Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Holzaktion am Pflaumenweg

Domstiftsgut: Umstrittene Heckenpflege Holzaktion am Pflaumenweg

Am Pflaumenweg bei Klein Kreutz heulen die Kettensägen. Mitarbeiter des Mötzower Domstiftsgutes fällen Bäumen, stutzen Hecken. Für Landwirt Heinrich Thiermann eine notwendige Arbeit, um den Acker frei zu halten, die Gehölze zu verjüngen und um die Verkehrssicherungspflicht zu gewährleisten. Naturfreunde sehen die Sache anders.

Voriger Artikel
Transporter geklaut – Schlüssel lagen bereit
Nächster Artikel
Bad Belzig: Interessent für den Burgkeller

Sorgt sich um die Natur rund um Mötzow: Hans-Joachim Riechardt.

Quelle: Jacqueline Steiner

Mötzow. Die Männer vom Domstiftsgut sind nicht zimperlich. Was nicht mehr in die Hecke passt, zu alt oder schon abgestorben ist, wird entfernt oder auf den Stock gesetzt. Mit Motorsägen geht es Pappeln an den Stamm. Die Bäume werden zu Poltern aufgeschichtet. Andere Arten, wie Eichen oder Buchen kommen mit gekappten Ästen davon. Kein Meter Holz soll auf den Acker ragen, das künftige Saatbett frei von Wurzeln sein.

Gefällte Bäume aus der Feldmark

Gefällte Bäume aus der Feldmark.

Quelle: Privat

Der Pflaumenweg in der Gemarkung Klein Kreutz gleicht einem Schlachtfeld. Hans-Joachim Riechardt macht sich Sorgen über das Heulen der Kettensägen. „Die Natur wird der industriellen Landwirtschaft geopfert“, beklagt sich der am Fuchsbruch lebende Allgemeinmediziner. So wie Riechardt denken auch andere Kritiker der brachial wirkenden Heckenpflege. Fotos von gestutzten Bäumen und gefrästen Waldrändern kursieren im Netz.

Dickicht für den Tierschutz

Hecken zählen zu den traditionellen Struktur- und Biotopelementen der bäuerlichen Kulturlandschaft. In der Vergangenheit wurden Hecken allzeit von den Landwirten auf den Stock gesetzt, um sie längerfristig erhalten zu können.

Zu den Grundsätzen der Pflegemaßnahmen gehört die Herausnahme von Hybrid-Pappeln zu Gunsten von Eiche oder Buche. Im Heckeninnern soll ein Dickicht für den Wind- und Tierschutz erhalten bleiben.

Die Umweltschutzlobby verfolgt mit Argwohn die winterliche Holzaktion des in Mötzow ansässigen Domstiftsgutes. Dagegen kann Pächter und Landwirt Heinrich Thiermann für die Rückschnittarbeiten in der Gemarkung Klein Kreutz eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Brandenburg vorweisen. „Alle Maßnahmen wurden mit der Behörde abgesprochen. In die verjüngten Hecken kommen Nistkästen. Außerdem erfolgen Ausgleichspflanzungen“, sagte Thiermann der MAZ.

Baumschnitt bei Mötzow

Baumschnitt bei Mötzow.

Quelle: Privat

Aufgescheucht sind die Mitarbeiter des Landkreises. Aus Bad Belzig gab es nämlich noch kein grünes Licht für solch eine grundhafte Baumpflege im Landschaftsschutzgebiet, wie sie zum Beispiel zwischen Mötzow und Grabow stattfand. „Es gab Anträge, die aber noch nicht beschieden waren. Wir werden jetzt vor Ort prüfen, was, wann und wo in welchem Umfang erfolgt ist“, sagte Mathias Gläser von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) auf Nachfrage. Möglicherweise waren die Arbeiten auch genehmigungsfrei. In Bad Belzig liegen bereits mehrere Anzeigen vor, denen die UNB nachgehen wird.

Die zum Domstiftsgut gehörende Feldmark zwischen Mötzow, Grabow und Lünow ist von einem Netz aus Wegen und Gräben durchzogen. Alle von den Altvorderen bepflanzt mit Bäumen und Gehölzen für den Wind- und Erosionsschutz, als Bienenweide und als Unterschlupf für Niederwild. Ein Glücksfall für die Flora und Fauna. Anders als die ausgeräumte Magdeburger Börde. „Dabei soll es auch bleiben. Wir verändern nicht, sondern verjüngen“, versichert Pächter Thiermann.

Bodenentfernung an einem Heckenrand

Bodenentfernung an einem Heckenrand.

Quelle: Privat

Dass aus der Form geratene Hecken und Waldraine gestutzt werden, begründet der Landwirt unter anderem mit drohenden Prämienkürzungen. Denn was aus dem Weltraum nur als ungenutzte Fläche zu erkennen ist, bringt keine Fördermittel. „Wo wir ackern, möchten wir ernten“, argumentiert Thiermann, der zu Deutschlands größten Spargelbauern gehört. Außerdem verweist die Betriebsleitung auf die Verkehrssicherungspflicht. Die Feldwege sind frei zugänglich, aber nicht ungefährlich. In den Sturmtagen 2015 sind mehrere Hybridpappeln, die zu DDR-Zeiten in die Hecken gepflanzt wurden, dem Wind zum Opfer gefallen. Gefährliche Exemplare werden deshalb heruntergenommen. Den Männern mit den Kettensägen sitzt die Zeit im Nacken. Mit Rücksicht auf die Blüh-, Brut- und Aufzuchtzeiten in der „Lebensgemeinschaft Hecke“ dürfen sie nur noch bis zum 28. Februar weitermachen. Anwohner, wie Hans-Joachim Riechardt, werden auf den Kalender schauen.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg