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Hilfe für die bedrohte Wiesenweihe

Vogelschutz im Fläming Hilfe für die bedrohte Wiesenweihe

Die Erntezeit im Fläming bedeutet nicht nur für die Landwirte der Region viel Arbeit. Bis Ende August ist Vogelexperte Helmut Brücher aus Rohrbeck (Teltow-Fläming) in Alarmbereitschaft, um die seltene Wiesenweihe vor den Landmaschinen zu retten. Dabei spult der Ornithologe Tausende Kilometer ab und kann sich auch zahlreiche Helfer und die Landwirte stützen.

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Unermütlich im Einsatz zum Schutz der seltenen Vogelart: Helmut Brücher mit einer beringten, jungen Wiesenweihe.

Quelle: Gabriele Kostas

Niemegk. Wenn Helmut Brücher der Wiesenweihe auf der Spur ist, drückt er häufig an seinem Auto kräftig auf das Gaspedal. Blitzschnell, mit bis zu 30 Kilometern pro Stunde, fliegt der Greifvogel nach der Jagd mit seiner Beute zurück zum Nest. Dann ist er oft schneller im Getreidefeld verschwunden, als Helmut Brücher aus Rohrbeck (Teltow-Fläming) gucken kann. Verliert der 63-jährige Ornithologe die Wiesenweihe aus den Augen, könnte das ihr Todesurteil sein.

Ohne Schutz keine Chance

Mit der Wiesenweihe ist es wie mit der Nadel im Heuhaufen: Als Bodenbrüter ließ sie sich früher bevorzugt in Wiesen und Sumpfgebieten nieder. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft sind solche Feuchtgebiete als Rückzugsorte für viele Vögel, Insekten und andere Tiere, jedoch selten geworden. Heute ist die Wiesenweihe meist in Getreidefeldern zu finden. Weil sie dicht am Boden brütet und – mitten in der Erntezeit – dort ihre Jungen aufzieht, lebt sie in ständiger Gefahr, von den Erntemaschinen getötet zu werden.

Helmut Brücher will das verhindern. Jedes Jahr opfert er dafür seinen Jahresurlaub. Von Mai bis Ende August ist er in Alarmbereitschaft und sucht auf Feldern zwischen Niemegk und Dahme (Teltow-Fläming) nach Nestern. Denn die Wiesenweihe kann man nur schützen, wenn man weiß, wo sie brütet. An die 5000 Kilometer Feldwege fährt er dafür jedes Jahr ab.

Vogelart teils ganz verschwunden

Zählungen des Naturschutzbundes (Nabu) zufolge gibt es in Deutschland nur knapp 400 Brutpaare der seltene Wiesenweihe. Mehr als die Hälfte davon ist im Freistaat Bayern beheimatet.

In Brandenburg brüten in diesem Jahr laut Vogelkundler Helmut Brücher nur etwa 20 Paare, davon 14 im Gebiet der Gemeinde Niedergörsdorf, ganz in der Nähe von Rohrbeck, Bochow, und Langenlipsdorf sowie bei Niemegk und Lobbese.

Der aktuelle hohe Bestand in der Region habe sicher auch mit seinen Schutzmaßnahmen seit 2010 zu tun, glaubt der Artenschutzreferent.

In anderen Gebieten Brandenburgs sei die Vogelart der Wiesenweihe stark zurückgegangen, zum Teil sogar ganz verschwunden.

„Ohne Schutzmanagement hat die Wiesenweihe keine Chance“, sagt Helmut Brücher. Umso mehr freut sich der Vogelexperte, dass er in diesem Jahr drei Helfer aus der Region gewinnen konnte, die sich mit ihm auf den Äckern auf die Suche nach der bedrohten Art machen.

Darunter auch Gabriele Kostas aus Bad Belzig. Die Musikerin und Fotografin ist ehrenamtlich für den Nabu tätig und auch mit Helmut Brücher im Fläming auf Tour beim Schutz der Wiesenweihe.

