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Potsdam-Mittelmark Hier fährt man mit Adrenalin im Blut
Lokales Potsdam-Mittelmark Hier fährt man mit Adrenalin im Blut
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23:02 11.10.2017
Adrenalin pur im Off-Road-Taxi: Mit Fahrer Matthias Mönch ging es für seine Mitfahrer steile Abhänge hinauf und einen Wasserfall hinab. Quelle: Christin Iffert
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Linthe

 Marcel Grebe setzt sich in einen alten BMW. Er stellt Sitz und Spiegel ein, drückt dann aufs Gas und fährt die dynamische Kurve im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Linthe. Die Bahn ist nass. Erschwerte Umstände – auch, weil die Reifen einen Entwicklungsstand von vor 15 Jahren aufweisen. 48 Sekunden braucht der 24-Jährige.

Der Student, der Business Administration als Fachrichtung hat und in Borkheide wohnt, ist einer unter 42 Finalisten des bundesweiten Wettbewerbs „Fahrsicherheitsprofi 2017“, der Freitag und Samstag in Linthe ausgetragen wurde. Durchgesetzt hatte er sich in einer der sieben Vorrunden. Mehr als 4500 Bewerber gab es. „Ich gehe nicht ganz an die Grenzen“, sagt er – um nicht aus der Wertung zu fliegen. Der Borkheider hat seinen Führerschein mit 18 erworben und sieht sich als „soliden Fahrer“.

Marcel Grebe aus Borkheide war einer der Finalisten. Quelle: Christin Iffert

Doch die sechs Module, die Autofahrer aus unterschiedlichen Bundesländern meistern, haben es in sich. In der dynamischen Kurve geht es darum, möglichst schnell zu sein und die Kurvenlinie einzuhalten. „Sie fahren mit verschiedenen Autotypen und Autoreifen“, erklärt Koordinator Rainer Jung. Nicht nur, dass sich alte und neue Reifen ganz unterschiedliche fahren: „In dem alten Auto ist auch echt etwas zu tun, um es zu halten“, meint Grebe.

Das ADAC Fahrsicherheitszentrum in Linthe (Potsdam-Mittelmark) hat am Wochenende das bundesweite Finale des Wettbewerbs „Fahrsicherheitsprofi 2017“ ausgetragen. Sie mussten an unterschiedlichen Modulen ihre Fahrsicherheit, Schnelligkeit und Präzision unter Beweis stellen. Für Jung und Alt gab es außerdem die Familientage am Freitag und Samstag.

Eine Herausforderung war für ihn die „Zielbremsung“. Mit Sommer- und Winterreifen wird auf einer bewässerten Gleitfläche eine Notbremsung hingelegt – 15 Meter bis zum Stehen. „In Teilen fährt sie sich wie eine festgefahrene Schneefläche“, sagt Jung. Er glaubt, es sei eine der schwierigsten Übungen. Viele werden disqualifiziert, weil der Wagen entweder zu früh oder zu spät zum Stillstand kommt. Grebe hatte beispielsweise die Geschwindigkeit über- und die Leistung der Winterreifen unterschätzt. Er stand, als er noch hätte rollen sollen.

„Fahrsicherheitsprofi 2017“ ist ein Brandenburger

Am Ende des Finales hat es für den Borkheider nicht zum „Fahrsicherheitsprofi 2017“ gereicht. Er hatte es schon vorab im Gefühl. So richtig rund, wie erhofft, liefen die Übungen nicht. Stattdessen hängte ein anderer Brandenburger die Konkurrenz ab: Kai Zander aus Schorfheide im Landkreis Barnim. Der 31-Jährige hatte noch vor Abschluss aller Module zur MAZ bescheiden gesagt: „Wenn man konstant gut fährt und nicht zu viel will, kann man vorn mitfahren.“ Sein Hauptpreis ist neben der Ehrung, die in Potsdam stattfand, ein BMW i8 mit Plug-in-Hybridantrieb. Den darf er nun ein Jahr kostenlos fahren.

Zwei Brandenburger unter sich: Kai Zander (l) und Marcel Grebe. Zander sicherte sich den Titel und den Hauptpreis. Quelle: Manuela Mehnert

„Herausfordernd waren auf jeden Fall die Theoriefragen und Fahrübungen“, meint Kai Zander. Außerdem sei stets von Vorteil, die Grenzen seines Fahrzeuges zu kennen. Überhaupt: „Jemand, der wenig mit Autos zu tun hat und selten in Grenzbereiche kommt, der lernt bei solchen Wettbewerben und Trainings etwas“, meinte er im Gespräch. Er sei jedoch auch sonst im Straßenverkehr ein guter Fahrer. Das zeigt ebenfalls die Vorrunden-Entscheidung, bei der er am 21. Juni in Linthe als Bester abgeschnitten hatte.

Reifen sind das A und O beim Auto

Marcel Grebe nimmt indes vor allem persönlich viel mit, etwa das Wissen um den Umgang mit Gefahrensituationen oder die elementaren Unterschiede von Bereifungen. „Das Fahren hier zeigt mir, dass man stärker auf die Reifen achten sollte.“

Rainer Jung koordinierte die Module während des Wettbewerbs. Er sieht im „Fahrsicherheitsprofi 2017“ eine Möglichkeit, die Menschen mehr für Verkehrssicherheit zu sensibilisieren. Quelle: Christin Iffert

Während die Finalisten um den Sieg kämpften, konnten Besucher der ersten Familientage zeitgleich auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrums in Linthe unterschiedliche Stationen anlaufen. Neben kleinen Parcours für Fahrräder, Bobby-Cars oder auch einer Hüpfburg gab es für Autofahrer Schnuppereinheiten auf dem Gelände. Sie konnten im Wagen Geschicklichkeit testen oder Bremsübungen machen. Horst Götze aus Ruhlsdorf bei Luckenwalde versuchte sich im Slalom. Neun Pylone in einem Abstand von je 18 Metern waren aufgebaut. Während Fahrlehrerin Birgit Strobel aus Mittenwalde als Trainerin Tipps zur richtigen Haltung und effektivem Fahren gab, kurvte er um die Kegel. Der 76-jährige Witwer hat seinen Führerschein seit dem 18. Lebensjahr – und fühlt sich noch fit hinter dem Lenkrad. „Ich will nicht sagen, ich fahre Slalom mit links“, meint er, „Probleme gab es aber nicht.“ Zwar erreichte er nicht den Familientage-Rekord von 58 Stundenkilometer in einem kleinen Fiat, kam aber mit rund 30 km/h sicher wieder zum Startpunkt zurück.

Ein Highlight für viele Besuche: die Off-Road-Strecke

Rund 1000 Menschen nutzten laut Pressesprecherin Stefanie Ruppe den Weg am Freitag und Samstag das bunte Angebot im Fahrsicherheitszentrum. Ein Highlight war dabei für viele das Off-Road-Taxi. Mit Witz schaukelte Trainer Matthias Mönch die Gäste über steile Abhänge, einen Wasserfall hinunter und ließ den Wagen im Sekundentakt vom Boden abheben – Kribbeln im Bauch inklusive. „Es war so lustig, der Wasserfall beeindruckend“, resümiert Berenice Thiele aus Bernau. Einen kleinen Schockmoment gab es für die 25-Jährige, „da dachte ich, wir kippen in einer Kurve um.“ Sie kippten nicht – alles nur Show. Es sollte ja schließlich kribbeln.

Von Christin Iffert

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