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Immer mehr Hausgeburten im Fläming

Ein Jahr ohne Kreißsaal Immer mehr Hausgeburten im Fläming

Schwangere im Hohen Fläming entscheiden sich überdurchschnittlich oft für eine Geburt daheim. Laut Burkhard Kroll liegt der Anteil mit zwölf Prozent – von registrierten 77 Fällen – mindestens fünfmal höher als im Bundesdurchschnitt (maximal zwei Prozent). Ein Jahr nach Schließung des Kreißsaals im Krankenhaus Bad Belzig ist das ein gefährlicher Trend, findet der Kinderarzt.

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Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Hausgeburt.

Quelle: dpa

Bad Belzig. Schwangere im Hohen Fläming entscheiden sich überdurchschnittlich häufig für eine Geburt in den heimischen vier Wänden. Das lässt sich zumindest aus einer Statistik ableiten, die Burkhard Kroll zwischen April und Dezember des vergangenen Jahres zusammen getragen hat. Nach seinen Erkenntnissen liegt der Anteil mit zwölf Prozent – von registrierten 77 Fällen – mindestens fünfmal höher als im Bundesdurchschnitt (maximal zwei Prozent).

Der hiesige Kinderarzt hatte wissen wollen, wo die Babys aus dem Südwesten des Landkreises Potsdam-Mittelmark geboren werden, seit der Kreißsaal in der Kur- und Kreisstadt von Jahresfrist wider alle Proteste und Vorschläge für alternative Betriebsmodelle geschlossen worden ist. Demnach werden die Babys am ehesten in Lutherstadt Wittenberg und Brandenburg/Havel zur Welt gebracht. Den dritten Platz teilen sich Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam und eben Hausgeburten. Dabei braucht es allerdings Hebammen, die aus Potsdam kommen, weil es hierzulande keine Geburtshelferinnen mit dem Leistungsspektrum gibt.

Die Grafik zeigt, wo die Mütter aus Bad Belzig und Umgebung aktuell ihre Kinder zur Welt bringen

Die Grafik zeigt, wo die Mütter aus Bad Belzig und Umgebung aktuell ihre Kinder zur Welt bringen.

Quelle: Burkhard Kroll

Kinder- und Frauenärzte sind wegen des Risikos eines pathologischen Verlaufes gegen diese Option. Denn die Überwachung und Notfallbeherrschung könnten nicht so geleistet werden wie bei Geburten in einem Krankenhaus. „Hausgeburten halte ich für um so gefährlicher, je weiter das jeweilige Haus von einem Kreißsaal entfernt ist“, sagt Hans Kössel. Der Kinderchefarzt im Städtischen Klinikum Brandenburg/Havel hatte Mitte des Monats den Tod eines Säuglings bestätigen müssen, dessen Geburt in einem Dorf, 15 Kilometer von der Havelstadt entfernt, nicht komplikationslos verlaufen war.

Hausgeburten gefährlicher, je weiter von Krankenhaus weg

Indes sei dies die Ausnahme von ein bis zwei unter 1000 Fällen, wie Anke Wiemer von der Gesellschaft in der außerklinischen Geburtshilfe sagt.

Dass der Ort der Entbindung seit einem Jahr ein völlig neues und zugleich zentrales Thema für Ratsuchende bei Pro Familia sei, bestätigt Angela Hauer. 420 Beratungen (ohne Konfliktberatungen bei ungewollten Schwangerschaften) rund um das Thema Geburt haben sie und ihre Mitarbeiterinnen 2015 in Bad Belzig mit 180 schwangeren Frauen geführt. Das lässt ihrer Erfahrung nach für die Region auf eine Zahl deutlich über 200 Entbindungen im Jahresverlauf schließen. Tatsächlich fühlten sich Eltern verunsichert, für die es bisher naheliegend war, ihr Kind auf der hiesigen Station zur Welt zu bringen. „Jetzt braucht es vorab den Vergleich der Offerten, die Beobachtung des Straßenzustandes rund um den Geburtstermin und mitunter folgt Bürokratie im Nachgang“, bilanziert Angela Hauer.

Immer mehr Beratungen zum Thema

Ihrer Erfahrung nach gibt es von jenen werdenden Müttern, die sich für die Hausgeburt entscheiden, nachvollziehbare Argumentationen. Das Restrisiko lasse sich nicht ausschließen, sei jedoch mit Entfernungen von mehr als 30 Kilometern aus dem Hohen Fläming zur nächsten frauen- und kinderärztlichen Versorgung gestiegen.

Für Burkhard Kroll liegt die Konsequenz auf der Hand: Er fordert Ministerium und Landratsamt auf, die Datenbasis für die Gesundheitsberichterstattung zu sammeln. „Sollten sich die Ergebnisse mit meiner Untersuchung ähneln, sind das so viel Geburten fernab fachärztlicher Versorgung wie nie. Mediziner, Politiker und Behörden müssten ihre jüngsten Entscheidungen diesbezüglich dringend in Frage stellen.“

Von René Gaffron

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