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Hospiztag diskutiert Wege am Lebensende

Bad Belzig Hospiztag diskutiert Wege am Lebensende

Beim alljährlichen Hospiztag – diesmal in Bad Belzig – rückten Akteure des Hospiz- und Palliativdienstes Potsdam-Mittelmark das Thema aktive Sterbebegleitung in den Mittelpunkt. Anknüpfungspunkt für eine sehr emotionale Podiumsdiskussion rund um die Gratwanderung zwischen indirekter Sterbehilfe und Selbsttötung war ein ergreifender dänischer Film.

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Wege zur Sterbebegleitung standen beim Hospiztag in Bad Belzig zur Diskussion.

Quelle: epd

Bad Belzig. Mit dem ambulanten Hospiz- und Palliativdienst für Potsdam-Mittelmark haben es sich Menschen zur Aufgabe gemacht, Schwerstkranke und Sterbende sowie deren Angehörige und Freunde zu begleiten. Bei der landesweiten Hospizwoche luden die am Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin angesiedelten Akteure am Dienstagabend zum Hospiztag nach Bad Belzig ein.

Im Kino „Hofgarten“ machten ehrenamtlich und professionell in der Sterbebegleitung tätige Mediziner und Helfer sowie eine Juristin deutlich, wie Komplex das Thema heute ist und welche Anlaufpunkte und Strukturen es für Betroffene in der Region gibt.

Immer mehr ehrenamtliche Hospizhelfer

In den vergangen Jahren wuchs die Zahl der ehrenamtlichen Palliativhelfer im Landkreis stetig. Inzwischen sind es mehr als 75, zumeist Frauen. Der Hospizdienst, dessen Träger das Diakonissenhaus ist, möchte vor allem das häusliche Sterben möglich machen, damit schwer kranke Menschen so lange wie möglich in ihrem Zuause bleiben können. Das entspreche dem Wunsch vieler Menschen, sagte Angela Schmidt-Gieraths, die Koordinatorin des Hospiz- und Palliativdienstes, vor circa 40 Gästen des Thementages. Dort wurde deutlich, dass die Sterbebegleitung nicht nur für Patienten und Angehörigen immer ein emotional anrührender Prozess mit vielen Facetten ist.

im Podium diskutierten Marita Stuhlmann, Eva- Maria Schulze-Köhn, Gesine Kennert,  Helmut Reichardt und    Angela Schmidt-Gieraths (v

im Podium diskutierten Marita Stuhlmann, Eva- Maria Schulze-Köhn, Gesine Kennert, Helmut Reichardt und Angela Schmidt-Gieraths (v. l.).

Quelle: Thomas Wachs

In den Mittelpunkt gerückt hatten die Gastgeber Aspekte zum Thema selbstbestimmter Tod. Hintergrund ist das im Herbst vom Bundestag verfügte neue Gesetz, wonach organisierte Sterbehilfe in Deutschland unter Strafe steht. Nach Ansicht von Gesine Kennert, Rechtsanwältin und Fachdozentin für Pflegerecht, bergen die juristischen Aspekte besonders zur Problematik eines assistierten Selbstmordes – anders als in einigen anderen Ländern Europas – „noch einige Grauzonen“.

Vorgezogenes Weihnachtsfest als letzter Wunsch

Grundlage für eine anschließende Podiumsdiskussion rund um die Gratwanderung zwischen indirekter Sterbehilfe und Selbsttötung war ein Film. In dem dänischen Streifen „Silent Heart – mein Leben gehört mir“ wird die Geschichte von Esther erzählt. Die ältere Dame ist an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt, die durch zunehmendes Muskelversagen zur Hilflosigkeit und letztlich zum Ersticken der Patienten führt. Mit Einverständnis ihrer Familie beschloss Esther, ihrem Leben mit Hilfe von Tabletten ein Ende zu setzen. Zuvor möchte sie noch einmal ein Wochenende mit all ihren Freunden, Bekannten und Verwandten verbringen. Esther will mit den Gästen ein vorgezogenes Weihnachtsfest feiern, bevor ihr Ehemann Poul, ein ehemaliger Arzt, ihr nach Abreise der Gäste die tödliche Dosis verabreichen soll.

