Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Nebel

Navigation:
Hilfe für Bedürftige im Herzen Werders

Tee- und Wärmestube Hilfe für Bedürftige im Herzen Werders

Am Donnerstag hat der Inhaber der Gaststätte „Zum Werderaner“, Bernd Hix, Bedürftige der Tee- und Wärmestube zu einem deftigem, vorweihnachtlichem Enten-Essen eingeladen. Etwa 30 Erwachsene, Kinder und auch Mitarbeiter der Wärmestube kamen. Die Einrichtung im Herzen Werders erstrahlt nach vollendeten Renovierungsarbeiten in neuem Glanz.

Voriger Artikel
Gemeinde will Personal in Kitas aufstocken
Nächster Artikel
Circus Henry pausiert im alten Fahrzeugwerk

Hilfskellner Edgar Hecht (l.) vom Glindower Fußballverein, Silvia Abel von der Tee- und Wärmestube und der Inhaber des Gasthauses „Zum Werderaner“, Bernd Hix, mit der kleinen Pia (4) sind bereit zum Servieren der Enten-Keulen.

Quelle: Friedrich Bungert

Werder. Deftiger Duft von Entenbraten liegt in der Luft. Durch die Gaststätte „Zum Werderaner“ hallen weihnachtliche Klänge. An der gedeckten Tafel sitzen etwa 30 Menschen, die selten in den Genuss von Entenkeule mit Rotkohl und Klößen kommen. Gasthaus-Inhaber Bernd Hix hat die Bedürftigen der Tee- und Wärmestube am Donnerstag zum Enten-Essen eingeladen. Er zählt seit Jahren zu den vielen privaten Unterstützern der Einrichtung.

Die Klienten der Tee- und Wärmestube haben es sich im Restaurant ordentlich schmecken lassen

Die Klienten der Tee- und Wärmestube haben es sich im Restaurant ordentlich schmecken lassen.

Quelle: Friedrich Bungert

Seit 16 Jahren gibt es die Tee- und Wärmestube in Werder, die bereits dreimal umziehen musste, unter der Leitung von Sozialarbeiterin Martina Müller. Die Renovierung der neuen Räume im einstigen Obstlager in der Eisenbahnstraße 1 ist nach drei Jahren jetzt abgeschlossen. „Hier in der Stadtmitte sind wir genau richtig“, sagt sie. Nur wenige Meter entfernt ist der Plantagenplatz, wo sich viele der Menschen treffen, die regelmäßig für einen Teller Nudeln oder eine Tasse Kaffee zu Müller kommen.

Tafelausgabe findet zweimal in der Woche statt

Martina Müller hat noch nie jemanden abgelehnt, der kein Geld hat. So war es auch bei Paul K. (Name von der Redaktion geändert). Der Mann aus Werder ist mittlerweile trockener Alkoholiker. Müller kennt ihn schon lange und erlebte ihn, als es noch schlecht um ihn stand. Als er Alkohol trank und einfach nicht damit aufhören konnte. Bereits zu dieser Zeit kam er oft in die Tee- und Wärmestube. Dann kam der Tag, der kommen musste. Paul K. wurde im betrunkenen Zustand auf dem Plantagenplatz verprügelt und trägt bis zum heutigen Tag die Narben dieses Abends. Doch sie haben etwas in ihm ausgelöst. Die Ärzte ihm Bergmann-Klinikum sagten ihm damals, er könne sich entscheiden zwischen weitertrinken und sterben oder aufhören und leben. Er entschied sich für das Leben und hilft Müller jetzt regelmäßig in der Wärmestube.

Zweimal in der Woche findet dort eine Tafelausgabe statt. Mit der Unterstützung von Discountern und Supermärkten aus Werder und Umgebung können sich die Bedürftigen Obst, Gemüse und andere Lebensmittel gegen einen Beitrag von zwei Euro mitnehmen. Seit 15 Jahren versorgt Müller mit der Tafel nicht nur Klienten aus Werder, sondern auch aus Lehnin, Michendorf und Caputh. Asylbewerber werden in der Wärmestube ebenfalls mit offenen Armen empfangen.

Ernst-von-Bergmann-Klinikum hat die Stube übernommen

Vor drei Jahren hat die Stube mit dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum den Betreiber gewechselt. Zuvor wurde sie vom Diakonischen Werk Potsdam unterstützt. „Ohne die Übernahme durch das Klinkum wären wir nicht mehr hier“, sagt Müller. Für zahlreiche Klienten ist die Anlaufstelle und besonders die Tafelaufgabe lebensnotwendig. Aber manchen reicht auch einfach ein Gespräch. „Für viele ist es eine Scham, hier reinzukommen. Wir wollen ihnen das Gefühl geben, dass sie etwas wert sind. Dafür sind wir da“, so Müller. Das Herz spiele bei ihrer Arbeit und auch bei den Ehrenamtlern eine große Rolle.

Die Tafelausgabe in der Tee- und Wärmestube

Die Tafelausgabe in der Tee- und Wärmestube.

Quelle: Luise Fröhlich

Das Publikum in der Tee- und Wärmestube ist gemischt, aber die Chefin beobachtet, dass es immer mehr Rentner und Jugendliche werden. Die Hausregeln sind klar formuliert: „Hier drin gibt es keinen Alkohol und keine Drogen.“ Die Stadt Werder erkennet die Armenversorgung mit jährlichen Zuschüssen an und ist dankbar für das, was Martina Müller leistet. Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) hat der Tee- und Wärmestube bei ihrem letzen Besuch einen neuen Wäschetrockner zu Weihnachten versprochen.

Viele Helfer aus der Region

Finanzielle Unterstützung erhält die Tee- und Wärmestube vom Landkreis Potsdam Mittelmark in Höhe von aktuell 40 000 Euro im Jahr. Die Stadt gibt jährlich 5000 Euro dazu.

Von der Klinikgruppe Ernst-von-Bergmann kommt als Betreiber ein weiterer vierstelliger Betrag hinzu. Außerdem gibt es eine Vielzahl von privaten Spendern aus der Region, die mit Geld, aber auch mit Sachspenden helfen.

Acht Ehrenamtler unterstützen Martina Müller bei ihrer Arbeit in der Tee- und Wärmestube. Im Dezember wird die erste Weihnachtsfeier vor Ort in den frisch renovierten Räumen stattfinden.

Zuerst hatte die Tee- und Wärmestube ihren Standort in Glindow, zog dann nach Werder in die Brandenburger Straße und musste die Räume wegen Baumängeln 2013 wieder verlassen.

Von Luise Fröhlich

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Neue Grundschule in Babelsberg: Welchen Standort bevorzugen Sie?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg