diskutieren wollen. Ein Informationssystem aus Tafeln mit historischen Fotos und Texten soll über die historischen Gebäude am Platz informieren.

23.10.2015
Potsdam-Mittelmark Abwasseranschlüsse vom Mittelgraben-Verband - Hohe Nachzahlungen: Verband stellt sich Fragen

Nachdem im Zweckverband „Mittelgraben“ die ersten Bescheide für Nachzahlungen zu Abwasseranschlüssen aus den 1990er Jahren herausgeschickt wurden, schlagen die Wogen hoch. Der Verbandsvorsteher lädt deshalb nun betroffene Grundstückseigentümer zu zwei Informationsveranstaltungen ein.

23.10.2015
Anzeige