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Holzschädlinge mit Giftgas bekämpft

Dorfkirche Zixdorf Holzschädlinge mit Giftgas bekämpft

Im Kampf gegen Holzschädlinge ist die Kirche zu Zixdorf drei Tage lang unter Gas gesetzt worden. Experten einer Schädlingsbekämpfungsfirma verhüllten das Gotteshaus dazu komplett luftdicht mit einer Spezialfolie. Dem Gas ausgesetzt wurden auch Möbel und besondere Stücke aus anderen Gotteshäusern der Region.

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Stammbahn in kleinen Schritten

Marco Müller hat die luftdicht verhüllte Kirche in Zixdorf ausgegast. Sein Messgerät würde Gasaustritte sofort erkennen.

Quelle: Thomas Wachs

Zixdorf. Jetzt sind die Hüllen wieder gefallen. Bis dahin zeigte sich die Dorfkirche zu Zixdorf wie ein vom weltbekannten Aktionskünstler Christo verhülltes Kunstwerk. Von der Turmspitze bis zum Feldsteinfundament war das Gotteshaus fünf Tage lang komplett in Folie gehüllt und luftdicht verschlossen. Im Kontrast zum dunklen Grün der großen Linden auf dem Kirchhof glänzte der verhüllte Bau bizarr im Sonnenlicht und zog die Blicke von Passanten an.

Den Vergleich mit Christo hört Marco Müller häufiger bei seiner Arbeit. „Nur können wir die zerteilte Folie am Ende leider nicht so teuer verkaufen wie Christo“, sagt der Ingenieur und Geschäftsführer der Groli-Schädlingsbekämpfung GmbH mit Sitz in Dresden.

Eintritt verboten

Eintritt verboten: Unter der Folie waberte giftiges Gas durch die Zixdorfer Kirche.

Quelle: Thomas Wachs

Sein Auftrag ist ja auch ein ganz anderer. Da der starke Befall mit Holzwürmern dem Inventar und den Bauteilen der Kirche Jahr für Jahr immer mehr zu schaffen gemacht hat, musste nun gehandelt werden. Mit dem giftigen Gas Sulfuryldifluorid rückten die Experten den Larven des Holzwurms zu Leibe. Sie verbergen sich irgendwo unsichtbar im Holz und legen ihre Nester an. „Immerhin frisst eine Larve allein das Jahr über so viel Holz, wie in eine Espressotasse gehört“, erklärt Marco Müller.

Inventar in Gefahr geraten

Die aus dem späten 17. Jahrhundert und der Jugendstilzeit stammende Innenausstattung der kleinen Kirche, ihr hölzernes Tonnengewölbe und die Emporen mit reicher Farb- und Ornamentgestaltung im „Bauernbarock“ gerieten so zunehmend in Gefahr. Befallen waren zuletzt nun auch Dachbalken und Teile der Fachwerkkonstruktionen am Kirchturm sowie am Anbau.

Rund 12 000 Euro lässt sich die Kirchengemeinde Garrey den professionellen Einsatz der Schädlingsbekämpfer Kosten. Mit vier Mann und mit Hilfe einer hydraulischen Arbeitsbühne hüllten sie das Gotteshaus in Folie. Die Bahnen werden mit Spezialband verklebt und am Sockel mit in Tapetenleim getränktem Chinapapier luftdicht fixiert.

Schädlingsbekämpfung

Schädlingsbekämpfung: Auch Kirchenbänke, ein Altar und Orgelpfeifen aus anderen Häusern wurden in der Kirche zu Zixdorf mit begast.

Quelle: Marco Müller

Vom Giftgaseinsatz profitieren werden aber auch einige Nachbarn. Denn zur Wurmkur mit in den Kirchenraum gestellt wurden auch die Holzpfeifen der Orgel aus der Kirche Hohenwerbig, die Kirchenbänke aus Garrey sowie der wertvolle Marien-Altar aus dem 15. Jahrhundert aus der Dorfkirche in Ferchesar. Auch Privatleute brachten historische Truhen und Möbel im Kirchenschiff unter. „Die Kirche ist vollgestellt“, berichtet Marco Müller.

Erfolg der Wurmkur ist garantiert

Für die kollektive Wurmkur sei der Erfolg bereits garantiert. „Wenn der Raum unter der Folie mindestens drei Tage lang unter einer festgelegten Gaskonzentration gehalten wird, überlebt das keine Larve“, erklärt der Schädlingsbekämpfer.

Wie bei Christo

Wie bei Christo: Der verhüllte Turm der Kirche zu Zixdorf.

Quelle: Thomas Wachs

Zum Nachweis füttern mehrere Sensoren, die in der Kirche postiert sind, Computer-Protokolle mit Daten. „Am Ende erhält der Auftraggeber ein Gutachten“, erklärt der Begasungsleiter. In dieses fließen auch die Analysen eines unabhängigen Prüflabors ein. Sie basieren auf der Auswertung verschiedener mit Holzwürmern befallener Referenzobjekte, die mit in der Kirche platziert, beziehungsweise außerhalb davon versiegelt aufbewahrt wurden.

Der Einsatz von Marco Müller und seiner Leute gilt längst nicht nur alten Gebäuden. „Auch manch ein neu gebautes Haus benötigt schon eine Schädlingsbekämpfung“, erzählt der Experte, der bundesweit im Einsatz ist. „Wenn frisches Holz nicht sorgsam imprägniert wird, knabbern die Würmer bald auch in neuen Balken oder im guten Parkett“, verrät der Schädlingsbekämpfer.

Von Thomas Wachs

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