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Huh-Huuuh-Rufe im Park Sanssouci

Potsdam Huh-Huuuh-Rufe im Park Sanssouci

Ihre nächtlichen Rufe werden in Krimis genutzt, um die Spannung zu heben. Was viele nicht wissen: Das „Huh-Huuuh“ der Eulen ist für geübte Ohren auch in Potsdam zu hören. Ornithologen haben jetzt 63 Reviere des Waldkauzes nachgewiesen. Als der Waldkauz zum Vogel des Jahres 2017 gekürt wurde, machten sie sich auf die Suche nach dieser nachtaktiven Eule.

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Da guckst du: Der Waldkauz, der Laub- und Mischwälder mag, lebt auch in Potsdam. Nur das unmittelbare Zentrum meidet der Vogel des Jahres 2017.

Quelle: Peter Kuehn

Potsdam. Sie sind ziemlich berühmt, spielen in Harry-Potter-Filmen mit und kommen manchmal auch in Krimis zum Einsatz. Sie sind dort für den Gänsehauteffekt zuständig. Wenn ihr Ruf in dunkler Nacht ertönt, können sich die Zuschauer auf etwas gefasst machen. Das langgezogene „Huh-Huuuh“ der Männchen leitet oft eine schaurig-spannende Szene ein. Kein Zweifel: Das Spiel mit den alten Mythen ist ungebrochen, wenn Eulen in Filmen eine Rolle übernehmen. Was viele indes nicht wissen: Sie leben mitten unter uns – in Potsdam. Dort ist zum Beispiel der Waldkauz zu finden, eine nachtaktive Eule. Ornithologen vom Potsdamer Naturschutzbund (Nabu) haben jetzt 63 Waldkauz-Reviere im Stadtgebiet und den umliegenden Ortsteilen sicher nachgewiesen. Der Waldkauz ist vom Wildpark bis nach Krampnitz und Groß Glienicke Zuhause. Er lebt auch in den drei großen Parks der Stadt: Im Park Sanssouci, im Park Babelsberg und im Neuen Garten.

Angefangen hat alles im Oktober 2016, als der Waldkauz zum Vogel des Jahres 2017 gekürt wurde. „Daraufhin haben wir den Entschluss gefasst: Wir müssen den Vogel des Jahres kartieren“, erzählt Manfred Pohl, der stellvertretender Vorsitzender des Potsdamer Nabu ist und Leiter der Fachgruppe Ornithologie. Kartieren heißt: Die Vogelfreunde haben sich auf die Suche nach Kauzrevieren gemacht und Potsdam und seine nähere Umgebung fast flächendeckend unter die Lupe genommen. In 40 Zählgebieten schauten Ornithologen nach, ob sich Waldkäuze finden. Genau genommen haben sie bei der Suche vor allem ihre Ohren gespitzt. Die Vogelkundler hielten sich bei der Kartierung streng an die sogenannten Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel. Sie liefen zwischen Mitte Januar und Mitte Mai an Tagen ohne Regen und Sturm mit Klangattrappen los, die die Stimmen des Waldkauzes imitieren. In 63 Revieren kamen auf die Rufe aus den Klangattrappen Antworten von den richtigen Waldkäuzen. Zur Methode gehört dazu, dass die Kartierer die Gebiete an drei verschiedenen Tagen mit dem Klangapparat aufsuchen, um einen gesicherten Waldkauz-Nachweis zu erbringen.

