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Potsdam-Mittelmark Illegaler Welpenhandel aufgeflogen
Lokales Potsdam-Mittelmark Illegaler Welpenhandel aufgeflogen
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17:22 20.07.2013
Quelle: Frank Bürstenbinder
Damsdorf

Sie wimmern nach der Mutter. Ihre Leiber sind aufgetrieben. Seit Stunden sind sie im dunklen Bauch eines Transporters gefangen. Gezüchtet für das schnelle Geld. Innen ist das Auto mit Sperrholz verkleidet, damit kein Geräusch nach außen dringt. Außen mit Werbung ausgerechnet für Hundefutter. In Damsdorf haben die Welpen zum ersten Mal in ihrem jungen Hundeleben Glück. Auf einem Parkplatz machen Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, Polizei und Veterinäramt einen Polen dingfest, der keine Erlaubnis zum Handeln besitzt.

Der Mann war einem Lockvogel der Polizei auf den Leim gegangen, der zum Schein einen Welpen kaufen wollte. Mit dabei eine versteckte Kamera des Fernsehsenders ZDF Neo, der an einer Dokumentation über das Geschäft mit den Polen-Welpen arbeitet. Nach dem „Kauf“ wurde der Mann festgesetzt. Alle Welpen kamen in ein Tierheim. „Die jüngsten Hunde waren etwa fünf Wochen alt. Viel zu früh, um sie von der Mutter zu trennen. Kein Wunder, dass einige Welpen nicht transportfähig waren“, berichtet Tierärztin Sandra Reimann vom Veterinäramt der Kreisverwaltung. Auffällig waren die dicken Bäuche, bedingt durch den Befall mit Würmern. Kein Hund war gegen Tollwut geimpft, die Impfpapiere vermutlich gefälscht.

Mario und Kristin Lindenborn mit ihren Neuzugängen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der illegale Händler war auf dem Weg von Polen in die Niederlande, wo die anderen Hunde „günstig“ verkauft werden sollten. Sie hätten noch einige Stunden Fahrt vor sich gehabt. Immer wieder wird im Internet mit Hunde-Schnäppchen geworben. „So lange es einen Markt gibt, wird leider weiter produziert“, bedauert Tierärztin Reimann. Gegen den illegalen Welpenhandel und ihre mafiösen Strukturen macht unter anderem die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ mobil, die den Zugriff in Damsdorf mit der Veterinärbehörde von Potsdam-Mittelmark von langer Hand vorbereitet hatte. „Wir fordern eine EU-weite Richtlinie, um diese Geschäfte auszutrocknen“, sagte gestern „Vier Pfoten“-Aktivistin Birgitt Thiesmann der MAZ.

Alle in Damsdorf beschlagnahmten Welpen befinden sich inzwischen im Tierheim „Hoher Fläming“ in Medewitz. Auch Betreiber Mario Lindenborn war vorab über die Aktion informiert worden. „Auf so viele Neuzugänge müssen wir uns vorbereiten“, so Lindenborn. Den Welpen geht es drei Tage nach ihrer Befreiung den Umständen entsprechend gut. Einige waren unterernährt. Jetzt sollen sie zur Ruhe kommen. „Nach der parasitären Behandlung werden sie kommende Woche durchgeimpft“, teilte Lindenborn mit.

Bei den Welpen handelt es sich um Moderassen wie Shih Tzu, Chiwawa, Prager Rattler, Beagle und Boxer in einem Marktwert von mehreren tausend Euro. Die Hunde gelten als enteignet. Für den Besitzer gibt es eine Widerspruchsfrist. Danach brauchen alle ein neues Zuhause. Herr des Verfahrens ist der Landkreis, weil der Transport in Damsdorf aufflog. Zum Bußgeld für die „Ordnungswidrigkeiten“ werden dem illegalen Händler die Kosten für Tierarzt und Verpflegung in Rechnung gestellt. Für eine Abschreckung reicht das nicht. Experten gehen von der Spitze eines Eisberges aus. „Unsere Möglichkeiten sind leider begrenzt. Der nächste Welpentransport ist bestimmt schon wieder unterwegs“, bedauert Tierärztin Reimann.

Von Frank Bürstenbinder

Die Reise geht weiter. MAZ-Redakteur Alexander Engels auf Wanderschaft an der Nuthe, von der Quelle bis zur Mündung. Teil 2: „Die wilde Nuthe“ von Kloster Zinna nach Luckenwalde.

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