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Im Kampf gegen den Engpass

Kinderbetreuung in Treuenbrietzen Im Kampf gegen den Engpass

Um den Kapazitätsengpässen in Treuenbrietzener Kindertagesstätten zu begegnen, werden nun kurzfristige Erweiterungen und mittelfristig auch bauliche Veränderungen geplant. Ideen zum Aufbau einer privaten Tagesstätte mit eigenem Konzept lässt der Investor indes ruhen. Womöglich gibt es aber noch eine Kooperation mit der Kommune.

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Immer schön locker bleiben: Übungen in der Tagesstätte „Haus der kleinen Strolche“ in Marzahna. Dort ist noch Platz für zusätzliche Kinder.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Schnelle Lösungen müssen her, um in Treuenbrietzener Kindertagesstätten zusätzliche Plätze zu schaffen. Denn diese fahren fast alle an ihren Kapazitätsgrenzen. Das bestätigte Bürgeramtsleiter Ralf Gronemeier in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport. Insgesamt müssten 25 bis 30 Plätze geschaffen werden, um Spitzen in der Auslastung abfedern zu können, teilte er mit.

Kurzfristig soll dies gelingen, indem im „Haus der kleinen Strolche“ in Marzahna sowie in der Treuenbrietzener „Spielkiste“ die Kapazität erhöht wird. In der Spielkiste können zehn Plätze für Kinder im Alter bis drei Jahre hergerichtet werden, wenn Räume des mit im Haus untergebrachten Seniorentreffs hergerichtet werden. In der Tagesstätte „Kinderland“ in Pechüle sind ebenfalls Investitionen in einen Anbau geplant. Das soll die Platzverhältnisse verbessern, ohne aber die Kapazität zu verändern, wie es hieß.

Am Limit angelangt

In der Stadt Treuenbrietzen arbeiten derzeit vier kommunale Kindertagesstätten sowie eine von der Hoffbauer-Stiftung betriebene evangelische Einrichtung.

In der Kita „Spielkiste“ an der Großstraße ist aktuell Platz für 70 Kinder.

Die Kita „Anne Frank“ am Kiefernweg in Treuenbrietzen-Süd hat 71 Plätze Kapazität.

In Pechüle verfügt die Kita Kinderland“ über 36 Plätze.

Im „Haus der kleinen Strolche“ in Marzahna sind momentan 35 Kinder möglich.

In der evangelischen Kita „Arche Noah“ können bis zu 63 Jungen und Mädchen betreut werden.

Engpässe bei Betreuungsplätzen abfedern will die Kommune auch mit Tageselten. Das private Engagement könnte womöglich mit Räumen und einer Kooperation mit der Kita „Spielkiste“ unterstützt werden.

In Marzahna stehen genügend Räume zur Verfügung, um kurzfristig 20 zusätzliche Plätze zu schaffen. „Allerdings müssen dazu die Sanitäranlagen erweitert werden“, sagte Gronemeier. Lange Jahre war das große Haus lediglich mit 15 Kindern belegt. Zwischenzeitlich wurde auch schon eine Schließung erwogen. Vor der Einschulung in diesem Jahr war die Kita freilich wieder mit 35 Jungen und Mädchen entsprechend der Betriebserlaubnis ausgelastet.

Sollen  in Marzahna mehr Kinder aufgenommen werden, müssen in der Kita  vor allem  die Kapazitäten der Sanitäranlagen erweitert werden

Sollen in Marzahna mehr Kinder aufgenommen werden, müssen in der Kita vor allem die Kapazitäten der Sanitäranlagen erweitert werden.

Quelle: Thomas Wachs

Mittelfristig ist in Marzahna der Umzug des Kindergartens in das Dorfgemeinschaftshaus geplant. Dieses soll grundlegend saniert werden. Dafür laufen aktuell die Planungsarbeiten in Vorbereitung von Förderanträgen, ohne die sich die Kommune das Projekt nicht leisten kann.

Auch im Umland sind die Kitas ausgelastet

Für die aktuellen Engpässe im gesamten Kindergartenbereich in Treuenbrietzen gebe es verschiedene Gründe, „die so nicht vorherzusehen waren“, erklärt Ralf Gronemeier gegenüber der MAZ. Einerseits seien durch verstärkte Rückstellungen voriges Jahr weniger Kinder in die Schule gewechselt. Zudem gab es allein durch acht Zuzüge zusätzlichen Bedarf. „Ferner lassen einige Eltern, die ihr Kinder bislang auf dem Weg zur Arbeit in anderen Tagesstätten untergebracht hatten, diese nun wieder in Treuenbrietzen betreuen“, sagt Gronemeier. „Denn auch in Richtung Brück und Potsdam sind aktuell alle Tagesstätten voll belegt“, erklärt der Ressortchef.

Martin Einsfeld aus Rietz hat unterdessen seine Pläne auf Eis gelegt, nach denen er an der Leipziger Straße in Treuenbrietzen eine private Tagesstätte „Kinderlachen“ mit speziellem Konzept eröffnen wollte. Das erklärte er in der Sitzung des Sozialausschusses in Marzahna. Als Grund führte er Finanzierungsprobleme an. Die geplante Investition von rund 400 000 Euro mache eine Auslastung mit 40 Kindern nötig. „Mit 20 Plätzen rechnet sich das nicht“, so Einsfeld. Per Gesetz hätte er für seine private Tagesstätte – wie alle anderen Kitas auch – Anspruch auf einen Personalkostzuschuss durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark gehabt.

Private Pläne gefährden kommunale Häuser

Mit den privaten Plänen in der geplanten Größenordnung, die prinzipiell nicht hätten abgelehnt werden können, sah die Stadt kommunale Einrichtungen gefährdet, sagte Bürgermeister Michael Knape (parteilos) im Ausschuss. Daraufhin habe die Verwaltung vorgeschlagen, das Konzept von Martin Einsfeld inhaltlich womöglich in die Arbeit der Kita Marzahna zu integrieren. „Offenbar gibt es ja Nachfrage einiger Eltern für diese Angebot“, sagte Knape. Wie das in der Praxis erfolgen könnte, soll noch beraten werden.

Martin Einsfeld ist nach eigenen Angaben seit 30 Jahren als Erzieher und Leiter in verschiedenen Kindertagesstätten tätig. Aktuell leite er in Berlin eine katholische Tagesstätte mit 75 Plätzen und 20 Mitarbeitern, erklärte er. Sein spezielles Konzept zielt auf die Sprachförderung bei Kindern mit Entwicklungsstörungen. Dabei arbeite er mit Sinnesreizen, viel Bewegung und flexiblen Erlebnisräumen, die durch baulich vielseitig veränderbare Möbel geschaffen werden.

Von Thomas Wachs

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