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Potsdam-Mittelmark Generationswechsel im kleinen Rundlingsdorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Generationswechsel im kleinen Rundlingsdorf
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07:40 14.08.2014
Jens Strauß und Ronny Eigenfeldt (r.) am Lühsdorfer Gemeindehaus neben der Kirche. Quelle: T. Wachs
Lühsdorf–

Wie auf der prominenten Ferieninsel Sylt soll es in Lühsdorf nicht enden. „Dort finden sie unter Einheimischen wohl einfach keinen Bürgermeister mehr“, hat Jens Strauß gelesen. „Nun will auf Sylt ein Ferienhausbesitzer aus München den Job machen“, erzählt der Lühsdorfer Kfz-Meister. Anders in seinem Heimatort. In dem zweitkleinsten Treuenbrietzener Ortsteil gibt es nach mehr als zehn Jahren der einst aus Protest gegen die 2003 erfolgte Zwangseingliederung selbst auferlegten Zwangspause jetzt wieder einen Ortsbeirat. „Er resultiert aus einem Generationswechsel im Dorf“, erzählt Ronny Eigenfeldt. Der 40-jährige Tischlermeister wohnt seit 1998 im Dorf. Nach der Kommunalwahl im Mai ist das Mitglied der Piratenpartei zum Ortsvorsteher gewählt worden. Zudem gehören Jens Strauß (42) sowie Nadine Krüger, Jahrgang 1978, zum jüngeren Trio, das neuen Schwung in den Ort bringen will.

Der Beirat möchte den Belangen der kleinen Dorfgemeinschaft in der Treuenbrietzener Stadtverordnetenversammlung mehr Gehör verschaffen. „Wir wollen mitreden und wieder mehr wahrgenommen werden“, sagt der Ortsvorsteher. „Die zuletzt nur zweimal im Jahr hier abgehaltene Sprechstunde des Treuenbrietzener Bürgermeisters war dafür nicht geeignet“, so Eigenfeldt.
Themen und Projekte, die diskutiert werden sollen, gebe es reichlich. Eine fehlende DSL-Anbindung für schnelles Internet ist ein noch immer drängendes Problem. „Auch zum geplanten Windpark in der Gemarkung der Stadt Beelitz müssen wir uns eine Meinung bilden“, sagt Ronny Eigenfeldt.

Größtes Sorgenkind der Lühsdorfer ist der Gemeinderaum. Er soll als einziger Treffpunkt im Dorf erhalten werden. Auch der Anbau einer Garage für die Feuerwehr wird erwogen. Die Stadt Treuenbrietzen will das zur Hälfte an einen Jagdpächter vermietete, ehemalige Schulgebäude aus Kostengründen aber abstoßen. Alternativ könnte sich ein Verein gründen, der es künftig betreibt. „Dazu müssen aber die Eigentumsfragen geklärt sein“, erzählt Jens Strauß. Denn das Gemeindehaus wie auch die benachbarte Kirche stehen je zur Hälfte auf kommunalem Grund beziehungsweise auf Land der Kirche.
Dem Gotteshaus gilt ebenfalls das Augenmerk des Ortsbeirates. Für dessen Erhalt setzen sich längst auch einige zugezogene Lühsdorfer ein. Sie kümmerten sich um die Sanierung der Bänke. „Aber auch das Dach müsste gemacht werden“, erzählt Jens Strauß.

Zwei Dörfer ohne Mitsprache

Von den elf Ortsteilen der Stadt Treuenbrietzen haben zwei weiterhin keinen Ortsbeirat.
Seit fünf Jahren fehlt die Ortsvertretung im 162 Einwohner zählenden Dietersdorf.
Keine Kandidaten für den Ortsbeirat gab es seit Jahren auch in Niebelhorst mit 56 Bewohnern.
Nach der Kommunalwahl im Mai war ein zweiter Anlauf zur Beiratswahl möglich. Er sollte mit der Landtagswahl am 14 . September erfolgen.
Treuenbrietzens Wahlleiter, Ralf Gronemeier, sagte diese Wahl aber bereits offiziell ab, weil sich wieder keine Kandidaten gefunden hatten.
Bei der Gemeindegebietsreform 2003, die auch mit Zwangseingliederungen einherging, verloren landesweit viele Orte ihren Gemeindestatus samt Selbstbestimmung. Ortsbeiräte haben nur noch ein Anhörungsrecht.

Lühsdorf ist bei Zuzüglern beliebt. Vor allem Großstädter aus Berlin und Potsdam lieben das abgelegene Rundlingsdorf ohne Durchgangsverkehr. Sie richteten alte Höfe her. Einige machten das Wochenenddomizil zum Hauptwohnsitz. Auf 63 eingesessene Einwohner kommen inzwischen zirka 20 Personen mit Zweitwohnsitz. Von den rund 30 Häusern im Dorf ist derzeit nur die alte Gaststätte unbewohnt. „Dennoch kümmern sich die weggezogenen Eigentümer rührig um das Haus“, sagt der Ortschef. Er sieht in Lühsdorf eine gute Durchmischung aller Generationen. „Wir haben erfreulich viele Kinder im Dorf“, so Eigenfeldt.

Die neue Aufbruchstimmung sei mit dem Sabinchenfest 2010 geweckt worden. Zur Durchführung des traditionell unter den Dörfern wechselnden Tages der Festwoche, rückte die Dorfgemeinschaft zusammen. Dieser Schwung soll genutzt werden. Nächstes Jahr stehen neue Herausforderungen an. Dann sollen 640 Jahre Ersterwähnung des Ortes sowie 90 Jahre Feuerwehr größer gefeiert werden.

Von Thomas Wachs

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