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„Im Wolf steckt touristisches Potential“

MAZ-Interview zu Isegrim und seinem Verhalten „Im Wolf steckt touristisches Potential“

Juliane Wittig und Steffen Bohl vom Naturpark Hoher Fläming sprechen im MAZ-Interview über Bedenken und Unwissenheit zum Verhalten des Wolfes. Grund genug dazu ist vorhanden: Immerhin finden aktuell die Wolfswochen statt - noch bis zum 28. Juni im Naturpark Hoher Fläming in Raben. Die Ausstellung widmet sich dem Verhältnis zwischen Menschen und dem Wildtier.

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Juliane Wittig und Steffen Bohl in der Ausstellung.

Quelle: St. Specht

MAZ: Bis zum 28. Juni finden im Naturpark Hoher Fläming die Wolfswochen statt. Wie lautet ihr Zwischenfazit?
Juliane Wittig: Ich spreche für den touristischen Aspekt. Aus dieser Sicht muss ich sagen, dass die Wochen ein echter Erfolg sind. In die Ausstellung kommen mehr Menschen als je zuvor. Anders als sonst kommen viele Besucher vor allem wegen der Ausstellung zu uns und fragen gezielt danach. Sie wollen einen echten präparierten Wolf sehen und die Wölfe heulen hören. Bei den einzelnen Veranstaltungen hatten wir mehr als 200 Gäste.

Können Sie den Wolf überhaupt noch sehen oder haben Sie nach den ersten Wochen schon genug?
Steffen Bohl: Ich wünschte, ich würde den Wolf überhaupt einmal in freier Natur sehen. Das Tier ist so scheu, dass ich ihn bisher hier nur bei uns in der Ausstellung und auf Bildern sehen konnte.

Was sind denn die häufigsten Diskussionsthemen?
Bohl: Das ist immer eine Mischung aus Bedenken und Unwissenheit zum Verhalten des Wolfes. Das ist aber nachvollziehbar und genau deshalb wollen wir informieren. Denn es ist doch klar, dass niemand den Wolf richtig kennt. Die Frage ist nur, wie sehr man sich auf das Tier einlässt.

Also, wie offen man ihm gegenübersteht?
Wittig: Genau. Interessanterweise beobachten wir Folgendes: Es gibt ein Gefälle zwischen Alt und Jung und zwischen Stadt und Land. Junge Menschen stehen dem Wolf positiver gegenüber als ältere. Stadtmenschen sehen das Thema unverkrampfter als Menschen, die auf dem Land leben.

Woran liegt das?
Bohl: Schwierig zu sagen. Vielleicht hat das etwas mit dem Zugang zu Informationen zu tun. Junge Menschen können sich im Internet informieren. Der Wolf ist bei der Landbevölkerung der unsichtbare und dennoch unmittelbare Nachbar und weckt hier Ängste.

Müssen Sie bei diesen Diskussionsrunden den Wolf verteidigen?
Bohl: Wir sehen uns nicht als Verteidiger des Wolfes. Wir wollen ihn auch nicht überbewerten. Andere gefährdete Arten im Hohen Fläming benötigen dringender unsere Hilfe. Eher sehen wir uns als Aufklärer. Es geht um den Abbau von Vorurteilen und da sind wir auf einem guten Weg. Ohne Akzeptanz für diese Tierart ist deren Schutz nicht möglich.
Wittig: Wir hatten noch nie Veranstaltungen, bei denen so viele Menschen aus den umliegenden Dörfern gekommen sind. Schon das ist ein Gewinn für uns. Besonderes Highlight wird sicherlich das Übernachten bei den Wölfen. Eigentlich waren zwei Nächte geplant. Aber es scheint, als wäre es den Menschen jetzt noch zu kalt. Darum fiel die für vorige Woche geplante Veranstaltung aus. Der Termin im Juni ist dafür aber schon ausgebucht.

Die Veranstaltungen

Die Wolfswochen finden noch bis zum 28. Juni im Naturpark Hoher Fläming in Raben statt. Die Ausstellung widmet sich dem Verhältnis zwischen Menschen und dem Wildtier. Geöffnet ist täglich 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Die nächsten Veranstaltungen: Sonnabend, 13. Juni: Schlafen bei den Wölfen. Dienstag, 16. Juni: Wolfswanderung mit Paul Wernicke. Sonnabend, 20. Juni: Lesung „Wolfsliebe“ mit Rike Reiniger. Sonntag, 21. Juni: Wolfsmärchen-Nachmittag.
Anmeldung unter www.flaeming.net oder Tel. 033848/60004.

Wie hoch ist denn die Chance, in dieser Nacht im Freien tatsächlich einen Wolf zu sehen?
Wittig: Ehrlich gesagt ist die Chance gleich Null. Der Wolf ist viel zu scheu, als dass er sich einer Menschengruppe zeigen würde. Doch darum geht es auch nicht unbedingt. Schon die Gewissheit, dass der Wolf irgendwo in der Nähe sein kann, ist für viele Menschen ein echtes Erlebnis.

Gibt es Vorurteile, die Sie nicht entkräften können?
Bohl: Bislang ist das nicht vorgekommen. Nur manchmal wird es zu abstrus. Wenn es heißt: „Jetzt kann ich mein Kind nicht mehr nachts alleine in den Wald schicken“, dann weiß ich nicht, was ich antworten soll. Ganz ehrlich: Warum sollte man das auch tun? Egal, ob der Wolf da ist oder nicht.

Es gibt doch auch berechtigte Sorgen. Was macht der Schäfer, dem die Tiere gerissen werden?
Bohl: Auch der kann sich schützen, etwa durch Elektrozäune. Der Wolf lernt schnell, hat er sich einmal einen Schlag eingefangen, meidet er diese Herde. Er findet ja auch in den Wäldern genug Beute.

Auf einer Veranstaltung beklagte sich ein Hotelbesitzer, dass ihm wegen des Wolfes die Gäste ausblieben. Haben Sie eine Antwort?
Wittig: Aus unserer Sicht bewirkt der Wolf sogar das Gegenteil. Der Hohe Fläming könnte sich als Wolfsregion touristisch ganz stark vermarkten. Gerade bei Stadtmenschen zieht das aus unserer Erfahrung. Wir wissen von einer Zimmervermieterin, die sich seit einer Weile genauso positioniert: Also als Zimmer mitten im Wolfsgebiet. Seitdem ist sie ständig ausgebucht. Das Thema Wolf hat also ein riesiges touristisches Potential .

Ende Juni werden die Wolfswochen und damit auch die Ausstellung beendet sein. Haben Sie schon das nächste Thema im Auge?
Wittig: Noch nicht. Es wird auch schwierig, den Wolf thematisch zu toppen. Aber das müssen wir auch nicht, gibt es so viele gefährdete Tierarten. Vielleicht machen wir was über Fledermäuse oder Eulen im Naturpark Hoher Fläming.

Interview: Stefan Specht

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