Stundenlang das Fernrohr am Auge

Das ist leichter gesagt als getan: Oft stundenlang hält Brücher mit dem Fernrohr Ausschau nach dem Greifvogel. Glaubt er, ein Nest geortet zu haben, dokumentiert er die genaue Stelle und macht sich Skizzen von der Umgebung. Per Funk lotst er dann einen Helfer zum Fundort. Mit einem langen Stock, der über das Getreide hinausragt, wird das Nest markiert. Nachdem Brücher den Landwirt, auf dessen Acker die Wiesenweihe brütet, informiert hat, stellt er mitten im Feld rund um das Gelege einen zwei mal zwei Meter langen Zaun auf. „Die Zusammenarbeit mit den Landwirten klappt hervorragend. Viele freuen sich über den seltenen Gast in ihren Feldern und sind sogar stolz darauf“, erzählt der Naturschützer aus Rohrbeck.

Ein Wiesenweihe fliegt in   einem  Feld ihr eingezäuntes Nest an

Ein Wiesenweihe fliegt in einem Feld ihr eingezäuntes Nest an.

Quelle: Gabriele Kostas

„Danach meide ich das Nest, um die Brut nicht zu stören“, sagt er. Aktiv wird der Ornithologe erst kurz vor der Ernte. Damit der Landwirt das Brutgebiet der Wiesenweihe bei der Mahd auslässt, steckt er rund herum einen 50 mal 50 Meter großen Bereich ab. Für die Verzögerung bei der Ernte erhält der Bauer einen finanziellen Ausgleich von der Vogelschutzwarte des Landes Brandenburg.

Erst wenn die Jungvögel drei Wochen alt sind, nähert sich Brücher dem Nest, um den Nachwuchs zu beringen. Denn nur durch die Erkennungsmarker weiß der Experte im nächsten Jahr, ob sich seine Arbeit gelohnt hat und seine Schützlinge nach den Wintermonaten in Afrika wieder zurückkehren in ihre Heimat, den Fläming.

Gabriele Kostas aus Bad Belzig setzt sie sich für den Schutz von Greifvögeln wie der Wiesenweihe ein

Gabriele Kostas aus Bad Belzig setzt sie sich für den Schutz von Greifvögeln wie der Wiesenweihe ein.

Quelle: Thomas Wachs

Dort hatte Gabriele Kostas kürzlich eine spannende Beobachtung gemacht und mit ihrer Kamera dokumentiert. „Die hier brütenden Greifvogelarten haben inzwischen flugfähige Junge, die neugierig und noch wenig scheu ihre Umwelt erkunden“, erzählt die Naturfreundin. „Dazu gehören nicht nur die am häufigsten vorkommenden Bussarde, die jeder schon mal flach über die Straße hat fliegen sehen, oder die kleineren Turmfalken, die wie die Bussarde gerne erhöht am Straßenrand sitzen. Auf den umliegenden Feldern kann man derzeit zum Beispiel auch noch die weniger bekannten Rotmilane, Schwarzmilane, Rohrweihen und eben die besonders seltenen Wiesenweihen sehen“, erzählt Kostas. Ihr kam nun ein Jungvogel vor die Linse, der beim Verzehren seiner Beute mitten auf einer Straße platzgenommen hatte.

Eine junge Wiesenweihe macht auf der Straße Beute und stoppt  rücksichtsvolle Kraftfahrer – in dem Fall von der Polizei

Eine junge Wiesenweihe macht auf der Straße Beute und stoppt rücksichtsvolle Kraftfahrer – in dem Fall von der Polizei.

Quelle: Gabriele Kostas

„Zum Glück gab es einen freundlichen Autofahrer, der bereit war anzuhalten, bis der Vogel seine Beute gepackt hat und aufgeflogen ist“, erzählt die Fotografin. In ihrem Fall war es die Polizei, die dafür sorgte, „dass eine der sehr seltenen Wiesenweihen nun ab Ende August wohlbehalten ins Winterquartier aufbrechen kann“, sagt Gabriele Kostas erfreut und dankbar.

Von Josefine Sack

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