Manfred Pohl brauchte keinen Apparat zum Imitieren der Waldkäuze. Er kann es mit dem eigenen Mund viel besser. Pohl bekam in der Parforceheide unweit von Potsdam mehrfach Antwort von Männchen und einmal hörte er auch das legendäre Rufen der Weibchen. Weiblichen Waldkäuze antworten auf das Werben der Männchen mit einem „Ku-witt“. Das hat dem Vogel des Jahres 2017 im Mittelalter einen schlechten Ruf eingebracht. Das „Ku-witt“ klang in den Ohren der abergläubigen Menschen wie ein „Komm mit“. „Wenn dann zufällig am nächsten Abend die Oma verstorben ist, schob man das dem Waldkauz in die Schuhe“, erzählt Pohl. So geriet der Vogel in Verruf, ein Todbringer zu sein. Er wurde im Mittelalter, als die Menschen auch einige ihrer eigenen Leute als Hexen verbrannten, gnadenlos verfolgt. „Zur Abschreckung nagelten sie die geschossenen Waldkäuze an Scheunentore“, erzählt Manfred Pohl. Der dumme Aberglaube ist Geschichte. Heute hat der Waldkauz eine große Fangemeinde. Für Pohl ist es ein Wohlklang, wenn das „Hu-Huuuh“ oder ein „Ku-witt“ in Potsdam zu hören ist. Der nachtaktive Waldkauz, der sich vor allem von Mäusen ernährt, meidet nur das Zentrum der Stadt. Dort ist er aus guten Gründen nicht zu finden. Er liebt lichte Laub- und Mischwälder mit alten, höhlenreichen Bäumen, ist aber auch in den Parks und auf baumreichen Friedhöfen Zuhause. Der Ornithologe mahnt denn auch, beim Fällen alter Bäume nicht zu voreilig und leichtfertig zu sein. Sie werden gebraucht – auch als Lebensraum für Waldkäuze. „Und wenn die Fällung unumgänglich ist, sollte man einen Ausgleich schaffen und zum Beispiel Brutkästen anbringen“, sagt er. Der Nabu-Kreisverband konnte dank einer Spende der Potsdamer Stadtwerke gerade acht neue Kästen für Waldkäuze und einen großen Kasten für Schleiereulen anfertigen lassen.

Ornithologe Manfred Pohl vom Naturschutzbund (Nabu) mit einem Brutkasten für Waldkäuze, den die Potsdamer Stadtwerke mit einer Spende finanzier

Ornithologe Manfred Pohl vom Naturschutzbund (Nabu) mit einem Brutkasten für Waldkäuze, den die Potsdamer Stadtwerke mit einer Spende finanziert haben

Quelle: Jens Steglich

Gebaut wurden die Kästen von den Teltower Diakonischen Werkstätten (TDW) in einer Behindertenwerkstatt in der Zweigstelle Werder. „Wir werden die Kästen in stadtnahen Gebieten und in den Parks anbringen“, sagt Pohl. Die Behausungen haben am Boden etwa 15 Löcher für die Luftzirkulation und werden mit Hobelspänen ausgelegt, damit es die Jungvögel ein bisschen gemütlich haben. Die Kästen werden in sieben bis zwölf Metern Höhe mit dem Eingang Richtung Südosten zur Sonne hin und an versteckten Stellen aufgehangen. „Vögel haben auch ein Recht auf Privatsphäre“, sagt Christiane Hönicke, Geschäftsstellen-Leiterin des Potsdamer Nabu-Kreisverbandes.

Waldkäuze haben die Verlobungszeit mit Balzrufen bereits früh im Oktober und November und leben monogam, sagt Pohl. Haben sie sich gefunden, bleiben sich die Paare in der Regel treu. Ihre Jungen haben die Angewohnheit, die Bruthöhle zu verlassen, noch bevor sie flügge sind. Das ist so etwas wie eine Sicherheitsmaßnahme, falls Marder oder Waschbären das Nest plündern wollen. Die Nestflüchter, die noch nicht fliegen können, nennt man Ästlinge. „Wer so ein Bündel findet: Bitte nicht mitnehmen, um es zu einer Pflegeeinrichtung zu bringen“, mahnt Pohl. Das sei falsch verstandene Tierliebe, denn die Eltern füttern die Ästlinge außerhalb der Bruthöhle weiter: „Sie betteln dann mit ihren Rufen und Mama oder Papa bringen eine Maus vorbei.“

Der Waldkauz – Botschafter der Nacht

Der Waldkauz wurde stellvertretend für alle Eulenarten zum Vogel des Jahres 2017 gekürt. Mit ihm wird auch für den Erhalt alter, höhlenreicher Bäume in Wäldern und Parks geworben, die der Waldkauz braucht.

Zugleich macht der Waldkauz auf alle Tiere der Nacht aufmerksam, heißt es in einer Hommage des Naturschutzbundes. Der Waldkauz hat sich in einer jahrtausendelangen Entwicklung an das Leben im Finstern angepasst. Die nächtlichen Rufe, der lautlose Flug, das gute Sehen bei fast völliger Dunkelheit faszinieren nicht nur Vogelfreunde.

Von Jens Steglich

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