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Potsdam-Mittelmark Im Sondereinsatz für die Jugend
Lokales Potsdam-Mittelmark Im Sondereinsatz für die Jugend
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18:13 02.06.2015
Der Verein organisierte legale Graffiti-Projekte – als Reaktion auf flächendeckende Schmierereien, die vor einigen Jahren in Bergholz-Rehbrücke Schlagzeilen machten. Quelle: Privat
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Nuthetal

Wo kann man Einrad fahren, ein indisches Kartoffel-Blumenkohl-Curry von Bananenblättern essen, in die Punkszene der DDR eintauchen, einen Fahnenappell erleben, Kleider aus Müll tragen, Graffiti im Beisein von Polizisten an die Wand sprühen und alkoholfreie Cocktails trinken und dennoch Spaß haben? Das alles und noch viel mehr, kann man machen, wenn man ein Clubgänger in Nuthetal wär’.

Die Liste der besonderen Angebote müsste freilich noch länger sein, um eine Ahnung zu bekommen, was so passiert ist  – beim Nuthetaler Verein „Die Brücke“, der den Jugendclub managt und gerade 20 Jahre alt geworden ist. Zur Jubiläumsfeier am Samstag ab 15 Uhr vor, hinter und im Club-Domizil in der Alten Schule in Bergholz werden sich frühere und jetzige Clubgänger Geschichten aus den vergangenen 20 Jahren erzählen. Auch Fotos und Filme werden zu sehen sein – zum Beispiel Streifen über Geschichtsprojekte, bei denen junge Leute sich auf die Suche nach Spuren machten, die Rehbrücker Punks oder die rebellische Jugend aus Fahlhorst zu DDR-Zeiten hinterlassen haben. Herausgekommen sind spektakuläre Berichte aus einer vergangenen Jugendzeit – etwa von einer Fete mit 60 Punks in Bergholz-Rehbrücke, die 1985 brachial von der Polizei aufgelöst wurde. Zutage förderten die jungen Spurensucher das große Ganze und schöne Details zugleich: Wie haben damals Punks ohne Haarspray ihre Frisuren hinbekommen? Sie schmierten Bier oder geschlagenes Eiweiß ins Haar und nahmen ein Bügeleisen, um den Schopf zu formen, erzählte ihnen Maik Könitzer, damals Punk, dann selbstständiger Bauunternehmer.

Kein Zweifel: So originell wie beim Verein „Die Brücke“ befassen sich junge Menschen selten mit lokaler Geschichte. Was bei den verschiedenen Kinder- und Jugendgenerationen besonders gut ankam, ist in einer 70-seitigen Festbroschüre nachzulesen, die am Samstag vorliegen wird. Abgedruckt sind darin 50 Interviews mit jungen und nicht mehr so jungen Leuten, die eines verbindet: Sie waren alle dabei, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten – zum Beispiel bei den legendären „Mädchennächten“, von denen Jessi (27) erzählt. In solchen Nächten wurden nicht nur Filme geschaut, Grusel- und Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Dort kamen Dinge zur Sprache, von denen Eltern nichts wussten. Jugendclubleiterin Jana Köstel dürfte in der Regel vor den Müttern und Vätern vom ersten Liebeskummer erfahren haben.

Der Verein, den 1995 engagierte Eltern gründeten, mischte sich auch in die Politik ein. Als nach der Gemeindegebietsreform Nuthetal entstanden war, lud er 2004 zu einer Zukunftswerkstatt ein, um mit Jung und Alt zu beraten, wohin die Reise der neuen Kommune gehen soll. Eine Arbeitsgruppe kümmerte sich dabei um die Frage, wie man mehr Mitbestimmung für die Jugend organisieren könnte. Aus der Arbeitsgruppe entstand 2005 das Jugendparlament, das zweite, etwas jüngere Geburtstagskind, das am Samstag gefeiert wird.

Von Jens Steglich

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