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Potsdam-Mittelmark Hier gibt die Suchthilfe seit 25 Jahren Halt
Lokales Potsdam-Mittelmark Hier gibt die Suchthilfe seit 25 Jahren Halt
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06:05 24.10.2017
Klient Wolfgang Hauser (57) hat anlässlich des Jubiläums Wimpelketten genäht. Quelle: Christiane Sommer
Medewitz

Bunte Wimpelketten schmücken das Jagdschloss Medewitzerhütten und das gesamte Gelände der darin untergebrachten sozialtherapeutischen Einrichtung für Suchtkranke. Mehr als 500 kleine bunte Stoffdreiecke sind zu kurzen und langen Ketten gefügt und hängen in Fenstern, über Türen zwischen Bäumen. Über drei Wochen hat Wolfgang Hauser an der Nähmaschine gesessen und die Dekoration genäht. Der 57-Jährige lebt seit zwölf Jahren bei der Wabe-GmbH. Das ist sein Beitrag zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung.

Die Treppe zum alten Jagdschluss steigt Hauser langsam hinauf. Er will nachsehen, ob die Wimpel noch gut befestigt ist. „Meine Drogenkarriere ging über 30 Jahre“, erklärt er das langsame Tempo. Alkohol- und Drogenkonsum haben seiner Gesundheit zugesetzt und Spuren hinterlassen. Diverse Entzugsversuche liegen hinter ihm. Weil er immer wieder rückfällig wurde, hat er viele Einrichtungen kennen gelernt. Wirkliche Hilfe hat er laut eigener Einschätzung erst bei der Wabe-GmbH gefunden. Dort ist Abstinenz erwünscht. Ein Rückfall in die Sucht bedeutet jedoch nicht zwingend den Rausschmiss.

Deshalb bezeichnet er die Einrichtung rückblickend als einen Glücksfall für sich. Der Weg zu dieser Erkenntnis war nicht einfach. Die Wohngruppe mit ihren strukturierten Tagesabläufen und die Therapieangebote haben ihm dabei geholfen. Zwischenzeitlich hat er auch gelernt, über seine Krankheit zu sprechen. Offen erzählt Hauser, dass er bereits als Kind nicht auf der Sonnenseite des Lebens stand. Er sagt: „Ich bin in einem katholischen Nonnenheim aufgewachsen.“ Über sieben Jahre lebte er in der Einrichtung, in der es in seiner Erinnerung an Liebe mangelte und wo seelische Kälte tonangebend war.

Stationär und ambulant

Der Name der 1992 gegründeten Wabe-GmbH ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben Wohnen, Arbeiten, Betreuen und Erleben.

In der stationären Betreuung in Medewitzerhütten leben aktuell 20 bis 25 Klienten.

Ambulante Hilfen werden seit 2004 angeboten und aktuell von mehr als 40 Klienten angenommen. Davon leben rund 20 in der Wohngruppe in Wiesenburg und sechs in der Medewitzer Wohngruppe.

16 Frauen und Männer werden wiederum über die so genannte aufsuchende Suchthilfe in deren Quartier betreut. Diese Arbeit wird in der Region Wiesenburg, Bad Belzig, Niemegk und Görzke geleistet.

Es wurde nicht besser, als er wieder zur Mutter nach Hause kam. Die hatte zwischenzeitlich einen neuen Mann und Hauser eine Stiefschwester. Er blieb das Anhängsel in der Familie, dem es an Halt fehlte. Drei Jahre später folgte die Einweisung in ein Jugendwohnheim. „Dort hatte ich die ersten Kontakte zum Alkohol“, so der 57-Jährige.

Sein Weg in die Sucht vollzog sich nachfolgend in rasender Geschwindigkeit. An einen Schulabschluss war nicht mehr zu denken. „Ich bekomme das auch nicht mehr alles zusammen aus der Zeit“, bemerkt er und kratzt am Kinnbart. Zum Alkohol waren längst Drogen wie Haschisch und Heroin gekommen. Dann erzählt er vom Leben auf der Straße und den vielen vergeblichen Therapieversuchen.

Drogenkarrieren wie die von Wolfgang Hauser gehören für das Wabe Team zur Normalität. Hierher kommen zumeist Menschen, die bereits mehrere Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlungen hinter sich haben.

Unter den Gästen, die zum Jubiläum vorbeischauen, sind Gründungsmitglieder, Träger und Unterstützer der Einrichtung sowie Günter Baaske (SPD). „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie vor 25 Jahren darüber diskutiert wurde, ob tatsächlich zwei Suchthilfeeinrichtungen im Hohen Fläming gebraucht werden“, so der Wahlkreisabgeordnete im Landtag Brandenburg. Die Antwort schiebt er auch gleich hinterher: „Die illegalen Drogen waren genau so schnell hier wie die Bananen.“

Wie viele Menschen seit 1992 in der Wabe über stationäre und ambulante Betreuungsangebote Hilfe gesucht und gefunden haben, vermag Marina Krauss, die Gesamtleiterin der Einrichtung, spontan nicht zu sagen. Nur soviel: Kamen in den Anfangsjahren vor allem Menschen über 35 Jahren, sind es heute deutlich jüngere.

Einige Ehemalige kommen regelmäßig zu Treffen zurück. Für die Mitarbeiter eine gute Gelegenheit um zu erfahren, wie ihre Schützlinge den Alltag außerhalb meistern. Einige kamen zur großen Freude des Wabe Teams sogar zum Jubiläum, gratulierten und dankten für die Fürsorge. Wolfgang Hauser freute sich ebenfalls über manche Wiederbegegnung, erntete Schulterklopfen für seinen Fleiß.

Von Christiane Sommer

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