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Potsdam-Mittelmark Hilfe für Flüchtlinge in Not
Lokales Potsdam-Mittelmark Hilfe für Flüchtlinge in Not
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00:34 26.07.2015
Im Seniorenzentrum Werder behütet – Familie Alissa aus Aleppo. Quelle: Greiner
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Werder

„Der Weg zur Klinik von Schmergow nach Potsdam war für die zwei behinderten Kinder der syrischen Familie einfach zu weit“, sagt Linett Schuldt. Die Leiterin des Awo-Seniorenzentrums in Werder hat nicht lange überlegt, als das Potsdamer Bergmann-Klinikum die Einrichtung am Wachtelberg bei der Unterbringung der Familie aus Aleppo um Unterstützung bat. Zuvor waren Vater Ahmat, seine Frau und die fünf Kinder, die nach ihrer Flucht seit März in Deutschland leben, in Schmergow in einer Wohnung untergebracht.

Doch die zwölfjährige Salha und ihre dreijährige Schwester Ola müssen wegen ihrer Behinderung regelmäßig zur Kontrolle oder bei akuten Anfällen nach Potsdam in die Klinik. Deshalb nahm das Seniorenzentrum mit einer medizinischen Ausstattung und Pflegern im April die Familie auf. „Alle haben bei der Einrichtung einer Wohnung für die Familie geholfen, Mitarbeiter wie Senioren spendeten Möbel, Geschirr oder Kleidung“, sagt Linett Schuldt.

Aber die Heimleiterin weiß auch, dass für die Familie dringend eine barrierefreie Wohnung nicht so weit weg von der Klinik gebraucht wird. „Neben unserem Seniorenzentrum entsteht gerade ein dreigeschossiger Neubau mit 60 stationären Plätzen für unsere Bewohner, wir werden also in absehbarer Zeit dort einziehen, den jetzigen Altbau verlassen“, sagt Linett Schuldt. Dann stehe auch die Wohnung für die Familie aus Aleppo nicht mehr zur Verfügung, wir hoffen bei der Wohnungssuche sehr auf Hilfe aus der Region“, sagt Linett Schuldt. Der einstige Speisesaal ist bereits abgerissen. Den Plattenbau, in dem gegenwärtig auch die Familie aus Aleppo wohnt, will die Awo nach der Räumung für betreutes Wohnen sanieren und mit 40 Zweiraum- und acht Einraumwohnungen ausstatten. „Im ersten Geschoss sind in zwei Wohngruppen insgesamt 17 Plätze für Demenzerkrankte vorgesehen”, sagt Linett Schuldt.

An den Auszug will die Familie Alissa heute noch gar nicht denken, übersetzt der Dolmetscher die Worte des Familienvaters im Beisein der MAZ. Der syrische Bauhandwerker findet kaum Worte für seine Dankbarkeit und die Unterstützung, die er in Werder und in der Klinik erfahren hat. Er habe in den vergangenen zehn Jahren mal in Griechenland, mal in Belgien und mal in Italien als Maler gearbeitet, aber nie habe er so viel Solidarität und Akzeptanz wie jetzt in Deutschland und insbesondere in Werder gespürt.

„Die Kinder der Familie wurden von Bewohnern und Pflegekräften unseres Hauses regelrecht ins Herz geschlossen“, sagt die Pflegedienstleiterin Wenke Albrecht. Auch als Mutter Alissa operiert werden musste, kümmerten sich Mitarbeiter und Senioren liebevoll um die fünf Kinder unterstützten den Vater nach besten Kräften. „Es wurde gemeinsam gekocht, gespielt und gebastelt. Und obwohl unsere Bewohner die Sprache der Flüchtlinge nicht verstehen, man sitzt im Garten zusammen, niemand ist einsam, und das tut allen gut“, sagt Ingeborg Lauwaßer, Alltagsbegleiterin im Seniorenzentrum. Und waren es nicht die Senioren, die mit den Kindern spielten, traf man die Kleinen beim Toben im Eltern-Kind-Zentrum an, das auch im Heim seinen Platz hat und auch im Neubau haben wird.

Zwei Kinder der Familie werden ab September eine Willkommensklasse in Potsdam besuchen, sagt der Familienvater stolz. Aber er weiß auch, dass ihre Wohnung im Seniorenzentrum Werder schon bald eine Baustelle ist, man sich von guten Freunden und Helfern verabschieden muss. Schuldt und ihre Mitstreiter hoffen, dass trotz der engen Bindung zum Seniorenzentrum Werder schon in absehbarer Zeit für die Familie Alissa eine Wohnung offen steht. ,,Die Familie und insbesondere die Kinder müssen nach vielen Umzügen alsbald zur Ruhe kommen“, sagt Albrecht. Auch wenn ihr jetzt schon die Tränen kommen, wenn sie an den Abschied denkt, sei es wichtig, dass die Familie eine geeignete Wohnung bekommt. Ein entsprechenden Antrag wurde beim Landkreis eingereicht.

Geärgert haben sich die Mitarbeiter des Awo-Zentrums über Gerüchte in der Stadt, nach denen das Seniorenzentrum zum Flüchtlingsheim umgebaut werden soll. Es wurden sogar Drohungen ausgesprochen, wenn die Arbeiterwohlfahrt dies zuließe. Die bösen Zungen waren für die Helfer Anlass, ihre Fürsorge zu verstärken.

Von Regine Greiner

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