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Im Einsatz gegen das Elend vor der eigenen Tür

Niemegk Im Einsatz gegen das Elend vor der eigenen Tür

Pia Pietack ist gerade einmal zwölf Jahre alt, hat aber mehr Weitblick als viele ihrer Altersgenossen. „Ich bin lieber bei den Tieren, als den ganzen Tag vor einer Spielekonsole zu sitzen“, sagt sie. Fast 20 Futterstellen für Straßenkatzen versorgt das Mädchen allein in ihrer Heimatstadt Niemegk gemeinsam mit ihrer Mutter und wenigen Mitstreitern.

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Cathleen und Tochter Pia Pietack, Kathrin Wilk und Mitstreiterin Angela Koffmahn (v.l.n.r.) kümmern sich um hilflose Katzen in Niemegk.

Quelle: Victoria Barnack

Niemegk. „Man kann nicht die ganze Welt retten, aber man kann des Leben eines Tieres verbessern“, sagt Kathrin Wilk. Die 51-Jährige hatte schon immer ein Herz für Vierbeiner. Ihr Elend kann sie nur schwer ertragen. Mehrere Katzen hat sie zu Hause in Werder/Havel. „Aber man kann nicht alle aufnehmen, die Hilfe brauchen“, ergänzt Cathleen Pietack (47). Die beiden Frauen wollen den Tieren trotzdem helfen. Gemeinsam haben sie deshalb die Fellnasenhilfe Niemegk ins Leben gerufen und versorgen Straßenkatzen mit Futter und medizinisch.

Schon vor der Gründung ihrer Fellnasenhilfe haben sich die beiden Frauen im Tierschutz engagiert. Kennen lernten sie sich in Bad Belzig bei einer Kastrationsaktion. Weil Cathleen Pietack in Niemegk wohnt und viele andere Orte in Potsdam-Mittelmark bereits gut von Ehrenamtlichen betreut werden, lag es für sie nahe, auch die Straßenkatzen in Niemegk und Umgebung zu versorgen. „Vor unserer Haustür gibt es so viel Elend“, sagt Cathleen Pietack, „das wollen wir den Fellnasen nehmen.“

Viele Spender und tatkräftige Helfer unterstützen sie dabei bereits. Eine davon ist Cathleen Pietacks Tochter Pia. Die 12-Jährige hilft seit zwei Jahren dabei Katzen und Kater zu fangen, wenn sie kastriert werden sollen. Auch bei der Versorgung der Futterstellen packt sie fleißig mit an. Neun gibt es davon nach nur fünf Monaten der Fellnasenhilfe allein in der Stadt Niemegk. Selbstverständlich befindet sich eine direkt vor der Haustür von Familie Pietack. „24 Katzen versorgen wir auf diese Weise in Niemegk“, sagt Cathleen Pietack.

Dass ihre Tochter fast täglich ihre Freizeit für die Tiere opfert, macht die Mutter stolz und die 12-Jährige glücklich, obwohl sie bei Gleichaltrigen nicht immer auf Verständnis für ihren Einsatz stößt. „Aber das macht mir nicht aus“, sagt sie, „ich bin lieber bei den Tieren, als den ganzen Tag vor einer Spielekonsole zu sitzen.“

Hilfe auch für bedürftige Fellnasenliebhaber

Auch der Zuspruch vieler anderer Tierliebhaber aus der Region macht die drei Frauen stark. „Die Resonanz ist unheimlich groß“, berichtet Cathleen Pietack, die für die Fellnasenhilfe eine eigene Seite auf Facebook eingerichtet hat und sie fast täglich mit Bildern aktualisiert. „Viele schreiben uns dort“, sagt sie, „oft schicken sie auch Pakete.“ Meistens ist Futter für die Straßenkatzen darin, manchmal auch Transportboxen oder Material, damit die Streuner und andere Tiere gut über den bevorstehenden Winter kommen. Spenden geben die Fellnasenhelferinnen auch an mittellose Tierhalter weiter. „Einige von ihnen hungern, weil sie sich neben dem Futter keine eigenen Lebensmittel leisten können“, erzählt Kathrin Wilk.

Anderen Tierhalten aber auch herrenlosen Straßenkatzen helfen sie mit Kastrationsaktionen. „Auf den Dörfern ist oft immer noch der Irrglaube verbreitet, dass mit viel Katzennachwuchs Mäuse und Ungeziefer ferngehalten werden“, sagt Wilk, „totaler Quatsch.“ Vor zwei Wochen fand die erste Aktion der Fellnasenhilfe in Schlalach und Feldheim bei Treuenbrietzen statt. Die Spenden, um die Kosten der 19 Kastrationen durch zwei Tierärzte der Mobilen Tierarztpraxis in Geltow zu decken, haben sie über den Verein „Hilfe für Berliner Straßenkatzen und Umgebung“ abgerechnet.

„Im nächsten Jahr wollen wir auch für die Fellnasenhilfe Niemegk die Gemeinnützigkeit beantragen“, berichtet Cathleen Pietack. Denn nur als eingetragener Verein dürfen sie Geldspenden annehmen und könnten für weitere Kastrationen auch auf finanzielle Förderungen von Kommunen hoffen.

Von Victoria Barnack

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