Wer darf über den Tod entscheiden?

Doch was macht ein würdevolles Sterben aus? Und wer darf darüber entscheiden? Diese Fragen beschäftigten im Saal auch das Publikum stark. Darunter Besucher, die selbst ähnlich schwere Situationen erlebten. „Es ist immer auch die Frage, was man auch uns mit der Entscheidung über eine assistierte Selbsttötung zumutet“, sagte Marita Stuhlmann. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, spezialisiert auf Naturheilverfahren, spezielle Schmerztherapie und spezielle ambulante Palliativmedizin. „Ich möchte helfen, aber nicht töten“, sagte die Doktorin. „Es ist einfacher, etwas zu unterlassen, als etwas zu tun“, sagte sie zu ihren jahrelangen Erfahrungen im Hospizdienst. „Palliativmedizin kann heute viel machen, hat aber auch ihre Grenzen“, sagte Ärztin Eva-Marie Schulze-Köhn am Beispiel einer jungen Patientin. Trotz intensivster Gespräche und einer gemeinsam verfassten Patientenverfügung erbat sich diese dann beim Noteinsatz ihrer Ärztin dann doch eine zuvor eigentlich per Verfügung ausgeschlossen Behandlung.

Zeitig und offen kommunizieren

Helmut Reichardt, Oberarzt der Palliativstation am Krankenhaus Lehnin, plädierte dafür, möglichst früh und offen mit Patienten und Angehörigen über alle Möglichkeiten eines Krankheitsverlaufes und der palliativmedizinischen Behandlung zu kommunizieren. Diesen Rat unterstrich ein seit Jahren betroffener Vater, dessen Tochter durch einen schnellen Krankheitsverlauf heute nicht mehr zur Kommunikation fähig ist. Die rechtzeitige Verständigung zur Sterbebegleitung helfe den Angehörigen. „Und dennoch bleiben am Ende trotz vieler Gespräche oft Zweifel und Schuldgefühle bei den Hinterbliebenen und auch bei uns Medizinern“, sagte Schulze-Köhn.

Kontakt: Der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst ist erreichbar unter Tel. 01 73/6 91 36 94. Im Internet unter www.diakonissenhaus.de/Hospiz- und Palliativdienst.

INTERVIEW

Angela Schmidt-Gieraths

Angela Schmidt-Gieraths

Quelle: Thomas Wachs

Angela Schmidt-Gieraths vom Evangelischen Diakonissenhaus ist Koordinatorin des ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes im Landkreis. Er hat Anlaufstellen in Bad Belzig, Werder/Havel, Teltow und Lehnin.

Frau Schmidt-Gieraths, gibt es einen steigenden Bedarf für professionelle und ehrenamtliche Sterbebegleitung im Landkreis?

Angela Schmidt-Gieraths : Den gibt es in sofern, als dass immer mehr derart betroffene Patienten lieber in ihrer häuslichen Umgebung sterben wollen. Entsprechend steigen die Anforderungen auch an die Angehörigen und damit der Bedarf an Beratung und Unterstützung.

Reichen dafür die vorhandenen Strukturen ehrenamtlicher Helfer aus oder gibt es Bedarf für weitere Anlaufpunkte?

Schmidt-Gieraths : Mit unseren vier Anlaufstellen sind wir im Kreis gut vertreten. Lediglich um den Beetzsee sehen wir noch Bedarf. Womöglich nutzen Betroffene dort die Angebote der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie hält – ebenso wie Potsdam – eigene Strukturen zur Palliativmedizin vor.

Von Thomas Wachs

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