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Hier lernen Hunde, glücklich zu sein

Schmergow Hier lernen Hunde, glücklich zu sein

In der Hundeschule von Karin Vater in Schmergow lernen Teilnehmer mit ihren Hunden, wie sie die Begegnung mit anderen Fellnasen erfolgreich meistern können. Auch das Grundverhalten und Stubenreinheit werden trainiert. Karin Vater ist es wichtig, dass Hund und Hundehalter ein Team werden und übt mit den Vierbeinern auch an ungewöhnlichen Orten.

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Sie hat alles im Blick und die richtigen Tipps auf Lager: Karin Vater (Mitte) koordiniert die Hund-Hund-Begegnung.

Quelle: Melanie Höhn

Schmergow. „Loben ist das A und O, alles andere wird ignoriert.“ Vor der ersten Übungsstunde gibt Hundeerzieherin Karin Vater klare Anweisungen an ihre heutigen Teilnehmerinnen. Im Uhrzeigersinn gehen vier Frauchen mit ihren Hunden auf der 800 Quadratmeter großen Wiese in Schmergow hintereinander her und halten ihre Vierbeiner dabei an der kurzen Leine. „Wenn der Hund nicht weiterlaufen möchte, bleibt kurz stehen und denkt an Blickkontakt. Wenn er euch anschaut, gebt ihm einen Leckerli“, sagt die 58-Jährige.

Die Übung klappt gut und auch den zweiten Test bestehen alle: Jeweils zwei der vier Hunde laufen aufeinander zu, ohne Kontakt miteinander aufzunehmen. Dies ist das Kernproblem der Vierbeiner, die Karin Vater trainiert: Die Begegnung mit anderen Hunden. Ihren eigenen Hund Kimba hat sie soweit erzogen, dass sie ihn mit Futter ablenken kann, wenn sich eine fremde Fellnase nähert. Inzwischen reagiert er auch auf einen Pfiff.

„Das ist sehr praktisch, wenn ich ihn vom Jagen fernhalten möchte. Wenn er den Hasen sausen lässt, wird er von mir mit einem getrockneten Kaninchenohr belohnt“, sagt sie. Andere Probleme der von ihr trainierten Hunde sind das Laufen an der Leine, Grundverhalten wie Sitz und Platz, die Stubenreinheit oder Aggressionen.

Oft üb sie mit den Hunden an verkehrsreichen Straßen, in Einkaufszentren oder geht mit ihnen in Gaststätten – an Orte, an denen es viele Gerüche und Ablenkungen gibt – „damit sie lernen, damit umzugehen,“ sagt sie. Ihr ist wichtig, dass Hund und Hundehalter ein Team werden. „Das geht nicht, wenn jeder sein Ding macht.“

Eine der heutigen Teilnehmerinnen ist Sabine Lückenotte aus Werder (Havel). „Wenn meine Elli, ein Rottweiler-Schäferhund-Mix, anderen Hunden begegnet, ist sie immer ganz aufgeregt“, erzählt sie. Die Hundebesitzerin kümmert sich inzwischen schon zwei Jahre um das Tier und hat noch immer mit den Erziehungsfehlern ihres Vorgängers zu kämpfen. In der Hundeschule von Karin Vater versucht sie seit etwa einem halben Jahr, Elli richtiges Verhalten beizubringen.

„Am Anfang wollte sie partout nicht an die Leine gehen. Das vorherige Herrchen war ein Berufskraftfahrer, der kaum Zeit für sie hatte. Durch den Unterricht hier ist es schon besser geworden“, sagt Sabine Lückenotte, die mit Elli viel auf Schmergows Straßen geübt hat. Auch Karola Theumer aus Schmergow ist mit ihrem Hund Lady zur heutigen Trainingsstunde gekommen – seit Ende März kümmert sie sich um den Münsterländer. „Ich habe sie aus dem Tierheim geholt und bin heute zum zweiten Mal hier. Gerade ist der Kontakt mit anderen Hunden das große Problem, sie bellt und knurrt dann immer.“

Hintergrund

Bei der IHK Potsdam kann man sich zum zertifizierten Hundeerzieher und Verhaltensberater ausbilden lassen. Der 312 Unterrichtsstunden umfassende Lehrgang behandelt unter anderem die Themen Anatomie, Ernährung, rechtliche Grundlagen, der Übergang vom Hobby zum Beruf, altersgemäße Erziehung, Problemverhalten, Unternehmensführung, Trainingstechniken sowie Aufbau von Trainingseinheiten.

