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Potsdam-Mittelmark Hilfe für Menschen, die durch die Hölle gingen
Lokales Potsdam-Mittelmark Hilfe für Menschen, die durch die Hölle gingen
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05:02 24.09.2016
Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt (SPD) und der Leiter der Lehniner Unterkunft für minderjährige alleinreisende Flüchtlinge, Mario Gose. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Lehnin, Gratwanderung zwischen Eigenverantwortung und Hilfestellung

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark leben derzeit 93 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Angehörige in Deutschland angekommen sind. Betreut werden die Jugendlichen in eigens für sie eingerichteten Wohnheimen wie das am Gohlitzsee in Lehnin, das die Arbeiterwohlfahrt im Auftrag des Landkreises betreibt. Genau dorthin hat die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt jetzt zu einer Debatte mit Fachleuten zur „Integration vor Ort“ eingeladen. Schnell wurde dabei am runden Tisch deutlich: Alle Vertreter möchten die Integration der aus Krisen- und Kriegsgebieten geflüchteten Menschen fördern, doch die Vorstellungen, was wünschenswert und was machbar ist, klaffen teils weit auseinander.

Einen Koordinator als Ansprechpartner für Flüchtlinge

Der langjährige Stiftsvorsteher und Pfarrer im Ruhestand, Dieter Paul, von der Gruppe ehrenamtlicher Helfer der Initiative „Miteinander in Lehnin“ forderte eindringlich vom Landkreis einen Koordinator mit einer Anlaufstelle in Lehnin – zumindest als halbe Stelle- für die individuelle Unterstützung und Hilfestellung von Flüchtlingen. Zugleich sagte Paul deutlich: „Es braucht die intensive Begleitung eines jeden Flüchtlings.“ Dafür sei eine hauptamtliche Kraft nötig. Er beklagte ein Manko bei der Betreuung erwachsener Flüchtlinge: „In den Heimen sind die Träger nur für die Unterbringung zuständig und haben so enge Grenzen, dass Integration da nicht möglich ist.“

Dieter Paul, Pfarrer im Ruhestand, engagiert sich stark mit weiteren ehrenamtlichen 40 Helfern für die Flüchtlingsinitiative „Miteinander in Kloster Lehnin“. Quelle: JACQUELINE STEINER

Hackenschmidt warf ein, „die Verwaltung kann Integration nicht alleine schaffen“, Paul erwiderte, „aber Ehrenamtliche können es auch nicht alleine schaffen.“ Das wichtigste bei der Integration sei, „die Person zu sehen und was sie braucht“, so Hackenschmidt.

Da offenbar riss Gregor Teubner, für Integration zuständiger Teamleiter beim Jobcenter Maia des Landkreises, etwas der Geduldsfaden: „Ich muss da ganz vehement widersprechen. Was wir machen, ist Integration in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis und alles“, um dort hinzugelangen. Sich in die Gesellschaft einzugliedern, müsse von den Flüchtlingen selbst kommen. „Sie sind für sich selbst verantwortlich. Das Ziel ist, dass sie selbst laufen lernen.“ Paul konterte: „Eigenverantwortung ist schwierig für die, die die deutsche Sprache nicht können und sechs Monate auf einen Sprachkurs warten.“

Minderjährige Flüchtlinge

Im Lehniner Heim für minderjährige Flüchtlinge leben derzeit 27 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Am 31. Oktober vorigen Jahres eröffnete die Einrichtung im früheren Jugendwerkshof mit 32 Plätzen. Leiter ist Mario Gose.

Acht der Jugendlichen sind Analphaten, zwei besitzen das Abitur. Die meistern Bewohner besuchen das Oberstufenzentrum in Werder, Eine gehen noch in Lehnin zur Schule.

In einem Fall hat ein 21-jähriger Flüchtling vorgegeben, minderjährig zu sein. Gose sagt, häufiger sei, dass sich minderjährige älter machten als sie sind und so bei Erwachsenen in Heimen lebten. „Das ist ein erschreckende Dunkelziffer.“ Jugendamtsleiter Bodo Rudolph von der Kreisverwaltung hingegen sagt, es habe sich bei Flüchtlingen herumgesprochen, wie intensiv minderjährige Alleinreisende betreut werden. Daher gebe es immer wieder Fälle, in denen sich Erwachsene als minderjährige ausgäben.

Jugendamtsleiter Bodo Rudolph sagte am Rande der Veranstaltung, es gehöre auch der Wille dazu, sich zu integrieren. Diesen vermisse er bei einigen Flüchtlingen. Es gebe auch Fälle, in denen sich alleinreisende minderjährige Flüchtlinge aus Heimen abseilten. „Dann geben wir eine Vermisstenanzeige auf und die Jugendlichen werden über Interpol gesucht.“ Schwierig sei auch das Problem der Altersangabe.

Bodo Rudolph leitet das Jugendamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Quelle: JACQUELINE STEINER

Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt im Gespräch mit einem jungen Flüchtling in Lehnin, der eine Kochausbildung beginnen möchte. Quelle: JACQUELINE STEINER

Traumatisierte Flüchtlinge psychisch stabilisieren

Paul sprach die Traumatisierung vieler Geflüchteter an: „Die sind nicht nur durch eine Hölle, sondern durch viele Höllen gegangen.“ Sie bräuchten Therapeuten. Teubner sagte, es sei illusorisch, dass es für diese Menschen genügend Therapeuten gebe, noch dazu solche mit den nötigen Sprachkenntnissen. Heimleiter Mario Gose sagte, nicht jeder Flüchtling sei traumatisiert. „Was wichtig ist, ist sie traumapädagogisch zu stabilisieren im Alltag. Die Faktoren, Sprache, Wohnen und Arbeit wirken stabilisierend und führen dazu, dass sie ihre furchtbaren Erlebnisse annehmen können.“

Von Marion von Imhoff

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