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In Bad Belzig brodelte es gewaltig

Interkulturelles Schmausen auf dem Markplatz In Bad Belzig brodelte es gewaltig

Wie isst man in Kenia, Tschetschenien oder Afghanistan? Die Antwort darauf gab es bei „Bad Belzig is(s)t bunt“ vor dem Rathaus der Kur- und Kreisstadt. Dort versammelten sich am Mittwoch Dutzende, um kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt zu probieren.

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Organisatorin Magdalena Hartung freut sich über die große Resonanz des bunten Festes.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. So schmackhaft kann Politik sein. Hitzige Speisen statt hitziger Debatten gab es am Mittwochnachmittag vor dem Rathaus in der Kur- und Kreisstadt. Unter dem Motto „Bad Belzig is(s)t bunt“ hatte die Jugendgruppe des Vereins „Belziger Forum“ Einwohner, Migranten und Asylbewerber zum interkulturellen Schmausen eingeladen.

„Zugreifen bitte“ ließen sich nur wenige zwei Mal sagen

„Zugreifen bitte“ ließen sich nur wenige zwei Mal sagen.

Quelle: Uwe Klemens

Erfinderinnen der kulinarischen Welterkundung sind Tabea Wedel und Magdalena Hartung, die vor zwei Monaten im Info-Café des Forums die Jugendgruppe aus der Taufe hoben. Die inzwischen europaweit organisierten „Dinner in white“, bei denen unterschiedlichste Menschen nicht nur miteinander speisen, sondern auch ins Gespräch kommen, gefielen den beiden 17jährigen Organisatorinnen. Nur bei der Farbe hatten sie einen besseren Einfall. „Denn alle zusammen sind wir eben bunt und vielfältig“, sagt Tabea Wedel.

Die Zubereitung von Bratwurst kennt Arlan Denis auch aus seiner Heimat Kenia

Die Zubereitung von Bratwurst kennt Arlan Denis auch aus seiner Heimat Kenia.

Quelle: Uwe Klemens

Ihre bei der Organisation und beim Einkauf der Kochzutaten gehegte Sorge bestätigte sich am Mittwoch dann tatsächlich. „Entweder, es kommt niemand und wir bleiben auf unserem Essen sitzen, oder es kommen so viele, dass es nicht reicht“, hatten beide befürchtet. Das Letztere war der Fall. Bereits eine halbe Stunde nach der Freigabe des Buffets bevölkerten mehr als einhundert Gäste den Rathausvorplatz, um Kamerunisches Erdnusscurry, afrikanische Kochbananen oder ganz schlicht eine Bratwurst vom Grill des kenianischen Asylbewerbers Arlan Denis zu probieren. Vier Stunden später war davon nichts übrig und auch die von den Besuchern selbst bestückte Kuchentheke bot nur noch Krümel.

Sabine Langhagel im Gespräch mit den Asylbewerbern Ahmed Medilischev aus Tschetschenien und Jack Rachmanin aus Afghanistan (vl)

Sabine Langhagel im Gespräch mit den Asylbewerbern Ahmed Medilischev aus Tschetschenien und Jack Rachmanin aus Afghanistan (v.l.).

Quelle: Uwe Klemens

„Ich bin gezielt hierher zu kommen, um vielleicht bei dieser Gelegenheit ganz ungezwungen mit Asylbewerbern ins Gespräch zu kommen“, sagt Sabine Langhagel. Für die 74-Jährige ist das Thema Asylrecht und Integration von Flüchtlingen schon seit langem ein wichtiges Thema. Dass sich ältere Menschen aus Angst um die eigene Existenz Fremden gegenüber lieber abschotten, kann sie zwar verstehen, hält es aber für den falschen Weg. „Unsere Gesellschaft ist nicht so gesellig wie die meisten anderen Kulturen. Aber es ist wichtig, dass wir die Fremden aufnehmen. Wichtig für die, aber auch für uns.“

In der Küche des Info-Café schmort Benjamin Stamer afrikanische Kochbananen

In der Küche des Info-Café schmort Benjamin Stamer afrikanische Kochbananen.

Quelle: Uwe Klemens

Dass die jungen Leute vom Belziger Forum ein solches Zusammentreffen organisiert haben, findet Sabine Langhagel anerkennenswert. Ab und an schaut sie auch selbst im Info-Café vorbei. „Einfach um zu zeigen, dass ich das unterstütze.“

Nicht so große Erwartungen aber eine große Portion Neugierde mitgebracht hatte Johanna Wieland, deren Freundin zu den Organisatorinnen gehört. „Schon deshalb wollte ich mal gucken kommen, was hier so los ist“, sagt die 17-Jährige, die sich zusammen mit ihrer Mutter über die große Resonanz freute und natürlich auch von den angebotenen Speisen probierte.

Miteinander ins Gespräch kommen

Die über das Kulinarische hinausragende Idee des Miteinander darf als erfolgreich gewertet werden. Sowohl an den festlich mit Blumen geschmückten Tischen, als auch am Rande es Platzes kamen Belziger und Migranten schnell miteinander ins Gespräch, bei dem es meist weniger um die „große Politik, sondern noch öfter um ganz persönliche Dinge ging. Nicht nur Sabine Langhagel fragte einigen der Asylbewerber halbe Löcher in den Bauch.

Warum sie seit einem beziehungsweise vier Jahren in Deutschland sind, wurden auch Ahmed Medilischev aus Tschetschenien und sein afghanischer Freund Jack Rachmani mehrfach gefragt. Inzwischen haben die beiden in Görzke ein neues Zuhause gefunden. Schlechte Erfahrungen mit Deutschen? „Keine – alles in Ordnung“, beteuern beide.

Die beiden, vor zwei Tagen von Unbekannten eingeschlagenen Scheiben des Info-Cafés sprechen eine andere Sprache. „Das ist hier natürlich auch ein Thema“, sagt Sozialarbeiter Benjamin Stamer, der das Info-Café betreut. „Ich glaube, das war mal wieder ein weitere Versuch, uns einzuschüchtern. Die Scheibe des Info-Cafés ist für Bad Belzig so etwas wie ein Gradmesser der Toleranz.“

Von Uwe Klemens

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