Der neue Lehrgang in Potsdam beginnt am 18. September als Blockseminar mit insgesamt 13 Modulen. Der Startschuss für die berufsbegleitenden Ausbildung in Potsdam ist am 17. März 2018.

Karin Vater weiß aus Erfahrung, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, dass ein Hund eine Übung wirklich verinnerlicht hat. „Man muss immer wieder mit ihm weitermachen und darf keine Wunder innerhalb von drei Tagen erwarten“, sagt sie. Es könne auch immer wieder Rückschläge geben. Wenn man Frauchen oder Herrchen eines Hundes werde, könne man von Anfang an sehr viele Fehler machen: „Viele ziehen an der Leine, wenn der Hund nicht mitmacht, dabei sind die Tiere oft einfach nur müde und wollen nicht mehr laufen. Dann muss man sie einfach auf den Arm nehmen und tragen. Das ist oft bei Welpen der Fall.“

Vor allem in den ersten Monaten bis zur 16. Woche lerne ein Hund am meisten: In dieser Zeit werde er auf die Umwelt vorbereitet und sozialisiert, sagt Vater. Danach sei es immer schwieriger, ihn richtig zu erziehen.

Als Karin Vater 2006 einen Nachbarshund spazieren führte und in Kontakt mit einer Bekannten kam, die gerade eine Zertifizierung zur Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin ablegte, war sie inspiriert, ebenfalls diesen Weg einzuschlagen. Nach bestandener Prüfung meldete sie im Jahr 2009 ein Gewerbe an – zunächst gab sie Einzelstunden, seit 2013 bietet sie auch Gruppenunterricht und Gassi-Service an.

Das Schöne an ihrem Beruf? „Mit Menschen und Tieren arbeiten zu können und den Erfolg hinterher zu sehen. Wenn Hundebesitzer, die anfangs einen Problemhund hatten, später zu mir kommen und sagen: Das hat mir etwas gebracht.“

Auf der Wiese hat Karin Vater inzwischen einen Ball, einen Rucksack und ein Körbchen verteilt. Aufgabe ist es, dass die Hunde an den Gegenständen vorbeigehen, ohne sie zu inspizieren. Sigrid Michalciks Vierbeiner Erna kommt jedoch nicht am Körbchen vorbei, ohne es zu beschnuppern. „Das ist nicht schlimm“, sagt Karin Vater. „Einfach stehenbleiben und abwarten.“ Als das Körbchen aus Ernas Sichtfeld verschwindet, gibt ihr Sigrid Michalcik ein Lob und ein großes Käsestückchen.

Gleich haben es die Hunde geschafft, nur noch ein kleiner Parcours und ein Wackelbrett sind zu meistern. Bettina Schillers Münstlerländer-Mix Biego freut sich über die auf der Rampe verteilten Leckerlis, die ihr den Weg über die Hindernisse verschönern und sie konzentriert laufen lassen.

Am Ende möchte Karin Vater noch testen, wie schnell die Vierbeiner einen Snack aus einem Karton holen können – Karola Theumers Lady hat diesen bereits nach zehn Sekunden im Mund. Für die kommende Woche hat die Hundeerzieherin den Frauchen die Aufgabe gestellt, ihre Vierbeiner beim Gassigehen an der kurzen Leine zu halten: „Belohnt ihn immer, wenn er euch anschaut und Kontakt zu euch sucht.“

Von Melanie Höhn

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