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Potsdam-Mittelmark Hühnerstall zwischen Kirschbäumen
Lokales Potsdam-Mittelmark Hühnerstall zwischen Kirschbäumen
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19:32 20.04.2018
Jochen Fritz sammelt gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke Eier aus dem mobilen Stall. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Mitten auf der Kirschplantage, ganz oben auf dem einstigen Mühlenberg zwischen Plessow und Plötzin, wird das Zwitschern der Vögel von lautstarkem Gegacker übertönt. 400 Hühner leben dort zwischen den Baumreihen unter freiem Himmel und teilen sich ein mit einem mobilen Zaun abgestecktes Grundstück mit fünf Schafen. Die Tiere gehören Jochen Fritz und Roland von Schmeling, die vor zweieinhalb Jahren den Biohof Werder gegründet haben. Am Freitag hatte Jochen Fritz, der ursprünglich aus dem Stuttgarter Raum stammt, auf der Streuobstwiese tatkräftige Unterstützung vom Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke (Grüne), der in Werder seine Sommertour startete. Jochen Fritz (43) blickt zurück auf seine Existenzgründung und bemängelt fehlende Unterstützung für Menschen, die den Mut haben, den Schritt in die ökologische Landwirtschaft zu wagen.

Die Hühner suchen ein schattiges Plätzchen unter dem Bauwagen. Quelle: Luise Fröhlich

Bei Wind und Wetter laufen die Hühner und Hähne auf der Plantage herum. Selbst der sintflutartige Regen der vergangenen Tage konnte ihnen nichts anhaben. Wird es ihnen doch mal zu ungemütlich, können sie sich in einen von vier selbst umgebauten Bauwagen zurückziehen. Dort legen die Hühner auch ihre Eier. 300 sind es etwa, die einmal am Tag eingesammelt werden. Freilandhaltung hat seinen Preis: Für ein Ei nimmt Jochen Fritz im Verkauf 45 Cent. Ein Huhn kostet zwölf Euro. „Das Bio-Futter ist allein schon viel teuerer. Wir geben den Hühnern eine Getreidemischung, die mit Kartoffeleiweiß angereichert ist“, erzählt er.

Auch Gemüseanbau ist langfristig geplant

Die Kirschplantage haben die Geschäftspartner über Ebay-Kleinanzeigen gefunden. Die Bioboden-Genossenschaft hat diese dann gekauft und günstig an die Landwirte verpachtet. Neben den Hühnern hält das Gründer-Duo aber auch eine Wasserbüffelherde in Plessow, die auf mittlerweile 17 Tiere angewachsen und aus dem Töplitzer Wolfsbruch weggezogen ist. Zu Beginn waren es nur vier Tiere. Der Biohof lebt vom Fleisch der Büffel. Im vergangenen Jahr konnte zum ersten Mal ein Rind über den Hof verkauft werden, wie Jochen Fritz berichtet. „Das Fleisch kommt gut an. Es schmeckt wildartiger als normales Rind.“

Jochen Fritz plant, sowohl die Wasserbüffel- als auch die Hühnerherde in den kommenden Jahren langsam zu erweitern. Auch Gemüseanbau kann er sich vorstellen. „Der Bedarf in der Region ist da“, sagt er. Aber die Logistik sei ein Problem für kleinere Betriebe. Derzeit beliefert der Hof mehrere Stellen in Werder mit Bio-Eiern, darunter das Uferwerk, die Waldorfschule und den Edeka-Markt. Direkt vom Hof wird auch verkauft. In Teltow gibt es einen Abnehmer und 500 Eier gehen wöchentlich an die Markthalle „Neun“ in Berlin-Kreuzberg. „Ich will eigentlich gar nicht so viel nach Berlin liefern, sondern lieber mehr nach Werder oder Potsdam“, sagt der Agraringenieur.

Hühnerstall als Nebenerwerb

Darin sieht auch Benjamin Raschke eine Nische, denn viele große Brandenburger Betriebe produzieren nicht allein für die Region, sondern würden ihre Waren nach Europa oder sogar über die Grenzen hinaus schicken. „Existenzgründung in der Landwirtschaft wird in Brandenburg nicht besonders gut gefördert“, sagt der Grünen-Politiker. Es gebe zwar ein Programm für Junglandwirte, aber das richtet sich nur an Gründer, die jünger als 40 sind. „Ich fände es gut, wenn es finanzielle Unterstützung geben würde, aber auch Beratungsstellen, denn die Bürokratie ist bei der Gründung eine große Hürde“, so Jochen Fritz. Es sollte seiner Ansicht nach zudem eine andere Willkommenskultur geben, die angehende Landwirte ernst nimmt und sie nicht als Hobbybauern abspeist. Wenn er heute noch einmal von vorne anfangen könnte, würde er sich mehr Zeit zum Bedenken und Planen am Anfang wünschen.

Zwei Frauen helfen unter der Woche dabei, die Hühner zu betreuen. Quelle: Luise Fröhlich

Den Biohof als Nebenerwerb aufgebaut zu haben, bereut er nicht: „Manchmal denkt man sich natürlich, dass die Wirtschaftlichkeit beim Vollerwerb schneller erreicht ist. Aber in der Landwirtschaft braucht man Geduld.“ Hauptberuflich arbeitet Jochen Fritz an der Kampagne „Meine Landwirtschaft“. Unter anderem hilft er bei der Organisation von Demos, wie der am 9. September in Königs Wusterhausen zum Wiesenhof-Schlachthof. Die Aktion kritisiert unter dem Motto „Wir haben Tierfabriken satt“ die geplante Expansion des Geflügelproduzenten. Roland von Schmeling arbeitet hauptberuflich als Biokontrolleur.

„Wenn ich davon leben müsste, würde mir die langsamere Entwicklung auf dem Biohof mehr an die Substanz gehen. So sehe ich positiv, was wir in den letzten zweieinhalb Jahren geschafft haben“, resümiert der Wahl-Werderaner. Lange hatte er in Süddeutschland versucht, Land für sein Projekt zu finden und scheiterte immer wieder.

Tausende Besucher bei der Bio-Baumblüte

Die Schafe zwischen den Hühnern sollen laut Experten dabei helfen, Raubvögel wie den Habicht fernzuhalten.

Davon gibt es neben Füchsen einige auf den Plantagen.

Zum dritten Mal hat der Biohof in diesem Jahr die Bio-Baumblüte auf der Obstwiese veranstaltet. An den fünf geöffneten Tagen kamen laut Jochen Fritz etwa 3000 bis 4000 Besucher.

Zweimal wöchentlich kommen Schüler der Montessori-Schule Potsdam und helfen dabei, das Futter für die Hühner aufzufüllen, die Ställe auszumisten oder die Eier in den Bauwagen einzusammeln.

Von Luise Fröhlich

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