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Hilfe ohne Zwang und Bevormundung

Anonyme Alkoholiker Hilfe ohne Zwang und Bevormundung

Bisher kamen die Anonymen Alkoholiker in Bad Belzig jeden Samstag in der Reha-Klinik zusammen. Mit dem neuen Jahr ändert sich das gewohnte Umfeld – ab jetzt finden die Treffen im Evangelischen Gemeindehaus am Kirchplatz statt. Dort finden Kranke unter Leidensgenossen Hilfe und Zuspruch – oder einfach ein offenes Ohr.

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Volkskrankheit Alkoholismus: Wer allein nicht mehr klar kommt, findet bei den Anonymen Alkoholikern Hilfe.

Quelle: dpa

Bad Belzig. Die Anonymität – das lässt bereits der Name vermuten – ist das höchste Gut, wenn sich die Suchthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker in Bad Belzig trifft. Die Mitglieder stellen sich nur mit ihren Vornamen vor – Herkunft, Beruf oder Glaube spielen keine Rolle. Bisher fanden die Treffen in der Reha-Klinik statt, mit Beginn des neuen Jahres stand nun ein Umzug an. Ab Januar finden die Treffen immer samstags um 16 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus, am Kirchplatz 1, statt.

Der neue Treffpunkt am Kirchplatz 1

Der neue Treffpunkt am Kirchplatz 1.

Quelle: J. Mühln

Die Gruppe trifft sich seit 2001 regelmäßig einmal pro Woche. Wie viele Mitglieder zu den Treffen kommen, sei immer unterschiedlich, erzählen Christa und Barbara – selbst Betroffene, die auch in der Zeitung anonym bleiben wollen. „Mal kommen zwölf Leute, an anderen Tagen sitzt man nur zu dritt zusammen.“

Seit 15 Jahren regelmäßige Treffen

Neben der Anonymität ist der Selbsthilfegruppe auch die Freiheit wichtig. „Es gibt keine Mitgliederliste, niemand muss einen Mitgliedsbeitrag zahlen“, erklärt Christa. Sie selbst weiß: Jede Art der Bevormundung von außen ist schwer zu verkraften. Zudem sei für den persönlichen Erfolg entscheidend, dass der Impuls, sich Hilfe für sein Alkoholproblem zu suchen, von einem selbst ausgeht. Als Unterstützung bieten die Anonymen Alkoholiker dann ein 12-Punkte-Programm an, das auf Grundlage der Erfahrungen von trockenen Alkoholikern entwickelt wurde. „Denn wenn ich mich vom Alkohol lossage, kommt erst mal ein großes Loch“, sagt Barbara. „Dann muss ich mich fragen: Was ist wichtig in meinem Leben? Wie ist meine berufliche, finanzielle und persönliche Situation?“

Alkoholsucht kann jeden treffen. Christa und Barbara wissen, dass neben Hausfrauen und Krankenschwestern genauso Künstler und Ärzte an der Krankheit leiden können. Und auch das mache schließlich die Treffen der Anonymen Alkoholiker aus: Jeder finde dort jemanden, mit dem er oder sie sich identifizieren könne.

Treffen immer samstags ab 16 Uhr

2 500 Gruppen der Anonymen Alkoholiker gibt es in Deutschland insgesamt, weltweit sind es rund 113 000. Auf alle Gruppen verteilen sich zwei Millionen Mitglieder.

Bei den Treffen sind die Mitglieder unter sich, es gibt keine Therapeuten oder Gruppenleiter. Die Mitglieder helfen sich selbst durch den Austausch ihrer Erfahrungen.

Die Treffen der Anonymen Alkoholiker finden jeden Samstag ab 16 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus am Kirchplatz 1 in Bad Belzig statt. Die Al-Anon-Familiengruppe trifft sich samstags um 16 Uhr im Jakob-Wächtler-Haus am Kirchplatz 2 in Bad Belzig. An jedem ersten Samstag im Monat findet außerdem ein „Offenes Treffen“ statt, zu dem jeder, der sich über die Anonymen Alkoholiker informieren möchte, kommen kann. Hilfesuchende können sich auch unter 0171-4 13 32 44 oder 0170-5 00 17 82 Rat holen.

Bei den Themen, die während der Sitzungen auf den Tisch kommen, gibt es keine Tabus. Ob ein familiärer Streit oder Probleme im Beruf – alles kann angesprochen werden. „Natürlich auch, in welchem Bereich man sich gerade gut fühlt, wo es Erfolge gab“, betont Christa.

Neben den Anonymen Alkoholikern trifft sich in Bad Belzig auch regelmäßig die Gruppe der Angehörigen von Alkoholikern. Diese nennt sich Al-Anon-Familiengruppe. Sie soll Stütze sein für Ehepartner, Eltern und auch erwachsene Kinder. „Jeder, der mit einem Alkoholkranken zu tun hat, weiß, dass auch das Umfeld durch die Sucht in Mitleidenschaft gezogen werden kann“, sagt Barbara. Es handele sich um ein Thema, das bei vielen noch immer Scham hervorrufe.

Auch die Angehörigen treffen sich

Oftmals stellen sich die Angehörigen schützend vor die Betroffenen. Auch, wenn in der Nachbarschaft geredet wird. Das Getuschel anderer sei für viele ein großes Problem. „Es gibt für die Angehörigen sonst keinen Ort, wo sie offen über ihre Probleme und Gefühle reden können“, sagt Barbara. Im vertrauten Umfeld der Gruppe sei das möglich.

Angehörigen, die den Verdacht mit sich herumtragen, dass jemand aus der eigenen Familie ein Alkoholproblem hat, rät Barbara in erster Linie, loszulassen. „Ich habe keinen Einfluss darauf, ob derjenige sich helfen lassen will oder nicht.“ Der erste Schritt müsse stets vom Betroffenen selbst ausgehen, das zeigt die Geschichte der Krankheit. Letztlich brauche es einfach Zeit, bis die Menschen sich von selbst öffnen. Da eine Heilung im klassischen Sinne nicht möglich ist, muss der Kranke für den Prozess auch bereit sein.

Von Josephine Mühln

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