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In Niemegk fehlt ein neuer Organist

Kirchenmusiker auf dem Land In Niemegk fehlt ein neuer Organist

Weil es an Kirchenmusikern mangelt, kommen die Lieder für den Gottesdienst bei Pfarrer Daniel Geißler notfalls auch vom Band. Der Niemegker Geistliche muss sich jede Woche aufs Neue um einen Organisten kümmern. Problematisch sei dabei auch die finanzielle Situation der Gemeinde. Vom schlechten Zustand vieler Instrumente ganz zu schweigen.

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Anna-Maria Pronsingpreecha (l.) übt mit Kantor Winfried Kuntz das Orgelspiel.

Quelle: Josephine Mühln

Niemegk. Der Niemegker Kirchgemeinde fehlt im Moment etwas entscheidendes: ein Organist, der regelmäßig die Gottesdienste begleitet. Seit Armin Grafe seinen Dienst an der Orgel aus gesundheitlichen Gründen beendet hat, muss Pfarrer Daniel Geißler jede Woche aufs Neue nach Ersatz suchen. „Es ist schwer, mit dieser Unsicherheit zu leben“, sagt der Geistliche. Wenn sich partout niemand finde, dann bleibe nur ein Radio und ein Speicherstick mit Instrumentalstücken der Kirchenlieder.

Es gebe nicht mehr viele Leute, die die Orgel beherrschen – das sei das Hauptproblem, sagt Geißler. Und die finanzielle Situation der Gemeinden. 1953 habe Niemegk noch zwei angestellte Kirchenmusiker gehabt. Mittlerweile könne sich die Gemeinde diese feste Stelle nicht mehr leisten. Für Organisten sei gesetzlich ein Honorar von 26 Euro pro Gottesdienst vorgesehen, weiß der Pfarrer. Das komme meist nicht mal mehr durch die Kollekte zusammen.

Wird die Orgel nicht bespielt, geht sie kaputt

„Natürlich ist auch der demografische Wandel mit Schuld, dass es weniger Kirchenmusiker gibt“, stellt Geißler fest. „Von den wenigen Jugendlichen, die auch nach ihrer Schulzeit noch hier wohnen bleiben und ein Instrument spielen, haben noch weniger am Sonntagmorgen um neun Zeit“, sagt Geißler und lacht. An Weihnachten, erzählt der Pfarrer, gehe dann immer „das große Hauen und Stechen“ los. „Da sind an zwei Tagen Gottesdienste, die sehr gut besucht sind und bei denen die Gemeinden Wert darauf legen, dass die Orgel bespielt wird“, sagt Geißler.

Pfarrer Geißler wünscht sich einen dauerhaften Ersatz an der Orgel

Pfarrer Geißler wünscht sich einen dauerhaften Ersatz an der Orgel.

Quelle: Josephine Mühln

Der Faden lässt sich weiter spinnen: Damit sie erhalten bleiben, müssten die Orgeln bespielt werden. Auch die Niemegker Orgel ist in die Jahre gekommen. „Ich finde es schade, dass unser Schmuckstück nicht repariert wird“, sagt Geißler. Andererseits würden bei zu hohen Investitionen in diesem Bereich aber auch Stimmen aus der Gemeinde laut die fragen: „Wer soll denn darauf spielen?“

Nur noch wenige Orgelschüler

Eine große Hilfe bei der Suche nach einem Organisten sei ihm in den letzten Wochen Martha Gleiniger gewesen, sagt Daniel Geißler. Die 85-Jährige stimmt Geißler zu, dass es besonders auf dem Land schwer sei, Musiker zu finden. Sie unterrichtet seit über 15 Jahren Nachwuchsorganisten. Die Zahl ihrer Schüler habe mit den Jahren abgenommen. Waren es früher noch 60, so kommen heute um die 13 Musiker regelmäßig zu ihr – alle im Erwachsenen- und Rentenalter. „Und nicht jeder von ihnen kann schon einen Gottesdienst begleiten“, weiß die Seniorin.

Die von den Niemgkern beschriebene Problematik ist auch Winfried Kuntz bekannt. Der Bad Belziger Kantor weiß, dass es zwar auch auf den Dörfern Musiker gibt, die beispielsweise Keyboard oder Klavier spielen. „Den richtigen Umgang mit der Orgel beherrscht aber auch von meinen Schülern nur rund die Hälfte.“ Neben der Tatsache, dass junge Nachwuchsorganisten das frühe Aufstehen scheuen könnten, sieht Kuntz auch die „schwierige Situation zum Üben“ als problematisch an. „Das geht nicht einfach mal so zu Hause, dafür muss ich in die Kirche gehen“, sagt der Kantor.

Orgelbauer lebte in Niemegk

Ab welchem Alter jemand einen Gottesdienst begleiten kann, könne pauschal nicht gesagt werden, sagt Kantor Winfried Kuntz. Es sei auch eine mentale Sache, wie schnell jemand beispielsweise einen Zugang zu den Liedern finde.

Ein guter Einstieg ins Orgelspiel sei aber die Pubertät, sagt Kuntz. Nach drei bis vier Jahren könne eine Prüfung abgelegt werden und der Musikus verfüge dann über einen Eignungsnachweis zum Orgelspiel.

Der Orgelbauer Gottfried Wilhelm Baer lebte von 1811 bis 1873 in Niemegk. Er schuf nach heutigem Stand 27 Orgeln, vor allem im Umkreis von Niemegk.

Wer sich vorstellen kann, den ein oder anderen Gottesdienst an der Niemegker Orgel zu begleiten, kann sich bei Pfarrer Daniel Geißler melden. Er ist per Mail an pfarramt.niemegk@ekmb.de oder telefonisch unter 033843/51 33 8 erreichbar.

Außerdem sei der schlechte Zustand vieler Orgeln wenig motivierend. „Ich bin selbst als Jugendlicher extra drei Kilometer ins nächste Dorf gefahren, weil da die bessere Orgel stand“, erinnert sich Kuntz. Die Gemeinde dürfe von den Nachwuchsorganisten nicht erwarten, „an halbkaputten Sachen Wunder zu zaubern“.

Orgellehrerin Martha Gleiniger ermuntert indes dazu, dass sich jeder an der Orgel probieren könne, der schon mal ein Tasteninstrument gelernt habe. „Mein Unterricht ist kostenlos und wir können ja auch langsam beginnen“, sagt sie.

Von Josephine Mühln

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