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„Herrentuter“ geleiten das Christkind zur Erde

Einmalige Adventstradition in Cammer „Herrentuter“ geleiten das Christkind zur Erde

In Cammer wird in der Adventszeit die Tradition der Herrentuter gepflegt. Dabei ziehen junge Bläser im Dorf von Haus zu Haus. Erneut übernahmen dieses Jahr zwei Mädchen diese Aufgabe – in Ermangelung anderer Kandidaten. Die Fanfarenzüge der beiden finden am Silvesterabend ihren Ausklang.

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Als Herrentuter sind Eve Altenkirch (re.) und Laura Verseck jeden Tag mehrere Stunden in Cammer unterwegs.

Quelle: Andreas Koska

Cammer. Unüberhörbar sind sie wieder auf Tour. Gut eine Woche vor Heiligabend begannen die Herrentuter ihren Rundgang durch das Dorf Cammer. Nur dort hat sich diese alte Tradition, die einst vom Schäfer begründet und vom Nachtwächter fortgesetzt worden ist, erhalten. Heute blasen jedoch allabendlich nicht mehr die Hirten oder Wächter kräftig in ihre Tuten. Vielmehr sollen eigentlich die Konfirmanden das Christkind zehn Tage lang mit Fanfaren auf seinem Weg zur Erde geleiten.

In diesem Jahr haben zum wiederholten Male zwei Mädchen das Ehrenamt inne. Beide wollen allerdings nicht konfirmiert werden. Die 14-jährige Eve Altenkirch und die ein Jahr jüngere Laura Verseck sind jeden Tag mehrere Stunden im Dorf unterwegs. An jeder Ecke wird getutet. „Es macht Spaß“, sagt Eve, die zur Oberschule in Brück geht. Laura besucht das Fläming-Gymnasium in Bad Belzig. „Ich gehe dieses Jahr zur Jugendweihe“, erzählt Laura. Eve hat diese schon 2015 gefeiert. Da es jedoch in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge keine Konfirmanden im Dorf gibt, wurden die Mädchen gefragt, ob sie sich den schon voriges Jahr absolvierten Ehrendienst nochmals vorstellen könnten. Und sie konnten.

Zum zweiten Mal unterwegs

Am Heiligen Abend erfolgt die vorerst letzte Runde durch das Zweimühlendorf. Für Ellen Radtke ist das eine neue Erfahrung. „Ich kannte diese Tradition nicht“, sagt die Pfarrerin. Sie ist sich aber sicher, dass es im kommenden Jahr wieder Konfirmanden geben wird, die das Tuten übernehmen werden. Am Silvestertag sind die jungen Damen dann noch einmal unterwegs. Dann wird an jeder Tür geklingelt und es werden Neujahrswünsche dargeboten. Dafür gibt es kleine Geschenke als Dank.

Der Neujahrsspruch hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts mehrfach verändert. Heute heißt es: „Die Glocken verkünden mit hallendem Ton, dass wieder ein Jahr ist verschwunden. So haben wir Jugend von Cammer auch schon, wie üblich uns eingefunden. Vor allem wünsch ich, dass dieses Haus mit reichem Segen erblühe. Und wolle Gott geben zu jedermanns Glück, dass sich bessere der Menschheit Geschick, die täglich sich quälet aufs Neue und wünsche der gesamten Christenschar ein glückliches Neues Jahr“.

Früher ein weit verbreiteter Brauch

Der Brauch des Herrentutens war früher im Fläming weit verbreitet. Erhalten hat er sich jedoch nur noch in Cammer. Diese alte Weihnachtssitte, das sogenannte Hirten- und Herrentuten deutet laut Überlieferung auf die Hirten von Bethlehem hin. Da das Vieh gemeinsam geweidet wurde, besorgten die Hirten auch das Tuten. Sie holten sich das Vieh von den einzelnen Gehöften und trieben es auf die Weide. Die Besitzer der Tiere konnten so also ihren anderen Pflichten in Haus und Stall, auf dem Acker oder im Wald nachgehen. Einige Monate vor Weihnachten hatten die Hirten für die Kinder des Ortes kleine Geschenke geschnitzt. Neun Tage vor Heiligabend stellten die Kinder einen Teller vor die Tür, und die Hirten legten das Geschnitzte sowie Äpfel, Nüsse und Honigkuchen darauf.

Am Neujahrsabend holten sich die Hirten dann bei den Dorfbewohnern ihren Lohn ab, deren Vieh sie das ganze Jahr über gehütet hatten. Mit ihren Tuten zogen sie durch Cammer und traten mit einem Spruch in die Häuser. Das Tuten in der Vorweihnachtszeit und am Silvesterabend blieb Tradition, auch als sich jeder Viehbesitzer seine eigenen Weideplätze anschaffte, die Hirten also eingespart wurden. Der Nachtwächter übernahm dann das Tuten. Als es schließlich auch diesen nicht mehr gab, übernahmen es die Schulkinder und nun die Konfirmanden – so es im Dorf welche gibt.

Von Andreas Koska

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