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Hilfspastor hat das Richtige getan

Gedenken in Kleinmachnow Hilfspastor hat das Richtige getan

An der Kleinmachnower Stele für den Mut und das Überleben wurden am Sonntag drei Fenster geöffnet, hinter denen tragische Geschichten von Menschen in der Zeit der Nazi-Herrschaft stehen: Hilfspastor Klaus Asseyer stand Harry Löwenberg nicht nur zu Seite, als dieser sich das Leben nehmen wollte. Er bot Löwenberg Unterschlupf, bis er nach England emigrieren konnte.

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Peter Löwenberg las aus den Memoiren seines Großvaters .

Quelle: KH

Kleinmachnow. Drei Fenster wurden am Sonntag an der „Kleinmachnower Stele für den Mut und das Überleben“ in Beisein zahlreicher Bürger feierlich geöffnet. Drei Fenster, hinter denen beeindruckende und tragische Geschichten von Menschen stehen. Auf der einen Seite über Menschen jüdischer Abstammung, die während des Nazi-Regimes verfolgt wurden, auf der anderen Seite über Menschen, die sie damals versteckt haben.

Hilfspastor gewährt seelsorgerische Hilfe und Unterschlupf

Wie die Geschichte des Hilfspastors Klaus Asseyer, der Harry Löwenberg in dem Moment, als dieser kurz vor dem Selbstmord stand, nicht nur seelsorgerisch zur Seite stand, sondern ihm auch mehrere lang Tage Unterschlupf bot, bis er dank eines pastoralen Helfer-Netzwerkes schließlich nach England emigrieren konnte.

Geraldin Fritzsche erforscht die Hintergründe

Über die schrecklichen Erlebnisse seines Großvaters las Peter Löwenberg – extra aus den USA angereist – vor der Stele auf Deutsch aus dessen Memoiren vor. „Klaus Asseyer hat im Grunde genommen nicht viel getan“, kommentierte dessen Enkel Prof. Iwan-Michelangelo D‘Aprile. „Er war ja nicht aktiv im Widerstand tätig, sondern als Hilfspastor ein Mitläufer. Aber er hat das Richtige getan.“ D’Aprile betonte, dass Asseyer sich selbst nie als Widerstandskämpfer gedeutet habe, die Familie hätte von der Geschichte mit Harry Löwenberg erst durch die Masterarbeit von Geraldin Fritzsche erfahren. Fritzsche ist Mitglied der Arbeitsgruppe Stolpersteine in Kleinmachnow, die sich der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit des Ortes widmet.

Recherche deckt Namen auf

Fritzsche hat auch die anderen beiden Geschichten recherchiert, die an der Stele erzählt wurden. In einem Fall wurde ein Fenster ergänzt: Es war bereits bekannt gewesen, dass das Ehepaar Münz einen oder mehrere Menschen versteckt hatte, doch es waren noch keine Namen bekannt gewesen. Nun hat die Suche ergeben, dass Hauptmann Ludwig Gehre, der an der Planung eines militärischen Attentats auf Hitler beteiligt war, bei dem Ehepaar versteckt war, bis sie verraten und alle inhaftiert wurden. Gehre wurde im April 1945 hingerichtet. Die Helfer kamen zwar nach Kriegsende frei, doch Ludwig Münz wurde nur wenige Tage nach seiner Rückkehr von russischen Soldaten verschleppt und ist vermutlich in einem Lager verstorben.

Nach Hilfe für die Großcousine gelingt Flucht nach Istanbul

Erna und Walther Friedländer schließlich boten einer Großcousine Unterschlupf. Selber gelang ihnen 1943 die Flucht nach Istanbul, woraufhin Lucie Friedländer in Berlin weiterhin in Verstecken lebte, bevor sie sich 1945 umbrachte. Das Ehepaar kam 1950 nach Deutschland zurück, als Walther Friedländer an die Universität in Bonn berufen wurde. Der Großneffe Georg Kranz lernte seine Tante noch kennen und erzählte von ihr: „Sie nahm meist einen sehr toleranten Standpunkt ein – auch jungen Menschen gegenüber.“ Es berühre ihn sehr, dass an die drei gedacht werde.

Von Konstanze Kobel-Höller

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